Wednesday, November 05, 2008

Proud


"If there is anyone out there who still doubts that America is a place where all things are possible, who still wonders if the dream of our founders is alive in our time, who still questions the power of our democracy, tonight is your answer.”
- Barack Hussein Obama

Saturday, September 06, 2008

NDR's "Hansen in der Hanse" Teil 6: Potpourri


"Hansen in der Hanse" - meine Mini-Mini-Serie auf NDR (hier klicken), jeden Montag abend ab 22:30 bei "KulturJournal. Ich fahre durch Norddeutschland und spiele mit den Menschen mein Deutschland-Quiz. Hier ein paar Extra-Texte - begleitend zur Serie - zum sechsten Teil "Potpourri":

"Deutsche Apothekensucht"

Die meisten Ausländer, die nach Deutschland kommen, fragen sich früher oder später hinter vorgehaltener Hand: »Was haben diese Deutschen nur mit ihren Apotheken? An jeder Ecke steht eine. Sind diese Leute ständig krank? So schlecht sehen sie gar nicht aus!«

Der Eindruck, die Deutschen hätten mehr Apotheken als Kita-Plätze, kommt nicht von ungefähr. In der Tat gibt es hier 26 Apotheken auf 100 000 Einwohner, in den USA gerade mal 18. Klar, dass das soziale Gesundheitssystem einen größeren Markt für Medikamente zulässt.

Doch das erklärt nicht alles. In den USA mit ihrem unsozialen Gesundheitssystem gibt jeder Amerikaner, ob versichert oder nicht, viel mehr Geld für Gesundheit aus als jeder Deutsche. Wenn es auf der Welt Hypochonder gibt, dann sind es wir Amis: Wir haben Pillen für Krankheiten, die die Deutschen noch gar nicht kennen. Nein, es muss an den Apotheken selber liegen.

Ist es möglich, dass tief in der deutschen Seele noch die Erinnerung an die andere, ursprüngliche Bedeutung dieser Einrichtung schlummert? Dass dieser Ort etwas verspricht, was Deutsche magisch anzieht? Etwas Altehrwürdiges, Mysteriöses, Wunderbares? Zum Beispiel … Süßigkeiten?

Die Vorläufer der Apotheker waren die Gewürzhändler, die zwischen medizinischen Heilkräutern und Luxusgewürzen keinen Unterschied machten. In den frühesten Apotheken wurde neben Heilkräutern auch Zucker verkauft. Die Araber benutzten ihn als Heilmittel, die Europäer auch – gegen Fieber, Reizhusten, Schmerzen in der Brust, sogar gegen die Pest. Da bekommt der Ausdruck »bittere Medizin« doch gleich eine ganz andere Bedeutung. Echte Medizin muss süß sein.

Jahrhundertelang, bis es Konditoreien gab, war die Apotheke nicht nur für Genesung zuständig, sondern auch für Genuss. (Man kann natürlich argumentieren, dass Genuss auch eine Art Heilung darstellt. Viele Frauen greifen bei akutem Liebeskummer recht erfolgreich zu Schokolade.) Selbst Lebkuchen, obwohl nicht direkt dort zu haben, war nur machbar mit exotischen Gewürzen aus der Apotheke, von Soda, Hirschhornsalz und Pottasche ganz zu schweigen.

Neben Kaffee war auch Tee anfangs nur dort erhältlich – um diverse Krankheiten zu heilen sowie den Körper zu »kräftigen«. Als Schokolade ihren Weg von Südamerika nach Europa fand, landete sie – na, wo wohl? – als Krafttrunk in der Apotheke. Auch Marzipan war im Mittelalter nur bei Apothekern zu kriegen, natürlich unter dem Stichwort »kräftigend«. Und wenn die Apotheker damals »kräftigend« sagten, meinten sie vor allem jene Organe, die zur Verwirklichung von Nachkommenschaft sowie Zufriedenstellung der Ehefrau notwendig waren.

(Aus: "Deutschland-Quiz" von Eric T. Hansen)


"Kirchenkritik zu Hansezeiten"

Das Verhältnis der Deutschen zur Kirche erstaunt mich immer wieder.

Auf der einen Seite gibt es eine unglaublich anachronistische Verschmelzung von Kirche und Staat. Während die meisten demokratische Staaten eine Trennung von Kirche und Staat anstreben, sitzen die Kirchen in Deutschland auf Einladung des Staates bei Rundfunkanstalten und den Kulturfördergremien in den obersten Etagen, und der Staat vergibt einen großen Teil seiner sozialen Aufgaben an die Kirchen weiter. Ich kann mich nie entscheiden, was undemokratischer ist: dass der Staat für die Kirchen Steuer eintreibt, oder dass der Staat die Kirchen einlädt, in den Schulen mitzumischen.

Trotz alledem gehen die Deutschen kaum in die Kirche, und innerhalb des allmächtigen Bildungsbürgertums und in den Medien wird über die Kirchen dermaßen kritisch hergezogen, dass man meine könnte, sie werden vom Teufel leibhaftig geführt.

