Friday, November 11, 2016

DIE WACHABLÖSUNG


DIE WACHABLÖSUNG

Was gerade in Amerika und in der ganzen westlichen Welt passiert, ist eine Wachablösung.

Seit der 68er-Revolution sind die Revoluzzer von gestern zum Establishment von heute geworden und inzwischen genauso verknöchert wie das Establishment damals. Irgendwann muss jedes Establishment rausgeschmissen werden, im Guten wie im Bösen, und das passiert jetzt. Es dünkt mir, ich werde das neue Establishment weniger mögen als das alte, aber die Mehrheit der Amerikaner und der Europäer sind offenbar anderer Meinung.

Dass es Zeit wird, dass das alte Establishment rausgeschmissen wird, merkt man an der Stagnation unserer Kultur: Damals hatten wir Grass und Böll, heute haben wir Daniel Kehlmann; damals Beatles und Stones, heute Adele und 50 Cent. Damals, als Dylan über die changing times sang, hatte er sicher auch nie geglaubt, er würde einmal im Smoking in Stockholm stehen und den Nobelpreis in Empfang nehmen.

Dazu kommt, dass die revolutionären Anliegen der 68er, vom Sozialismus über freie Liebe bis hin zu verschiedenen liberalen Werten, weitgehend verwirklicht worden sind. Meine Mutter hätte es nie zugeben können, wenn sie vorehelichen Sex hatte, wenn heute ein Mädchen mit 18 noch Jungfrau ist, lacht die eigene Mama es aus. Und in den höchsten Ämtern Deutschlands und Amerikas sitzen eine Frau und ein Schwarzer. Man kann argumentieren, dass es noch viel zu tun gibt, aber man kann nicht leugnen, dass die Revolution gelungen ist.

Im Gegenteil: Wir verspüren heute immer wieder – wohl aus moralischer Verpflichtung gegenüber unserer Großeltern – auch das Bedürfnis, zu rebellieren, finden aber keine großen Themen. Irgendwann landen wir dann bei Rechten für Trans-Gender-Menschen, oder wir protestieren dagegen, dass Bauarbeiter Frauen nachpfeifen. Leute, die 68er-Generation hat den Vietnamkrieg beendet und gleiche Rechte für Schwarze endlich durchgesetzt. Veganer werden ist nicht auf dem gleichen Niveau. Unsere Ideologien sind klein geworden, und wir stecken eine Menge Energie in etwas rein, was eigentlich viel weniger Energie verdient.

WAS WÜRDE MARX SAGEN?

Ein klassischer Marxist würde das sogar „Klassenkampf“ nennen:

Es ist ja immer die herrschende Klasse, die die gültigen Benimmregeln definiert. Die unteren Klassen übernehmen diese Regeln nach vielen Jahren, aber bis dahin funktionieren sie als Abgrenzung: Wer die Benimmregeln der herrschenden Klasse akzeptiert, gehört zur herrschenden Klasse; wer es nicht tut, ist „einer von uns“. Seit dem Mittelalter wurde diese Methode benutzt, um Obrigkeit vom Untertan zu unterscheiden (mein Gott, bin ich denn wirklich der einzige hier, der in der Schule den Sonnenkönig durchgenommen hat)?

Als Trump in aller Öffentlichkeit sexistische Prahlereien von sich gab, Ausländer und Minderheiten abfällig behandelte und sich über Behinderte lustig machte, übertrat er die Benimmregeln der politischen Korrektheit, und das herrschende Bürgertum war entsetzt. Hätte er ein solches Verhalten als Junge um den Esstisch in den Hügeln von Kentucky an den Tag gelegt, hätte Mama ihm eine Ohrfeige verpasst – aber eine eher zärtliche Ohrfeige, denn sie weiß, „er kann sich nicht benehmen, aber tief im Herzen ist er ein guter Junge“. So funktionieren die Unterklassen – sie identifizieren sich nicht über die Benimmregen der Obrigkeit, sondern, sie identifizieren die Obrigkeit anhand ihrer Benimmregeln, und Trump, der Multimillionär, hat mit seinem Verhalten die herrschende Klasse vorgeführt – auf eine Weise, die nur die Unterklassen verstanden.

Womit er ihnen auch noch gezeigt hat, wo er tief im Herzen (bzw. sein eingewanderter Großvater) herkommt: aus der Unterschicht. Und selbst als Millionär hält er dieser einfachen Herkunft die Treue, mag er inzwischen auch mit silbernen Löffeln essen. Was auch ein ganz wichtiges Versprechen des amerikanischen Traums personifiziert: Ich bin einer von unten, wie ihr, aber ich habe es ganz nach oben geschafft, und das könnt ihr auch! If I can make it there, you can make it anywhere!

Hillary, auf der anderen Seite, hat keinen Umgang mit den Unterklassen, für die sie angeblich (und auch praktisch) kämpft. Sie verhält sich wie ein klassischer Anwalt, der die herrschenden Klassen vertritt. Als ihr vorgeworfen wurde, E-Mails von ihrem privaten Konto auf dem Server der Secret Service abgeschickt zu haben – nichts weiter als eine Übertretung der Vorschriften, eine Ordnungswidrigkeit – hat sie wie eine klassische Anwältin reagiert: Erst mal kategorisch widersprechen und gucken, ob die Gegenseite Beweise hat, dann weiter sehen. Die Unterklassen kennen das – sie werden ihr ganzes Leben lang von diesen Scheißanwälten an der Nase rumgeführt, sie kennen die Sprache, die diese Typen benutzen. Sie haben in dem Moment Hillary als das erkannt, was sie ist: Zu der Oberklasse gehörig.

