Brilliant New Book by Erica Fischer


Himmelstrasse - "Heaven Street", a street in Vienna - by Erica Fischer, who wrote "Aimee and Jaguar". I love this book for more than one reason, including that it is a perfect example of non-fiction using methods of narrative fiction - sharp, precise, honest, convincing,and it doesn't dip into the kind of self-justification or self-heroisation that books like James Frey's Thousand Little Pieces does. It's about two generations of family living under the shadow of the Holocaust - and how they fell apart for no reason that anyone can explain, but which, with the Holocaust in the background, almost makes sense. It has only appeared in German so far, so here are my comments in German:

Ich liebe dieses Buch - Erica Fischers "Himmelstrasse" (Fischer hat auch Aimee und Jaguar geschrieben). Es ist ein perfektes Beispiel fuer ein Sachbuch mit den Mitteln eines Romans.

Die deutsche Literatur erlebt derzeit ein kleines Hoch, angetrieben von Werken, die gleichzeitig literarisch anspruchsvoll und publikumsfreundlich sind – wenn man zu diesem Hoch nur eine Handvoll Bücher zurechnen könnte, müsste Erica Fischers Buch "Himmelstrasse" dabei sein.

Das Buch ist ein kleines Wunder – während andere Holocaust-Bücher davon leben, Schuld zu predigen, lässt Fischer den Holocaust als übermächtiger, dunkler Hintergrund fungieren. Als Kind in England hat sie selbst ihre Großeltern nie kennen gelernt, die in Treblinka ermordet wurden. Auch ihre Mutter war mit Ach und Krach aus Wien rechtzeitig geflohen. Sie sind also keine Holocaust-Opfer. Dennoch schwebt der Holocaust über sie wie ein dunkles Erbe, das sie nicht loswerden. Am Ende wird die Geschichte der Überlebenden zu einer Geschichte von gescheiterten Menschen.

Als ich das Buch weglegte, dachte ich, ich würde etwas mehr von Leben verstehen – dass das Leben etwas ist, was wir Menschen gar nicht in der Lage sind, zu bewältigen.

Fischer nimmt sich auch nicht raus – sie porträtiert sich auch schonungslos ehrlich und ohne Mitleid. Und man merkt, dass sie auch nicht genau versteht, warum ihre Mutter und ihr Bruder scheiterten. Das ist unglaublich ehrlich. Die meisten Autoren, die Holocaust-Bücher schreiben (oder auch Leidensmemoiren – in Amerika gibt es derzeit eine ganze Gattung von solchen Bauchnabelschau Epen – siehe "Tausend Kleine Scherben" von James Frey – die davon leben, zynisch auf die Tränendrüse zu drücken), machen dem Leser unterschwellig vor, dass sie wissen, was passiert ist – wer die Schuldigen sind oder wo der Fehler lag. Wer die am Tod der Großeltern schuldig war, ist klar; alles andere aber bleibt unklar. Das ist ein ehrlicher Blick auf den Zustand des Lebens, und es ist ein Blick, das die wenigsten deutschen Autoren heute sich leisten. Das macht "Himmelstrasse" zu mehr als einem Stück Zeitgeschichte – es handelt vom Leben selbst.

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