Letztens hatte ich ein Gespräch mit einem gebildeten jungen Mann, der sagte, die Kirchen seien an alle Kriege der Welt schuldig. Als ich ihn fragte, wie viele Kriege in Deutschland denn von den Kirchen ausgegangen waren, konnte er nur den Dreißigjährigen Krieg nennen. Als ich fragte, wie viele deutsche Kriege von der politischen Obrigkeit ausgingen, war die Liste endlos. Trotzdem blieb er überzeugt, dass die Kirchen abgeschafft werden müssten – die moralische Bildung des Volks und solche Aufgaben könne der Staat übernehmen. Nach den Erfahrungen mit Hitler und der DDR hätte ich gedacht, die Deutschen würden das eher anders sehen. Merkwürdig, diese Deutschen.

Dr. Rolf Hammel-Kiesow, Professor an der Uni Kiel und stellvertretender Archivleiter in Lübeck, erzählte mir eine schöne Geschichte über Kirchenkritik in der Hanse – allerdings nicht aus pazifistischen Gründen, sondern aus rein wirtschaftlich/ökonomischen Gründen:

Kirchengebäuden im Mittelalter dienten nicht als Gebäuden für den Gottesdienst, wie heute. Sie waren immer auf und dienten auch als Räume für öffentliche Versammlungen und als Markt. Ratsherren haben sich dort aufgehalten und beraten, man ließ dort von den gebildeten Kirchendienern und anderen Briefe schreiben, etc. Eine Kirche war ein öffentlicher Raum.

Dazu kommt es, dass aufgrund der spezifisch mittelalterlichen Frömmigkeit dort Tag und Nacht Messen gelesen würden – zum Beispiel für Verstorbenen. Oft wurden in den verschiedenen Seitenkapellen mehrere Messen gleichzeitig gelesen. Bei all dem Treiben ist es nicht verwunderlich, dass es in den Kirchen manchmal laut wurde.

Immer wieder findet man heute beim Durchstöbern der mittelalterlichen Archiven schriftlich Klagen, dass es in der Kirche zu laut ist. Meist sind es Priester, die sich gezielt beim Stadtrat beschweren, dass die Kaufleute bei ihren Geschäften zu viel Lärm machten.

Doch in der Hanse hatte man wohl manchmal mehr Respekt vor Geld als vor Gott, und in Stralsund kam es mindestens einmal anders. Laut einer heute noch erhaltenen Dokument haben sich die Gewandschneider über die Priester in der Nikolaikirche beschwert: Sie würden bei der Lesung der Messe zu viel Lärm machen und stören ihre Geschäfte.

Sunday, August 31, 2008

NDR's "Hansen in der Hanse" Teil 5: Bremen

"Hansen in der Hanse" - meine Mini-Mini-Serie auf NDR (hier klicken), jeden Montag abend ab 22:30 bei "KulturJournal. Ich fahre durch Norddeutschland und spiele mit den Menschen mein Deutschland-Quiz. Hier ein paar Extra-Texte - begleitend zur Serie - zum fünften Teil "Bremen":

Der amerikanische Traum a la Hanse

Eines der mächtigsten Ideen der letzten 200 Jahren ist der amerikanischer Traum – die Idee, dass man den festgefahrenen Verhältnissen in (adeligen) Europa entfliehen kann und in Amerika das werden kann, was man werden will. Das hing schon vom Anfang an mit Geld zusammen – denn sozialer Aufstieg war ohne Geld nicht möglich, und man konnte nur dort zu Geld kommen, wo man die Freiheit hatte, seine Pläne zu verwirklichen. Also in Amerika.

Und es stimmt schon, dass adeliger Europa vor 200 Jahren festgefahren war (und auch gar nicht so lange her, denn in Deutschland wurde der Adel und damit auch der Leibeigenschaft erst 1918 abgeschafft). Aber waren die Europäer wirklich so dumm, dass erst die Amis auf die Idee kamen, etwas dagegen zu tun?

Nein. Schon im Spätmittelalter gab es den amerikanischen Traum – und er hieß "die Stadt".

"Bestimmte Städte haben es geschafft, sich außerhalb des adeligen Systems zu stellen", sagte Bremer Archivar Konrad Elmshäuser. "Sie haben sich emanzipiert."

Wer als Leibeigener unter der Herrschaft des Adels lebte, musste alles tun, dass ihm gesagt wurde – er konnte nicht umziehen, wie er wollte, er konnte nicht einen andere Beruf aussuchen, er konnte teilweise nicht mal ohne Erlaubnis seines Herrn die Frau heiraten, die er selbst aussuchte.

In den Städten war das anders. Er war frei. Sicher, die Stadtherren waren nicht die super aufgeklärten Liberalen, aber im Großen und Ganzen konnte man so leben wie man wollte. Und wer es schaffte, aus dem adeligen Leibeigentum zu fliehen und mindesten "ein Jahr und ein Tag" in einer Stadt unbehelligt zu leben, war er frei. Er gehörte nicht mehr seinem Herrn und genoss den Schutz der Stadt.

Tellerwäscher Werenzo

Das gefällt mir. Es war die mittelalterliche Variante der amerikanischen Geschichte "Vom Tellerwäscher zum Millionär". Man konnte sich als Korbflechter in der Stadt niederlassen, einem Korbflechtergilde beitreten, seine Körbe am Markt verkaufen, Angestellten anheuern, die noch mehr Körbe flechten, und dann die Körbe in aller Welt verkaufen. Unter dem Adel war das nicht möglich.

In den Bremer Archiven liegt eine Urkunde von 1200, in der Arnold und Eberhard, die Grafen von Altena, offenbar nach einem Streit mit der Stadt, kleinbeigeben – sie "verzichten" auf ihr Eigentum, nämlich auf einen gewissen Mann namens "Werenzo", der offenbar ehemals ein Hörigen von Arnold und Eberhard war.