Hätte Hillary gesagt, „Ach du Scheiße, ich habe den falschen Server benutzt, Mannomann, diese Vorschriften, es gibt einfach zu viele, man kann sie nicht alle auswendig lernen, ich versuche hier, das Richtige für mein Land zu tun und da kommt immer einer daher und sagt, aber du hast etwas falsch formuliert, oder den falschen Antrag ausgefüllt, und schon muss man sich den ganzen Tag lang mit Kleinkram beschäftigen, das macht mich fertig!“ hätte man ihr alles verziehen. Sofort! Aber die Anwältin in ihr konnte das nicht.

Ich weiß, dass viele Bürgerliche, die das hier lesen, ihre Benimmregeln für universell erachten. Sie sind es aber nicht. Für sie also noch einmal im Klartext: Politische Korrektheit ist ein Identifikationsmerkmal der bürgerlichen Klasse und kann die unteren Klassen nicht beeindrucken. Deswegen – und das ist die einzige Erklärung, die ich finde – habe so viele Bevölkerungsgruppen, die von Trump beleidigt wurden, ihn trotzdem gewählt.

WIE HEISST DAS NEUE ESTABLISHMENT?

Die Revolution – das neue Establishment – heißt Nationalismus.

Viele Menschen halten Nationalismus für ein rein politisch-moralisches Konzept. Nationalismus äußert sich heute aber vor allem ökonomisch: Wirtschaftlicher Nationalismus ist das Gegenteil von Globalisierung, Freihandel und von politischen Verbünden wie die EU.

Dieser Nationalismus fing in Europa unter den Linken an, die den nationalistischem Aspekt verdrängten und so taten, als ob es ihnen um Kapitalismuskritik ging, obwohl die Anti-Globalisierungs-Bewegung sich fast ausschließlich gegen Amerika richtete. Wenn man von „großen internationalen Unternehmen“ spricht, meint man immer Google, Facebook & Co., niemals Siemens, Mercedes und die Deutsche Bank, und das machte es möglich, dass der Deutsche stolz darauf sein konnte, dass sein Land Export(vize)weltmeister war und gleichzeitig die Globalisierung beklagen konnte.

Auch der bizarre Kampf einer Exportnation gegen den Freihandel (von dem Deutschland seit den 1950ern profitiert, der aber erst in Verruf geraten ist, als ein Vertrag mit Amerika geschlossen werden sollte) war ebenso Nationalismus und die Ablehnung der EU, über der schließlich die AfD entstanden ist, war bloß Nationalismus. Man beklagte sich – ausgerechnet als Deutscher – über die Bürokratie und eine stärkere Ausrede benötigte niemand, um die aufgehobenen Grenzen zu den ärmeren, bedürftigeren europäischen Ländern wieder herbeizuwünschen.

All diese Phänomene, die sich nicht offen als Nationalismus deklarierten, wurden von rechts und links gleichermaßen betrieben und ebneten den Weg für den politischen Nationalismus, der jetzt in voller Blüte vor uns steht.

In Amerika hatten Bill und Hillary Clinton die Globalisierung vorangetrieben und Obama war ausdrücklich Internationalist, der eine starke EU wünschte und durch TTIP und die TPP versuchte, alle demokratischen Länder jenseits der beiden Ozeane enger zusammen zu binden. Sie gehörten alle drei zur 68er Generation – jetzt wurde diese Generation und ihr Internationalismus abgewählt.

Trump ist nicht der erste Nationalist der neuen politischen Generation – ihm sind viele Europäer voran gegangen: Orban, Kachinsky, Putin, Farage und Johnson, Marine LePen, die AfD und andere. Trump war auch nur der vorläufige Höhepunkt: Bei der nächsten Bundestagswahl werden wohl zwischen 20% und 30% der Stimmen an die AfD gehen. Ich wäre überrascht, wenn die Afd nicht in die Regierung kommt.

WAS WIRD NICHT PASSIEREN?

Trump hat keinerlei politischen Erfahrung und es ist nicht möglich, seine reale Politik der nächsten vier Jahre einzuschätzen. Trotzdem kann man mit einiger Sicherheit sagen, dass erstmal nichts so heiß gegessen wie gekocht wird. Trump wird z.B. als Rassist und Frauenfeind verschrien, aber viele dieser Vorwürfe sind übertrieben.

Seine Sprüche von Mexikanern und Migranten: Er will illegale Einwanderer rausschmeißen. Naja, auch die meisten deutschen und europäischen Politiker wollen Asylbetrüger abschieben, in Europa gehören solche Sprüche zum Alltag von respektierten Politikern, z.B. Seehofer. Wir regen uns nicht weiter über sie auf.

Die europäische Norm ist noch viel rassistischer als Trumps Ausfälle: In Deutschland gibt es kein Einwanderungsgesetz – niemand darf einfach so rein spazieren, weil er hier ein besseres Leben sucht, sondern, er muss politisch verfolgt sein. Und wenn er das nicht ist, kann er noch nach 13 Jahren, die er perfekt integriert hier verbracht hat, abgeschoben werden. In Amerika werden über 1 Million ganz legale Einwanderer jedes Jahr eingelassen – dagegen hat Trump nie was gesagt, nur gegen die Illegalen. Nach europäischen Verhältnissen ist das eine radikal fremdenfreundliche Einstellung.

Die Überwachung von Muslimen: Trump will Muslime insgesamt raushalten – das ist aber verfassungswidrig, das schafft er nicht. Er will auch alle Muslime überwachen lassen. Naja, das ist erst mal auch verfassungswidrig und dazu kommt, dass den Behörden dazu das Personal fehlt. Praktisch kann er (vermute ich) nur so weit gehen, verdächtige Muslime überwachen zu lassen – naja, das macht aber die NSA sowieso schon und in Deutschland der Verfassungsschutz. Er kann das ganze intensivieren, er kann sogar „racial profiling“ wieder zur Norm erklären – aber alle Muslime rausschmeißen, überwachen lassen oder in KZs schmeißen – das kann und wird er nicht. Selbst wenn das Klima für Muslime insgesamt kälter wird – was durchaus möglich ist, hier ein Vergleich: In Deutschland werden 800 Straftaten gegen Asylbewerber jedes Jahr verbrochen – so viel Schaden wird Amerika auch unter Trump nicht anrichten können.