Was passiert war – wie lange Arnold und Eberhard den Werenzo gesucht haben, was sie alles getan haben, um ihn zurück zu kriegen, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, was Bremen alles getan hat, um den man zu schützen. Wir wissen nur, dass die Städte auch wirklich gegen den Adel um die Freiheit ihrer Städter gekämpft haben.

Kinderstube der Demokratie.

Im Grunde war die Freiheit der Städte auch der erste Vorläufer der Demokratie.

"In der europäischen Geschichte brachte die Freiheit der Städte das emanzipatorische Element ein", sagte Elmshäuser. "In der europäischen Geschichte waren gerade diese städtischen Verhältnisse die Kinderstube der Demokratie. Es gab in den Städten noch feudale Verhältnisse – alles wurde vererbt, zum Beispiel – aber trotzdem war man in der Stadt rechtlich gleich. Es gab keiner Geblütsabkunft. Man wurde nicht durch seine Geburt, sondern durch seine Funktion definiert. Zum ersten Mal in der abendländischen Geschichte konnte man das eigene Schicksal selbst in die Hand nehmen. Das ging dem Adel natürlich gegen den Strich."

Früh hat der Adel erkannt, dass die Freiheit ihr größter Feind war. Immer wieder versuchte der Adel, die Städte zu unterjochen. Manchmal gelang es ihnen auch – aber manchmal nicht. Vor allem hatten die Städter einen mächtigen Alliierten – das Geld. Denn die Früh-Demokraten waren in der Lage, mehr Geld zu verdienen als die Adeligen, und ohne das Geld der Früh-Demokraten konnte die Adel nicht leben.

Im 14. Jahrhundert zum Beispiel versuchte es der adelige Erzbischof Albert. Er hatte nämlich Alliierten in Bremen, die aus eigenen Gründen den Stadtrat ersetzen wollten: eine Gruppe von Handwerkern. Eines Nachts überquerten sie die Weser, fiel an der Brücke in die Stadt ein, überfiel bestimmte wichtigen Häuser der Stadt, nahmen die Ratsmitglieder und deren Anhänger fest und besetzten den Rathaus.

Es funktionierte. Der Stadtrat – diejenigen, die noch frei waren – floh. Und schon das war der Anfang vom Ende.

Mit den Waffen der Hanse.

Diejenigen, die flohen, machten sofort Propaganda bei der Hanse und in anderen Städten. "Denn während alle Städte in blutigen Konkurrenz zueinander standen, konnten sie alle eines nicht aushalten, und das war, dass ihre Rechte beschnitten wurden", sagte Elmshäuser.

Die Hanse tat das, was sie am besten konnte: Sie hat den neuen Stadtrat nicht anerkannt und von nun an durfte ganz Bremen an keinem Handelsplatz der Hanse mehr ihre Waren auslegen. "Es war ein wirtschaftlicher Embargo", sagte Elmshäuser. "Das war die schärfste Waffe der Hanse, die sie auch immer wieder benutzt haben."

Ohne Unterstützung in der Stadt war die Revolution schnell zu Ende. Albert musste das Geld, das er aus der Stadt erpresst hatte, zurückgeben. Alberts Männer im neuen Rat wurden geköpft. Bis zum Dreißigjährigen Krieg gab es in Bremen noch Erzbischöfe, die gleichzeitig Stadtherren waren – aber nur im Namen.

Die Lady Liberty des Mittelalters.

Wenn der amerikanische Traum eine Erfindung des Mittelalters war, ist es nur logisch, dass das Symbol dieses Traums – die Freiheitstatue im Hafen von New York – auch eine mittelalterliche Erfindung ist.

Als Erzbischof Albert Bremen kurze Zeit in der Hand hielt, hat er als Erstes – sozusagen, um sein Triumph zu feiern – den Roland abgefackelt.

Keiner weiß genau warum, aber im späten Mittelalter fingen die Deutschen an, einen bis dahin eher unbekannten Helden um Karl dem Großen (also 500 Jahre früher) zu verehren – namens Roland. Dieser sonst unscheinbare Held wurde nun zum Symbol für ebendiese Freiheiten der Städte, und bald standen Rolandstatuen in den vielen deutschen Städten.

"Roland war Symbol der städtischen Emanzipation und Freiheit", sagte Elmshäuser. "Weil die Rechte der Städte direkt vom Karl dem Großen kommen sollten, und nicht von einem adeligen Herrn." Wenn das Recht auf städtische Freiheit von einem adeligen Herrn stammen würden, könnte der Herr sie ja rückgängig machen.

Der Bremer Roland, den man heute sehen kann, ist die älteste erhaltene Rolandstatue der Welt. Ihr Vorgängerin, die Erzbischof Albert zerstörte, war aus Holz. Diese – die der Stadtrat 40 Jahre nach den Rückzug Alberts aufstellte – besteht aus Stein.

Die ostfriesische Teeparty

Die Boston Tea Party kennen Sie bestimmt. Sie gehört ja auch zu den wichtigsten Events der neueren Weltgeschichte. Als die amerikanischen Rebellen im 18. Jahrhundert englischen Tee in den Hafen von Boston kippten, um sich gegen die Politik ihrer englischen Herrscher aufzulehnen, war das der Auftakt zum Weg in die moderne Demokratie. Aber kennen Sie die ostfriesische Tea Party?

Dachte ich’s mir doch.

Seit die ersten Schiffe der niederländischen Ostindien-Kompanie 1610 Tee nach Europa brachten, war der ganze Kontinent von dem Getränk fasziniert – vor allem aber die Ostfriesen. Im späten 18. Jahrhundert – zur gleichen Zeit, als auch die Amerikaner anfingen, sich Gedanken über englischen Tee zu machen – avancierte Tee bei den Ostfriesen zum Getränk Nummer eins, denn er hatte einen enormen Vorteil gegenüber Bier (was man bis dahin wie Wasser getrunken hatte): Er war bedeutend billiger. Ob man damals schon den anderen klaren Vorteil von Tee erkannte – man kann ihn den ganzen Tag trinken, ohne ständig benebelt zu sein –, wissen wir nicht. Während der billige Tee für den Konsumenten ein Segen war, war er volkswirtschaftlich gesehen problematisch, denn er musste importiert werden. Über den erhöhten Teekonsum waren die Bierbrauer nicht glücklich und die Obrigkeit erst recht nicht, denn es flossen weniger Steuern in die Staatskasse. Ein erster Vorgeschmack auf die Schattenseiten der Globalisierung, doch Attac existierte leider noch nicht.

Also versuchte Friedrich II. von Preußen – dem Ostfriesland unterstand – die Globalisierung auf seine Art zu bekämpfen: nämlich mit Verboten. 1778 schrieb die preußische Regierung an die Auricher Landstände: »Der Gebrauch von Tee und Kaffee in hiesiger Provinzen ist so übermäßig, dass wir den schädlichen Folgen desselben Einhalt zu tun keinen weiteren Abstand nehmen können.«

Das ist einer dieser tollen deutschen Sätze, die offenbar irgendwas aussagen, aber was?
Ich rief die Leiterin des Ostfriesischen Teemuseums im Norden, Marion Roehmer, an. »Das ist eine Kanzleisprache, die heute heißen würde, dass die Durchsetzung dieser Maßnahmen keinen weiteren Aufschub duldet«, erklärte sie. »Das kommt einem Verbot gleich.« Hilfreich wie immer schlug die Obrigkeit vor, sich ersatzweise doch besser eine leckere Tasse Zitronenmelisse oder Petersilie aus dem Garten aufzubrühen. Gleichzeitig versuchte Friedrich, das Bierbrauen zu fördern.

Allerdings war das ein Trinkverbot, kein Verkaufsverbot. Tee konnte weiterhin verkauft, nur nicht mehr getrunken werden: Friedrich der Große, der scheinbar ziemliches Vertrauen in den Gehorsam seiner Untertanen setzte, hatte sich direkt an den Endkunden gewandt und erwartet, dass die regionalen Autoritäten das Verbot unterstützen würden. Dummerweise waren die regionalen Autoritäten auch alle Teetrinker.

»Die Domänenkammern haben das Verbot gar nicht erst durchgesetzt«, sagte Roehmer. (Das war nicht selbstverständlich – als Friedrich aus den gleichen Gründen in Preußen Kaffee verbot, sandten die lokalen Autoritäten in manchen Provinzen so genannte »Kaffeeschnüffler« von Haustür zur Haustür, um heimliche Kaffeetrinker in flagranti zu erriechen.)
Das Tauziehen zwischen Preußen und Friesland steigerte sich, bis die ostfriesischen Landstände eine Erklärung herausgaben, in der es hieß: »Der Gebrauch von Tee … ist hierzulande so allgemein und so tief eingewurzelt, dass die Natur des Menschen schon durch eine schöpferische Kraft müsste umgekehrt werden, wenn sie den Getränken auf einmal Gute Nacht sagen sollte.« Da lenkte der König von Preußen frustriert ein und erlaubte den Genuss des »chinesischen Drachengiftes« wieder – nur ein paar Jahre, nachdem er es verboten hatte.

(Das war nicht das letzte Mal, dass die Ostfriesen sich gegen die Obrigkeit stellten, um Tee trinken zu dürfen. Als ein paar Jahrzehnte später die Franzosen jeden Handel mit den Engländern verboten – also auch den Teeimport –, beindruckte das die Friesen auch nicht. Im Gegenteil, sie eröffneten ein ganz neues Marktsegment: Tee-Schmuggel. Plötzlich wurden alle Friesen dick, wenn sie von Reisen zurückkamen – unter dem Mantel trugen sie falsche Gürtel, vollgestopft mit Tee.Heute gehen die Globalisierungskritiker auf U2-Konzerte; damals tranken sie heimlich Tee, um ihrem zivilen Ungehorsam Ausdruck zu verleihen. Ob dazu auch verbotener ausländischer Streuselkuchen gereicht wurde, ist nicht mit hundertprozentiger Sicherheit bewiesen.) Das ganze ist zwei Jahre nach der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung passiert. Ob Friedrich während des Tauziehens wohl vor Augen hatte, wie es in Amerika ausgegangen war, als dort ein Herrscher versucht hatte, einem Volk seine Konsumgewohnheiten vorzuschreiben?