Trump begrabscht Frauen, stimmt. Aber er wird kein Gesetz erlassen, das von Frauen fordert, sich begrabschen zu lassen. Er hat auch keine Pläne für ein Mutterkreuz. Er ist ein Chauvi, aber nichts in seinen Reden oder in seinem Lebensstil weist darauf hin, dass er Frauen aus den höheren Etagen von großen Unternehmen jagen will. Es ist vielleicht das Ziel vieler christlichen Fundamentalisten, Frauen zurück am Herd zu sehen, aber Trump ist kein Christ und er kommt aus Manhattan – er wird die Frauenbewegung nicht rückgängig machen.

Viel an seiner Politik wird sogar geradezu bejubelt werden. Er ist gegen TTIP – die meisten Deutschen auch. Er wird die EU wahrscheinlich nicht unterstützen – wenn sie zerfällt, und es sieht im Moment danach aus, wird er möglicherweise nichts dagegen tun. Das wird auch viele Deutsche freuen. Er will Europa zu Kasse für die NATO bitten – Europa will aber nicht zahlen, schon deswegen, weil die Sozialsysteme in Europa so teuer sind, dass man nicht beides finanzieren kann, ohne die Steuer zu hoch zu schrauben. Eher werden einige Europäer, vor allem in Deutschland, die NATO abschwächen. Auch das wird viele Deutsche freuen.

WAS WIRD PASSIEREN?

Ich halte andere Aspekte der nationalistischen Revolution für viel wichtiger als Trumps verwerflichen Charakter:

1. Der rechte Kongress.

Die Republikaner in beiden Häuser des Kongresses sind jetzt in der Macht und haben so gut wie keine Opposition. Trump hat keine politische Erfahrung und auch keinen politischen Willen – die Republikaner aber schon. Sie werden sofort rangehen, ihre Politik durchzusetzen, und sie werden Erfolg haben. Während die ganze Welt jeden Tag neue empörende Sprüche von Trump hört und sich maßlos darüber aufregt, wird leise und ungestört im Hintergrund der Kongress den gewaltigste Rechtsruck der amerikanischen Geschichte einrichten – und die Medien werden es zum größten Teil gar nicht merken, weil die ganze Aufmerksamkeit auf Trump gerichtet ist.

2. Das Ende der Politischen Korrektheit:

Gesellschaftlich wird sich einiges ändern. Die ganze scheinheilige, übertriebene politische Korrektheit der letzten Jahrzehnte wird umschlagen; die Alltagskultur wird gröber und dunkler werden, aber vielleicht auch ein wenig ehrlicher. Ich bin froh, dass mindestens die Homoehe schon eingeführt werden konnte, bevor der Rechtsruck kommt – das ist nicht mehr rückgängig zu machen. In Deutschland ist das allerdings nicht passiert – hier wird es dann auch keine Homoehe mehr geben. Meine Vorhersage: In vier Jahren wird es nur noch eine Handvoll Veganer auf der Welt geben.

3. Die Isolation der EU:

Die politischen Führer Europas hassen und verachten Trump und er weiß es. Sie haben es oft und laut gesagt. Er ist ein Mensch, der sich nicht gern beleidigen lässt. In Zukunft wird er in der westlichen Welt isoliert sein – allerdings bedeutet das auch, dass Europa isoliert sein wird. Europa und vor allem Deutschland braucht den amerikanischen Markt – das ist der größte und lukrativste Markt für den Weltvizeexportmeister – und Trump wird es vielleicht schaffen, höhere Tarife und Hürden für Europäer durchzusetzen. Dagegen werden die europäischen Politiker nicht viel ausrichten können – Trump wird keine große Lust verspüren, Europa entgegen zu kommen.

Trump hat auch signalisiert, dass er Putins Plänen nicht im Wege stehen wird. Das bedeutet, Putin wird an der Grenze zur EU freie Hand haben, und er wird auch in seinen Bemühungen, die EU auseinander zu treiben, mehr Erfolg haben. Was viele Deutsche heute nicht sehen wollen, wird bald klar werden: Putins Feind war nie die USA, es war immer die EU. Das wird die EU erst merken, nachdem Putin Erfolg hat. An alle meine ukrainischen Freunde: Get out while you still can.

4. Es wird endlich wird gute Popmusik geben.

Gute Popkultur lebt von politischem Widerstand: die Genies der 60er und 70er kamen aus der Zeit des Vietnamkrieges (es war mehr als ein Krieg – es war ein Krieg, in den bürgerliche Kinder geschickt werden konnten – deswegen war der Protest so stark) und des Kampfes gegen die Rassentrennung. Jazz entstand in der Weltwirtschaftskrise und Blues in der Sklaverei. Ich hoffe, wenn etwas Gutes aus der Trump-Epoche kommt, wird es ein Ende der Stagnation der Popkultur sein.

DIE HERAUSFORDERUNG

Ich persönlich bin über die nächsten vier Jahre gleichermaßen verängstigt und gespannt. Etwas Neues ist immer schlecht für diejenigen, die anderer Meinung sind, aber Konflikt kann auch heilsam sein. Man kann die Trump-Zeit als Steilvorlage für die eigene Dauerempörung sehen, oder als Herausforderung. An Herausforderung kann man wachsen.

Ich hoffe, wir sind alle dazu in der Lage, diese Herausforderung anzunehmen und zu beweisen, dass wir nicht nur jammern können, sondern auch etwas zu dieser Welt beizutragen haben.


(Dieser Text entstammt einem Vortrag vor den Länderchefs der Heinrich-Böll-Stiftung am 10. November 2016)

Sunday, August 14, 2016

Ancient Texts & I

Growing up a Mormon affected my relationship to books.