(Aus: "Deutschland-Quiz" von Eric T. Hansen)

NDR's "Hansen in der Hanse" Teil 4: Wismar


"Hansen in der Hanse" - meine Mini-Mini-Serie auf NDR (hier klicken), jeden Montag abend ab 22:30 bei "KulturJournal. Ich fahre durch Norddeutschland und spiele mit den Menschen mein Deutschland-Quiz. Hier ein paar Extra-Texte - begleitend zur Serie - zum vierten Teil "Wismar":

Weltsprache Plattdeutsch

Alle wissen, dass die deutsche Sprache heute vom Englischen stark beeinflusst wird. Aber die wenigsten wissen, dass es auch mal umgekehrt der Fall war.

Als rund fünf Millionen Deutsche im 19. Jahrhundert nach Amerika eingewandert sind, zum Beispiel, haben sie meine Sprache maßgeblich verändert – und es handelt sich nicht nur um Worte wie "Kindergarten." Mein Lieblingswort aus dem deutschen ist "dumb" – aus dem deutschen "dumm". Bis dahin benutzen wir Amis das britisch-englische (und lateinische) Wort "stupid".

Noch mehr Einfluss hatte Deutsch im Mittelalter. Hunderte von Jahren lang war Niederdeutsch nämlich die Sprache der Hanse und aller, die mit der Hanse zu tun hatten. Und Niederdeutsch (ein Begriff aus der Sprachwissenschaft) ist nichts anderes als Plattdeutsch.

"Niederdeutsch war die Lingua Franca der Hanse", sagt Dr. Ingrid Schröder, Professorin für Sprachwissenschaft auf der Universität Hamburg. "Und es war mehr als ein paar Kaufleute oder Arbeiter auf dem Land, die es sprachen. Das gesamte Leben spielte sich damals in Niederdeutsch ab. Verwaltungstexte, Medizinaltexte, Kirche, Wissenschaft… alles auf Niederdeutsch. Den meisten Menschen ist es heute nicht mehr bewusst, dass selbst der Bürgermeister von Hamburg Niederdeutsch sprach."

Durch die Hanse wurde auch Niederdeutsch nach Holland, England, Skandinavien und ins Baltikum weiter getragen. "In Holland ist es heute unklar, wo Niederdeutsch aufhört und Niederländisch beginnt", sagt Schröder. "In Dänemark wurden die Urkunden am Hof auf Niederdeutsch verfasst; in den baltischen Städten wurden Hochdeutsch und Niederdeutsch nebeneinander gesprochen. Vor allem in Skandinavien hat Niederdeutsch die Sprache beeinflusst. Manche Wissenschaftler sagen, zwischen 30% und 50% des schwedischen Wortschatzes kommt aus dem Niederdeutschen; andere schätzen sogar bis 70%."

Auch nach der Hansezeit wurde Plattdeutsch durch diverse Auswanderungswellen nach Russland, Südamerika, in die USA und nach Kanada getragen.

Niederdeutsch war nicht der einzige Botschafter des Deutschen in aller Welt: eine weitere deutsche Sprache, eine großen Einfluss hat, war Jiddisch.

Jiddisch ist keine Abwandlung des Hebräischen, sondern eine germanische Sprache, die sich im mittelalterlichen Deutschland entwickelte und von dort aus – vor allem durch verschiedene Wellen von Vertreibungen – nach Osteuropa und Amerika getragen wurden. Wenn man heute in Amerika deutsche Sätze wie "Be a mensch" oder Begriffe wie "schlep" und "verkakte" hört, das kommt alles aus dem jiddischen.

Das Goethe Institut hat vor ein paar Jahren ein Buch namens "Ausgewanderte Wörter" herausgebracht, in dem einige der schönsten deutsche Begriffe in andere Sprachen besprochen werden. Hier eine Auswahl der schönsten Worte aus dem Buch:

In Polen ist ein "Szlafmyca" – aus Schlafmütze" – ein träger Mensch, und ein "Wiehiesster" (aus "Wie-heißt-er?") ist ein "Dingsbums".

In Norwegen haben die Begriffe "Vorspiel" und "Nachspiel" nur indirekt mit Sex zu tun – sie bezeichnen Alkoholkonsum vor oder nach einer Veranstaltung, wo der Alkohol ja teurer ist als zu Hause.

In Ungarn ein "Vigec" ein Verkäufer und kommt von "Wie geht's?". Aber nicht nur das: ein "Was-ist-das?" bedeutet… Kunst.

Scheinbar kannten die Finnen zwei der schönsten Tätigkeiten des menschlichen Umgangs miteinander gar nicht, bis sie die Deutschen kennenlernten, denn aus dem Deutschen haben sie nicht nur "Besservisseri", sondern auch "Kaffepaussi". Ironischerweise bedeutet "Kaffepausi" gleich "Betriebsunterbrechung".

In Italien sagt man "Blitz", wenn man "Razzia" meint – ein fairer Tausch, denn in Deutschland sagt man dafür "Razzia".

Lange Zeit hatte Deutschland – wo man sein ganzes Arbeitsleben lang als Angestellter in der gleichen Firma verbrachte – kein Wort für "vorübergehende Arbeitsstelle", und übernahm dafür "Job" aus dem Anglo-Amerikanischen. Die Japaner hatten das gleiche Problem – und lösten das Problem, indem sie ein Wort aus dem Deutschen nahmen: "arbeito"

Und natürlich sind viele wichtige Teile des deutschen Alltagkultur in andere Länder ausgewandert: Auf Hebräisch sagt man "Schlafstunde" zum Mittagschlaf; die Niederländer haben "Schwalbe" übernommen; die Engländer sagen "Katzenjammer für ""Kater"; In Russland sagt man "Butterbrot", in Chile sagt man "Kuchen" und auf Arabisch sagt man "Achso".