For a Mormon, books are more than just escape or entertainment or information, or even beauty or wisdom, they were a kind of window looking out on the eternal. Some books were special because they contained the word of God – and those books were old, written thousands of years ago by wild-eyed prophets, oversexed poets in perfumed desert tents, nameless historians trying to make sense out of past, present and future, radical religious rebels and perplexing visionaries.

I think that explains why I always had a tendency toward ancient texts, much more so than modern texts – modern books are fine, perhaps also more relevant and certainly more exciting (the ancient authors didn’t get suspense), but to me ancient texts are mysteries to be unraveled, holding truths we have lost today. That’s why when I began studying literature my interest immediately tended to the Middle Ages. Even today I revere the old books more than the new, starting in the Middle Ages but going as far into the modern age as Shakespeare, Cervantes and Montaigne. They have always seemed real to me, while most books written today seem less substantial (with some exceptions, like Rilke).

But there is another aspect – books like the Bible or the Book of Mormon are not chronological. If you read a Stephen King novel or Cervantes you have to start in the beginning and read it through. But Holy Scripture, like an encyclopedia – is not. You can open it to any page at any time and just read and you will have the feeling that you are receiving wisdom or casting an eye into the eternal.

And a lot of those ancient books I love have the same affect – you can pick up Boccaccio and read a story in the middle somewhere, and have the feeling you’ve understood something about human life. You can browse Gracian like the internet and always find something that applies to your life. One of my favorite modern books is “Cultural Amnesia” by Clive James, a collection of brilliant essays – you can pick it up and read anywhere at any time and you will get something out of it. I would love to be able to write a book like that.

As a kid I would sit and read the encyclopedia, and I still love encyclopedias and compendiums.

So it is that that I, when I am tired of the world around me, retreat to the old texts and look to them for wisdom, whether they be religious, like the Bible, or practical, how-to social behavior books like Gracian, or fiction like Wolfram von Eschenbach or Boccaccio or Ovid (though I admit I never got into Homer). I even often dream of rewriting some of these books to bring them into the modern age – in fact, I’m working on a modernization of Erasmus’s classic “In Praise of Folly”.

In the end, the old writers were not actually wiser than modern writers (and thanks to science, writers today know more about life and human behavior than the writers back then did – and if you’ve ever read medieval didactic literature or even writers like Aristotle or Confucius, you’d quickly see that the wrote a lot of bullshit), but somehow there still seems to be a difference to me – maybe writers back then saw their task as something holy – they weren’t simply writing to compete with other writers or to get on the bestseller list, they were looking for truth, or believed they had found it, and not some small detail of the truth or some cliché truth like “the universe is cold” or “love conquers all, but Truth with a capital T, Big Truth.

In so doing, they wrote books that defied genres and categories and somehow found a way to transcend the mundane world. Transcendence – that’s what I’m looking for when I turn to these kinds of books. And I wonder, will people 500 years from now look back at us and find books by our authors today that can transcend the world like the ancient texts did?

Thursday, August 20, 2015

Die deutsche Kultur ist stagniert

Auf Facebook kamen die Vor- und Nachteile des öffentlichen Rundfunks zur Sprache, und ich war erstaunt, wie viele Ausreden für dessen Versagen man erfand. Da kann ich den Mund nicht halten: Die deutsche Kultur heute ist längst stagniert, und das staatliche Mäzenatentum, einschließlich das ÖF-System, trägt daran die Hauptschuld.

Vergleichen wir die deutsche Kultur heute mit der Kultur fast jeder anderen Epoche in Deutschland: In den kurzen 15 Jahren der Weimarer Republik hat Deutschland die Kunst, Literatur, Film, Musik und Popkultur revolutioniert. Fast jede Genre, von der heute Hollywood lebt, kommt aus Berlin dieser Zeit. Auch andere Epochen habe Großes vollbracht: Vor der BRD war man daran gewöhnt, das Deutschland eine der führende Länder in der Hoch- und Popkultur war.

Die Deutschen wollen es heute aus Gründen des Patriotismus und des Selbstbildes nicht zugeben, aber die Kultur der BRD liegt mit wenigen Ausnahmen  (Lola rennt war wirklich gut; im Bereich Kunst kann sich Deutschland schon sehen lassen) brach, aus dem Niveau des Biedermeier, oder noch schlimmer: Stagniert, irrelevant, uninteressant, peinlich.

Machen Sie selbst den Test: Stellen Sie sich vor, Sie schreiben in 100 Jahren ein Buch über die deutsche Kultur und haben 100 Seiten. Was kommt rein? Beethoven, das hohe Mittelalter, die Weimarer Republik, klar ... und was von der BRD würden Sie da rein bringen? Wenn überhaupt, dann die Generation Böll, Grass, Reich-Ranicki. Nur: Diese Generation war nicht in der BRD, sondern in der Weimarer Republik bzw. in der Nazi-Zeit sozialisiert. Nachdem diese robuste, kämpferische Generation weg war: Nichts.

„Kultur“ heute ist vor allem Popkultur: Das liefert die Sounds, die Bilder, die Ideen, die Ikonen, die Geschichten unseres Lebens. Und von den Beatles bis Murakami, von Stars Wars bis Breaking Bad, diese Kultur wird aus dem Ausland importiert, weil die in Deutschland hergestellte Kultur im Vergleich fade, mutlos und imitativ ist.

Der Grund: das staatliche Mäzenatentum dominiert die gesamt Hoch- und Popkultur, allen anderen voran das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem, das von Politikern und politisch bestellten Gremien gelenkt wird und durch gesetzlich festgelegten Steuern finanziert wird: Das ist Staatsfernsehen; das ist das gleiche Mäzenatentum, das in obrigkeitsgläubigen Deutschland seit dem Mittelalter herrscht.