Und die Liste geht ewig weiter.


"Krauts"

Als ich noch auf Hawaii lebte, glaubte ich allen Ernstes, die Deutschen stammten von den Hunnen ab. Mann, war das peinlich, als ich später, frisch auf der Münchner Universität, dieses Wissen als Grundlage für einen Kommentar in einem historischen Seminar auch nutzte.

Nein, das Schimpfwort »Hunnen«, das im angloamerikanischen Raum für Deutsche steht, stammt aus einer total verunglückten Rede Kaiser Wilhelms II. im Jahre 1900, in der er Repressalien für den Boxer- Aufstand in China ankündigte: »Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht … Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschlands in China in einer solchen Weise bekannt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.«

Acht Nationen, einschließlich Japan und Russland, entsandten Truppen, um der scheelenden Aufständischen Herr zu werden. Ein Teil der deutschen Truppen unter der Leitung des Alfred Graf von Waldersee, der auch noch recht spät auftauchte, ging dabei so exzessiv gegen die schon geschlagenen Rebellen vor, dass vor allem die Engländer (die übrigens mit ungleich mehr Soldaten beteiligt waren) sich an die kaiserliche Rede erinnerten und fortan »Deutsche« mit »Hunnen« gleichsetzten.

»Krauts« jedoch ist von den angloamerikanischen Schimpfwörtern am schwersten zu erklären. Im Zweiten Weltkrieg, als der Begriff sich endgültig durchsetzte, war der Konsum von Sauerkraut in den USA doppelt so hoch wie in Deutschland und noch heute essen die Franzosen mehr Sauerkraut als die Deutschen.

Von nationaler Bedeutung ist Sauerkraut in fast allen nordeuropäischen Ländern. In Ungarn wird es mit Gulasch gegessen, in Polen besteht das Nationalgericht Bigos zum größten Teil aus Sauerkraut; in Tschechien gehört es zum Nationalgericht Veprˇo- Knedlo-Zelo, auf dem Balkan zu einem Krautwickel namens Sarma. Im Grunde sind alle Europäer »Krauts«. Aber auch die Japaner (Tsukemono), Koreaner (Kimchi) und Chinesen schwören auf das Zeug.

Möglicherweise war es China, das Deutschland Sauerkraut schenkte, und zwar über wandernde Mongolenstämme. Oder waren es doch die Römer, die es von den Griechen hatten? Möglich ist auch, dass es wandernde Juden waren, die Sauerkraut von Süd- und Osteuropa nach Deutschland brachten. Wenn es um die Herkunft des Sauerkrauts geht, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Das hat damit zu tun, dass man vor allem in Winterzeiten Gemüse brauchte, das leicht konservierbar war. Weißkohl hält sich sowieso schon lange, und mit Hilfe einer guten Milchsäuregärung noch länger.

Dazu kommt, was man damals nicht genau wusste, wohl aber spürte: Sauerkraut ist reich an Vitamin C. Warum dann wurden ausgerechnet aus den Deutschen Krauts? Die einzige logische Theorie, die bleibt, ist, dass der Begriff aus der Seefahrt stammt. Als im 18. Jahrhundert bekannt wurde, dass Skorbut unter Seefahrern durch Vitamin C verhindert werden kann, begann die englische Marine, stets Zitronen- oder Limettensaft mitzuführen. So habe ich das noch in der Schule gelernt: Limettensaft hat die Seefahrt sicher gemacht. Doch das ist die englische Sicht der Dinge – die deutschen Seefahrer nahmen nicht Limettensaft, sondern Sauerkraut mit.

(Aus "Deutschland-Quiz")


"Made in Germany"

Selbst mir als Ami fiel das auf, damals in Hawaii: »Made in Japan«, »Made in China«, »Made in Germany«. Das ist doch Englisch. Wenn das Ding tatsächlich aus Deutschland kommt, warum steht das nicht auf Deutsch da drauf?

Eine Weile dachte ich, »Made in Germany« erscheine nur auf Produkten, die in englischsprachige Länder exportiert werden. Dann erfuhr ich, dass es weltweit dazu dient, deutsche Produkte zu identifizieren, selbst in Deutschland. Die armen Deutschen, dachte ich. Was, wenn sie kein Englisch können? Sie betrachten das Produkt, verstehen den Sinn nicht und denken sich: »Wieso können wir so was nicht selbst herstellen? Ach, hätten wir nur den Krieg gewonnen, dann würden jetzt alle deutsch sprechen.«

Das ist unfair: Wir, die englischsprachige Welt, zwingen andere Länder, sich in unserer Sprache auszudrücken. Lange Zeit habe ich mich dafür geschämt – bis ich erfuhr, woher der Ausdruck wirklich stammt. »In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Deutschland einer der weltweit wichtigsten Exporteure«, erklärte mir Christoph Buchheim, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Mannheim und Autor des Buches Industrielle Revolution, »deutsche Konsumgüter fanden massenweise begeisterte Nachfrage in England.«

Nachdem ganz Großbritannien jahrelang fröhlich ausländische Güter konsumiert hatte, bemerkte ein scharfsichtiger Brite plötzlich, dass das Empire der expansiven deutschen Wirtschaft zum Opfer gefallen war. Das war eine neue gänzlich schockierende Idee. Bis dahin wurde Herrschaftsanspruch gemeinhin an militärischer Macht gemessen. In dieser Beziehung fühlten sich die Engländer sicher: Militärisch waren sie noch immer unschlagbar und machten ihre Nachbarn ordentlich eifersüchtig. Jeder starrte wie gebannt auf die britische Flotte und niemand auf die Wirtschaft.

Auf diesem Feld hatten die Deutschen in aller Stille aufgeholt. Nachdem sie sich mit einiger Verspätung industrialisiert hatten, gingen sie mit umso mehr Eifer daran, alles zu kopieren, was andere Länder so herstellten. Na gut, sie exportierten auch hochwertige Güter und eigene Erfindungen, aber, so Buchheim, »sie haben eine Menge imitiert und billiger gemacht. Sie holten sich ihre Ideen oft auf Weltausstellungen.«

Der kluge Mann, der den schleichenden wirtschaftlichen Imperialismus Deutschlands in einer Reihe von Artikeln angeprangert hat, war ein Journalist namens E. E. Williams. 1896 wurden diese als Buch veröffentlicht. »Darin machte er sein Publikum darauf aufmerksam, dass ihre Häuser voller Schund aus Deutschland waren«, sagte Buchheim, »und dass sie lieber britische Produkte kaufen sollten.«

Das Buch klingt streckenweise wie gutes deutsches Feuilleton, das auf immer neue, eindrucksvolle Weise den Untergang des Abendlands beschwört. Mit dem kleinen Unterschied, dass Williams den Untergang von Englands Weltherrschaft an die Wand malte. Damit hatte er übrigens recht. »Die industrielle Überlegenheit Großbritanniens war lange sprichwörtlich; doch sie wird schnell zum Mythos«, schreibt er gleich anfangs. »Die industrielle Herrlichkeit Englands schwindet, und England weiß es nicht … Dies sind für alle, die an unsere ewige Herrschaft glauben, ernüchternde Fakten.«

Williams beschreibt in deutlichen Worten, wie die Deutschen, Spionen gleich, den Engländern alles abguckten:

»Bis vor einigen Jahrzehnten war Deutschland ein landwirtschaftlicher Staat. Seine Fabriken waren klein und bedeutungslos; sein Industriekapital winzig; sein Export zu unwichtig, um die Aufmerksamkeit des Statistikers zu rechtfertigen; es importierte meist nur zum eigenen Konsum. Jetzt hat sich alles geändert. Seine Jugend hat sich in englische Häuser gedrängt, hat sich die englischen Herstellungsgeheimnisse erschlichen und ihre eigenen Fabriken mit unserem Wissen bereichert. Es hat sein Volk auf eine Weise gebildet, die es in manchen Branchen der englischen Industrie überlegen, in fast allen mindestens gleichrangig macht.«

Er fordert seine Leser auf, sich mal zu Hause umzusehen:

»Betrachten Sie, werter Leser, Ihre Umgebung … Sie werden feststellen, dass sogar die Stoffe an Ihrem Körper mit ziemlicher Sicherheit in Deutschland gefertigt wurden. Noch wahrscheinlicher ist die Kleidung Ihrer Frau deutsche Importware. Das Spielzeug, die Puppen, die Märchenbücher ihrer Kinder wurden in Deutschland hergestellt, ja, selbst das Papier Ihrer patriotischen Zeitung stammt aus Deutschland.«

Williams gab seinen Lesern sogar ein Schlagwort mit, um minderwertige deutsche Waren zu bezeichnen:

»Weil es so offensichtlich ist, dass deutsche Waren nicht deswegen gekauft werden, weil sie Schund, sondern, weil sie billig sind, sollte die treffendste Bezeichnung für sie lauten: ›Billiger Schund‹.«


Er entwarf ein Bild von der deutschen Wirtschaft als eine von finsteren Absichten getriebene, planmäßig gesteuerte imperialistische Maschine, der es nicht allein um Geld geht, sondern um die Unterwerfung der gesamten englischen Wirtschaft: »Dazu kommt, dass die deutsche Aggression systematisch, universal und tödlich ist, und man muss sie als ein Phänomen des Bösen … betrachten.«

»Es war ein Bestseller«, kommentierte Buchheim trocken, »und sehr einflussreich.« Der Titel: Made in Germany.

Das Buch versetzte die armen Engländer dermaßen in Panik um den Verlust ihrer naturgegebenen Vorherrschaft, dass das Parlament bald darauf ein Gesetz verabschiedete, das besagte, alle importierten Produkte seien ab sofort mit dem Herstellungsland zu kennzeichnen.

In den folgenden Jahren übernahmen auch andere Länder die Kennzeichnungspflicht, bis es üblich war, alle Exportartikel so zu etikettieren – und zwar nach englischer Tradition gleich auf Englisch. Das finde ich ganz schön ironisch. »Made in Germany« war ja im Grunde eine Beleidigung, eine wirtschaftliche Diskriminierung, ein Angriff. Der deutschen Wirtschaft sollte dadurch geschadet, die Deutschen bloßgestellt werden.

Was haben die Deutschen getan? Darüber gejammert? Den Kaiser mal mit einem Blumenstrauß bei der englischen Verwandtschaft vorbeigeschickt? Nein, sie verlegten sich bei der Produktion seither dermaßen auf Qualität, bis »Made in Germany« keine Warnung mehr, sondern eine Auszeichnung war.