In den staatlichen Gremien, die das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem führen, sind die Staatsbeamte hochmotiviert, nicht negativ aufzufallen: Macht man etwas Neues oder Mutiges, und es floppt, ist man die Karriere los; macht man etwas, worüber ein Pastor im Rundfunkrat oder die Ehefrau eines Ministers abfällig äußert, ist die Karriere tot. Wer in der Popkultur in Deutschland eine Karriere hat, hat kapiert, dass er für Beamten arbeitet, und gestaltet seine Arbeit dementsprechend.

So funktioniert das Mäzenatentum: das ist Absicht. Der Staat benutzt sein Fernsehen, um sich ins Bild zu setzen und dem Publikum vorzumachen, dass sie in einer heilen Welt leben, in der, wie am Ende jedes Tatortes, alles von oben gut geregelt wird. Die Aufgabe des Staatsfernsehens ist es, im Volk Ruhe und Ordnung und Vertrauen im Staat zu inspirieren.

Das gilt nicht nur für das öffentlich-rechtlichen Fernsehen, sondern auch für die Privaten in Deutschland, die es nie geschafft haben, über das Niveau der Öffentlich-Rechtlichen hinaus zu gehen. Der Grund: Das Staatsfernsehen mit seinen unzähligen regionalen und Spartenkanälen beherrscht die ganze Popkultur, weil sie so krakenartig groß ist, dass niemand daran vorbeikommt. Jeder, der Film oder Fernsehen lernt, lernt irgendwann in staatlichen Hochschulen oder in staatlichen Rundfunkanstalten; jeder, der in den Privaten was zu sagen hat, kommt aus den staatlichen Institutionen oder weiß, dass er irgendwann in seiner Karriere dahin kommt.

Die Ausreden, warum das Staatsfernsehen doch eine gute Sache ist, sind alle fadenscheinig und irrelevant:

- „Ich will, dass meine Kinder ohne Werbung fernsehen.“ Gäbe es Kika etc. nicht, entstünde eine Marktlücke im Bezahlfernsehen für TV ohne Werbung. In den USA schaut man das z.B., auf Netflix oder HBO. Und zahlen muss man so oder so: Mit den GEZ-Gebühren finanziert jedes kinderlose Ehepaar, jeder Student, jede Kneipe, jeder Opa die Kika mit. Warum sollten die Eltern nicht selber das Fernsehen ihrer Kinder finanzieren?

- „Ich will eine Alternative zu dem Scheiß der Privaten haben.“ Überraschung: Das Niveau des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist nicht höher als das der Privaten. Tatort ist vielleicht langsamer als ein RTL-Copshow, aber nicht intelligenter und nicht kulturell wertvoller. Das Musikantenstadl ist nicht intellektueller als der Dschungelcamp. Im Gegenteil: Der Dschungelcamp hält der Gesellschaft eine unangenehme Spiegel vor, in dem man sieht, was für schreckliche Menschen diese Kultur hervorbringen kann. Der Musikantenstadl dagegen spiegelt der Gesellschaft eine heile Welt vor. In der Kulturgeschichte nennt man dieses Phänomen „Biedermeier“.

Das erste, was passiert, wenn das öffentlich-rechtlichen Fernsehen eingestampft wird, ist folgendes: ein privates 24-Stunden-Volksmusikkanal wird auftauchen, gefolgt von einen „Bayern, kein schöner Land“-Regionalkanal, gefolgt von dem Tierdoku-Kanal, etc. Alles, was das öffentlich-rechtliche Fernsehen ausstrahlt, kann man auch privat herstellen. Der Markt dafür gibt es ja.

- „Der Journalismus des öffentlich-rechtlichen Fernsehens ist viel besser.“ Naja, erstens nicht wirklich. Es ist sehr oft tendenziös und staatshörig, und ebenso oft verkennt es – genau wie die deutschen Zeitungen – die Grenze zwischen Berichterstattung und Meinung. Was die Tagesschau kann, können auch seriösen privaten Sender wie CNN oder CBS/ABC/NBC.

Abgesehen davon muss das öffentlich-rechtlichen Fernsehen und der Tagesschau nicht ganz verschwinden. Ich denke, Deutschland verträgt und rechtfertigt ein staatlicher Kanal, vielleicht zwei: Ein Kanal bleibt, produziert weiterhin Tatort, Polittalkshows und Tagesschau und hat jeden Tag ein 1- oder 2-stündiges regionales Fenster, der von einem kleinen regionalen Team produziert wird. Ein Tagesschau reicht: Es gibt kein Grund, dutzende von staatlich geführten Nachrichtensendungen zu produzieren. Daneben dann Arte, oder ein Kanal, der abwechselnd regionale „Die Oma von Nebenan“-Sendungen bringt. Der Staat muss nicht ganz auf sein Sprachkanal verzichten, er soll bloß die ganze Kultur nicht mit in den Abgrund  herunterreißen. 16 staatlich geführten und finanzierten regionalen Sender braucht kein Land, und wenn das Volk ein Theaterkanal will, soll es selber dafür mit Abos bezahlen.

- „Die BBC hat auch öffentlich-rechtliches Fernsehen, und sie produziert herrliche Dinge.“ Erstens, die englische Tradition ist weniger obrigkeitshörig als die deutsche, und das kommt der BBC zugute. Die englische Tradition ist deutlich staatskritischer und staatsunabhängiger als die deutsche. Das geht sogar auf Shakespeare/Goethe zurück: Shakespeare war Privatunternehmer, Goethe schrieb für Mäzenen. Dazu kommt, dass die BBC immer ein bisschen hinter dem eigenen Potential hinkt. Das Beste, was die BBC in den letzten Jahren produziert hat, war „The Office“ (in Deutschland „Stromberg“) – nach 2 Staffeln wurde es aus intern politischen Gründen gecancelt. Ricky Gervais musste nach Hollywood, um die Sendung neu zu machen und auf 9 Staffeln zu verlängern – wie es auch verdient hat.

Und vor allem: Dass es der BBC gelingt, tolle Sachen herzustellen, dem deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen aber nicht, obwohl das deutsche System grösser und teurer ist, ist doch der endgültige Beweis dafür, dass das deutsche System nicht zu retten ist.

- „Ich will nicht, dass unser Fernsehen so schlimm wird wie in Amerika“. Sorry, aber das ist schon der Fall. Nein, es ist noch schlimmer: Wir Amis verbrechen einiges, wenn es um Fernsehen geht, aber ein Musikantenstadl haben wir noch nicht auf dem Gewissen. Wer nach Amerika zeigt, zeigt nur auf das Schlimmste, was es dort gibt, von Lokalnachrichten bis Fox News. „Gott sei dank haben wir das nicht hier.“ Aber genau das habt ihr hier: Haben Sie jemals die Nachtrichten auf RTL2 geschaut? Wussten Sie, dass Fox News nur 2 Millionen Zuschauer hat – und dass die Bild Zeitung ebenso 2 Millionen Leser hat?

Was aber Amerika hat - und Deutschland nicht  - ist, neben dem Scheiße, die Qualität: Wer Kultur liebt, schaltet nämlich Dschungelcamp nicht ein, sondern Mad Men und Breaking Bad. Sendungen, die nicht nur mutig, neu und anspruchsvoll sind, sondern auch etwas über das Land aussagen, in dem sie hergestellt werden. Das ist die Definition von Kultur, und das kann Deutschland nicht. Und das nicht nur seit kurzem: Auch vor Mad Men musste Deutschland Holocaust, Roots/Würzel und Dallas importieren. (“Moment mal, Deutschland war nicht in der Lage, Holocaust zu drehen? Aber das ist doch alles in Deutschland passiert. Wissen sie den dort überhaupt, was Fernsehen ist?”)

In ein paar Generationen werden die Kinder auf das „Neue Biedermeier“ der BRD im frühen 21. Jahrhundert zurückblicken und sich fragen, warum man damals nicht merkte, dass die Kultur damals völlig stagniert war. Und jemand wird sagen: „Sie haben lieber Ausreden gemacht, als etwas zu ändern.“


Thursday, August 13, 2015

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Saturday, August 01, 2015

Macht Kapitalismus die Welt besser oder schlechter?


Auf Facebook hat jemand geschrieben:

„Das Problem im Kapitalismus ist, dass sich alles finanziell lohnen muss. Das bedeutet, dass schöne Dinge, die keinen finanziellen Nutzen haben, in so einem System nicht entstehen oder erhalten werden. Heute würde niemand mehr eine Kathedrale bauen, die keinen wirklichen Nutzen hat (lassen wir die Kirchendiskussion mal außen vor). Oder die Fuggerei, das war eine Spende. Ach was, ganz Köln war ein Geschenk der Römer damals! Oder die Pyramiden. Die letzteren sind zwar mit Sklavenarbeit entstanden, aber der weltliche Nutzen der Pyramiden ist gleich Null. Im Kapitalismus gibt es nur Glaspaläste von Versicherungen und Banken, aber keine wirklich großen Antriebe, wie zum Beispiel ein einheitliches Stadtbild, etwas schönes oder ähnliches. ...“

Meine Antwort:

Das Argument hört sich nur oberflächlich stark an. Bei der Überprüfung sieht man, dass Sie auf einen rhetorischen Fehler reingefallen sind: Sie haben das Wort “alles” benutzt: “alles muss sich finanziell lohnen”. Damit haben Sie den Kapitalismus großer gemacht, als es ist. Kapitalismus ist nur ein Wirtschaftssystem und damit nur ein Teilbereich einer Gesellschaft: Der richtige Satz müsste nicht „alles“ heißen, sondern “jedes Unternehmen“ muss sich finanziell lohnen. Das stimmt dann auch: Das Ziel der Kapitalismus ist gewinnbringende Unternehmen.

Kein Kapitalist, auch kein kapitalistischer Staat, ist nur ein Unternehmen und sonst gar nichts. Ein Staat, auch jeder kapitalistischer Staat, besteht aus Wirtschaft, Zivilgesetze, Kultur, Religion, etc. Eine Kirche genießt Steuerfreiheit nicht, weil es profitabel geführt werden muss, sondern, weil der Staat sie für gesellschaftlich relevant hält. Eine Schule wird vom Steuerzahler/Staat finanziert, weil der Staat glaubt, jeder soll eine Chance zum sozialen Aufstieg haben, nicht nur die Kinder der Reichen. Die wenigsten Entscheidungen, die ein Politiker trifft, haben etwas mit Profitstreben zu tun – weil die Wirtschaft nur ein Teil der Gesellschaft ist.

Auch einzelne Menschen sind nicht nur “Kapitalistin”, sondern mehr: Bill Gates wollte, nachdem er sich dumm und dämlich verdient hat, etwas für die Welt tun und hat einen großen Teil seines Vermögens gespendet. In Amerika nennen wir das “Philanthropy” - es wird von allen Reichen erwartet, dass sie der Gesellschaft etwas zurück geben. Sie tun das nicht aus Profitstreben, sondern weil sie neben ihrer wirtschaftlichen Tätigkeiten auch noch in der Gesellschaft leben. In Amerika sind so gut wie alle Kirchen, Museen und privaten Universitäten zum größten Teil von privaten Spenden gefördert, vermutlich von Menschen, die ihr Geld über kapitalistischen Mittel verdient haben – und siehe da, wir haben die größten Museen, Kirchen und Universitäten der Welt.

„Im Kapitalismus gibt es nur Glaspaläste...“ Das stimmt einfach nicht. Erstens, Glaspaläste entsprechen dem Schönheitsideal unserer Zeit, genau wie Fachwerk dem Schönheitsideal einer vergangenen Zeit entspricht, das hat mit Trends zu tun, nicht mit Profitdenken – im Gegenteil, die schönsten Europas von den großen Steinpalasten über die Fachwerkpalästen der alten Kaufleuten entstanden nicht aus Liebe sondern 1) aufgrund von der Ausbeutung der Armen und 2) als Statusstreben der Reichen. Die Liebe zur Schönheit war da zweitrangig. Und: An den Glaspalästen unserer Zeit verdienen nicht nur die Reichen.

„Im Kapitalismus gibt es ... keine wirklich großen Antriebe...“ Das Gegenteil ist der Fall. Historisch kam 75% des technischen und kulturellen Fortschritts aus kapitalistischen Ländern. Auch in Deutschland waren es die von Kaufleuten geführte Städten, die den Fortschritt brachten, nicht die adeligen Burgen.

Auch heute ist die Welt nur noch von großen kapitalistischen Antrieben geprägt: Der Erfolg des Internets, die großen medizinischen Fortschritten, auch, um auf Deutschland zu kommen, das Auto – alles Kapitalismus. Selbst das Flüchtlingsproblem (Klartext: Massenmigration, die die Welt verändert) ist entstanden, weil Menschen aus armen Ländern in das reiche kapitalistischen Europa wollen – nicht um den Kölner Dom zu gucken, sondern, weil sie im Kapitalismus leben wollen.

Auch Ihre Beispiele zeigen, dass der Kapitalismus nicht “alles” ist im Leben eines Menschen oder einer Gesellschaft: Die Fugger waren unter den ersten wirklich großen Kapitalisten Deutschlands, ihr Erfolg bannte den Weg für den erfolgreichen deutschen Kapitalismus. Die Familie hat unter anderem die Fuggerei gespendet – nachdem sie reich waren – weil sie 1) der Gesellschaft etwas zurück geben wollten – sie lebten ja mit ihren Mitarbeitern, sie kannten ihre Mitmenschen und ihre Städte, neben ihrer Sorge um Profit machten sie sich schon auch Sorgen und die Zukunft und den Wohlstand ihrer Gemeinde – und 2) weil sie sozialen Status erreichen wollten: Sie gehörten zu den missachteten Kaufmannsleuten und strebten den sozial höheren Adelsschicht an. Am Ende bekamen sie auch den heiß erwünschtem Adelstitel, und sie mussten eine Menge dafür blechen. Statusstreben, die von Gesellschaft zu Gesellschaft anders definiert wird, hat auch nichts mit Kapitalismus zu tun und widerspricht oft dem Prinzip “Profitstreben”. Es ist aber auch ein Teil der Gesellschaft.

Deutschland hatte den Kölner Dom, es stimmt – Amerika hat einen Menschen auf den Mond gesetzt. Auch wenn eine Menge Technik dabei rausgesprungen ist, hatte das mit Profitstreben nichts zu tun, sondern mit nationaler Identität, und hat auch eine Menge gekostet. Ebenso die Eisenbahn im 19. Jahrhundert, das ging auf Steuerzahlertasche und auch wenn einige windige Kapitalisten den Staat ausgenommen haben, der Staat hat sich nicht aus Profitstreben ausnehmen lassen, sondern, weil er das für politisch notwendig hielt.

Auch die Regulierung des Kapitalismus kommt nicht aus Profitstreben, sondern aus dem Wunsch nach Stabilität und Chancengleichheit. Deshalb hat Amerika in 19. Jahrhundert die Anti-Kartell-Gesetze eingeführt, die den Kapitalismus stark begrenzt haben, deshalb hat Amerika neulich das Dodds-Frank-Gesetz eingeführt.

Es gehört zu den merkwürdigen Paradoxien des Lebens, dass kapitalistische Länder oft die selbstlosesten sind (damit meine ich nicht nur Amerika, sondern auch Deutschland – doch doch, Deutschland ist ein vorbildlich erfolgreiches kapitalistisches Land, vielleicht noch erfolgreicher als Amerika). Sie finden keine großzügigeren Menschen auf der Welt als in Amerika, und auch keine Menschen, die mehr Wert auf Lebensqualität – Bildung, Kultur, Spiritualität, gesellschaftlich Fairness – legen als Amerikaner. Schauen sie sich sine einen Disneyfilm an – werden da die Vorzüge des Profitstrebens gepredigt? Im Gegenteil, da werden ständig wirtschaftlich erfolgreiche Menschen (Vorbild: Der Vater in Mary Poppins) die Lektion beigebracht, dass Familie, Liebe, Schönheit und Natur die wichtigsten Werte sind. Heute werden die wichtigsten und nicht-kapitalistischsten Werte der Welt aus gerechnet aus dem kapitalistischen Amerika exportiert – unsere Popkultur, von Breakign Bad bis Mad Men, ist hochgradig Kapitalismuskritisch, viel kritischer als deutscher Popkultur, und DER Moraltrend unserer Zeit kommt auch aus Amerika: Gleichheit für Schwulen und der LGBT-Gemeinde. All das hat mit Profitdenken nichts zu tun.

Moderne Kapitalismuskritik funktioniert meist aufgrund von Pauschalisierungen und falscher Information – die Aussage, in einem kapitalistischen geführten Staat müsse “alles” aus Profitstreben passieren, ist ein solcher demagogischer/populistischer Satz, der nur funktioniert, wenn Menschen bereit sind, es zu schlucken, ohne darüber nachzudenken.

Friday, July 03, 2015

Hula Ink: Micropublisher officially launched!

Hula Ink! 

All my life as a writer I have lived with a dilemma. I believe most writers do.

On the one hand, I want to reach an audience. For this, I need to write something that a publisher can make money on, at least enough money to justify the investment in printing, distributions, all that. That is the only kind of book that can ever reach a large audience, and that is what a writer writes for - to be read.

On the other hand, there are things I just plain like to write that I know will never justify publishing. Short stories, for example, or essays, or experimental fiction that is just too weird for a mainstream audience.

Most writers, when they want to write something far from the mainstream, look for small journals to publish it, or they publish short essays in magazines. Others just write it because they love writing it and never show it to anyone. It sits in their desks and when they die their grandchildren take a look at it and say, "Huh, weird, I didn't know he wrote this stuff", and that's the end of it.

That can never replace the joy and urgency of writing for a broad audience - writing to be read. I am proud of the books I write for a broad audience and that audience is the most important thing in my life just after my girlfriend and my cat. (Actually, it's her cat. You see how she did that?). I love my readers and the books I write for them and I need that more than anything else.

But there are still other ideas, statements, characters and arguments that just don't go away. Once they get inside my head, I have to write them down. So once in a while I end up writing something that will only interest a handful of readers. Until now I would have had to file it away in a desk drawer somewhere and forget about it.

E-publishing changed all that. For the first time, it's possible for a writer to write the kind of texts he wants to and sell them online without the expensive apparatus of a traditional publisher. And if only three people read it, that's fine - that's why he wrote it, for these three people.

I founded Hula Ink to take advantage of that innovation in the marketplace.

With Hula Ink. I will publish works that print publishers cannot touch, mainly for a limited audience: short stories, but also longer texts that are too weird for the printed form, fiction and non-fiction, in English and German (I am an American ex-pat living in Berlin and I write in both languages). I will also re-publish my printed books here that are currently out-of-print, so fans can get them as e-books.

I will also publish similar works by a handful of friends: Ernie Poodle, who only write weird stuff that he never even tried to publish in his lifetime; Keiki Kailua, whose youth novel "The Boy With Green Hair" is too very personal and too sad for a mainstream publisher (I am trying to get her to write down her Hawaiian god stories as well); and dark crime and thriller stories by Astrid Ule and myself.

Hula Ink is a very personal publisher. I will publish what I like. It will be a mixed bag. There is no pressure to succeed, to make money, to get good reviews, to be successful in any way. It's just stuff I like from a handful of friends I like.

Go to our Web site here! 

I hope you like it!

- Eric T. Hansen

Thursday, July 02, 2015

Die Verantwortung liegt bei den Deutschen

In einer anderen Post, aber auch in der Presse und in manchen Kommentaren, lese ich eine Menge Ausreden, was die Deutschen und Griechenland angeht. Viele Deutsche rechtfertigen das Inkompetenz ihrer Regierung in der Europapolitik mit der Ausrede, dass die Griechen unverschämt sind oder nicht mit Geld umgehen können oder schon zu viele Chance gehabt haben. Das ist alles richtig – es spricht aber Deutschland nicht frei von seiner Verantwortung, Europa aus der Scheiße zu heben.
Weitere Ausreden höre ich, seitdem die Krise begonnen hat:
Die Europäer denken in Nationalstaaten, sie können in einer Föderation gar nicht denken, niemand hätte gedacht, dass es so schlimm um Griechenland jemals stehen könnte, und überhaupt, wir sprechen alle verschiedene Sprachen, unter diesen Umständen geht eine Union eigentlich gar nicht.
Das sind nur Ausreden.
Dass die Europäer nur in Nationalstaaten denken können, weil sie wohl zu dumm sind, um zu abstrahieren, ist ebenso an den Haaren herbeigezogen. Seitdem ich in Deutschland bin, höre ich nur von der überlegenen „europäischen“ Kultur, von der „europäischen“ Geschichte und Aufklärung; wenn ein Deutsche sich für sein Land schämt, sagt er, Ich fühle mich nicht als Deutscher, sondern eher als Europäer; und natürlich sind die Deutschen mehr als fähig, die Vorteile einer Währungsunion auszunutzen: Da sagt kein Daimlermanager, „Aber es gibt dieses Sprachproblem, und die Mentalität ist einfach so anders, wie soll ich mein Auto einem Rumänien denn verkaufen, wir haben nichts gemeinsam!
Wenn eine Föderation gut geht und profitabel ist, gibt es keine Mentalitäts- oder Sprachschwierigkeiten – das kommt nur, wenn Schwierigkeiten auftauchen, dann ist jeder plötzlich hilflos, vor allem die Deutschen, sie sonst die Weisheit und Menschensgüte mit Löffeln gefressen haben.
Ich weiß nicht, was die Lösung ist, und ich bin wohl der Meinung, dass die Griechen mehr als nur einen kleinen Teil der Schuld tragen an ihrer und an Europas Misere. Ich bin auch nicht überzeugt, dass die Tea-Party-ähnliche Merkelsche Sparpolitik ganz falsch ist – das wird sich erst herausstellen. Und das Spiel ist noch lange nicht vorbei –erst, als die Spieler behaupten, das spiel ist vorbei, fängt es erst richtig an.
Aber die Verantwortung in einer Föderation liegt klar bei der Mehrheit – also bei den anderen Ländern und bei der föderalen Regierung, die in diesem Fall faktisch aus Brüssel/Berlin besteht. Doch doch, die EU ist schon jetzt eine Föderation und hat faktisch eine föderale Regierung. Egal, wie viel Schuld Griechenland trägt und wie korrupt und unfähig die griechische Regierung ist, liegt die Verantwortung für Europa und die Verantwortung, Europa zusammen zu halten und aus der Krise zu bringen, bei Brüssel/Berlin.
Wenn ein Kind in Schwierigkeiten steckt, ist es egal, wie dumm er war, die Eltern haben die Verantwortung, ihn raus zu holen und ihn zu erziehen. Egal was passiert, die Geschichte wird die Schuld für das Scheitern Europas nicht in die Schuhe der Griechen legen, dafür ist Griechenland zu klein und Europa zu groß; sie wird die Schuld in den Schoss von Brüssel und Berlin legen. Und je mehr sich die Deutschen das ausreden, desto mehr Schuld an das Scheitern Europas werden sie tragen.