Das erinnert an die Geschichte des Begriffs »Amerikaner« Bevor es die USA gab, waren wir Amis in unseren englischen Kolonien noch Bürger Großbritanniens und stolz darauf. Die in England lebenden Engländer sahen das anders. Für sie waren wir die peinlichen Brüder aus Übersee. Als der in Boston geborene, weltweit gefeierte geniale Benjamin Franklin nach England kam und sich um einen politischen Posten bewarb, hielt man ihn so lange hin, bis er enttäuscht und wütend nach Amerika zurückkehrte und dort der Revolution zum Erfolg verhalf. Die Engländer nannten uns »Amerikaner«, um uns herabzusetzen – wir waren anscheinend nicht gut genug, um echte »Engländer« zu sein.

Als wir die verdammten Engländer rausschmissen, kehrte sich das um: Trotzig nannten wir uns selbst fortan »Amerikaner«. Heute weiß keiner mehr, dass es mal ein Schimpfwort war. Genau wie keiner mehr weiß, dass »Made In Germany« einst eine Warnung sein sollte.

(Aus "Deutschland-Quiz")

Saturday, August 16, 2008

NDR's "Hansen in der Hanse" Teil 3: Lübeck


"Hansen in der Hanse" - meine Mini-Mini-Serie auf NDR (hier klicken), jeden Montag abend ab 22:30 bei "KulturJournal. Ich fahre durch Norddeutschland und spiele mit den Menschen mein Deutschland-Quiz. Hier ein paar Extra-Texte - begleitend zur Serie - zum dritten Teil "Lübeck":

Eric T. Hansen über die Hanse und Globalisierung

"Globalisierung " ist eines dieser Worte, die man schon vor Jahrhunderten hätte erfinden müssen, es aber irgendwie verschlampt.

Schon die Wikinger waren auf ihrer bescheidenen Art Globalisierer – der Unterschied ist, damals ging man nicht auf die Straße, um gegen sie zu protestieren – man rannte einfach schreiend davon. Man hatte gar keine Zeit, ein Wort dafür zu erfinden.

Als ich zu den führenden Hanse-Historikern ging und sie fragte, ob die Hanse die Globalisierung erfunden hat, taten sie sich mit der Frage schwer. Einerseits, sagten sie, hat die Hanse ein erstaunlich modernes Wirtschaftssystem gehabt, das die wichtigsten Elemente der Globalisierung schon enthielt. Aber war es schon Globalisierung?

Hier sind die sechs wichtigsten Argumente für und das eine wichtige Argument gegen:

1. Die Hanse hat das Internationale Gerichtshof erfunden.

Ein Merkmal der heutigen Globalisierung ist Grenzen übergreifendes Recht und rechtliche Institutionen. Klar: Wenn die Wirtschaft über Grenzen hinweg arbeitet, muss man ein Recht schaffen, dass in jedem Land gleich ist. Also haben wir heute
die Weltbank, das Internationaler Währungsfonds, das Internationale Gerichtshof in Den Haag, die UNO und natürlich in Hamburg das Internationale Seegerichtshof. Das ist alles nichts Neues:

"Der Hanseraum funktionierte nach gleichem Seerecht", sagte Jörgen Bracker, pensionierter Direktor des Museums für Hamburgische Geschichte (und heute Autor von Hanse-Romanen, z.B. "Die Reliquien von Lissabon"). "Von Norwegen bis Stockholm war das Recht gleich, was die Seefahrt und Seeleute anging. Wenn ein Seemann aus Hamburg eine Straftat in London beging, musste er nicht nach Hamburg zurück gebracht werden; er konnte vor Ort vor Gericht gestellt werden und wurde nach dem gleichen Recht behandelt wie zu Hause. Dieses System verhinderte auch Übervorteilungen und führte zu günstigeren Rechtsverhältnissen."

2. Die Hanse hat die DIN erfunden.

Nicht nur Recht, sondern auch Maß und Qualität müssen standardisiert werden, bevor eine globale Wirtschaft funktioniert. Wenn ich ein Kopfhörer aus Taiwan kaufe, muss das Ding zu meinem iPod aus China passen. Das gleiche gilt für Qualitätsnormen: Wenn Fleisch aus Argentinien vor dem Export geprüft wurde, will ich schon wissen, nach welchen Kriterien es geprüft wurde. Es ist nicht verwunderlich, dass der DIN – eines der wichtigsten Normen der Welt – aus immer-wieder-Exportweltmeister-Deutschland stammt.

Die Hanse kam dem DIN zuvor. "Bei bestimmten Waren – zum Beispiel Laken oder Wolle – musste man garantieren, dass sie eine bestimmte Qualität und Größe erreichten", sagte Bracker. "Dafür entwickelte man eine Plombe, die man an dem Tuch festmachte, wenn die Bestimmungen eingehalten waren. Wenn ein Tuch diese Plombe nicht aufwies, war es gleich nur die Hälfte wert."

Apropos Globalisierung – auch internationale Piraterie ist nichts Neues. Sobald diese Plombe eingeführt wurde, wurde es auch von Produktpiraten imitiert.

3. Die Hanse hat den Kleinanleger erfunden.

Komplizierte Finanztransaktionen wie Hedgefonds und solche Dinge, von denen normale Menschen wie Sie und ich keine Ahnung haben, erlauben, dass ein Börsenmakler in New York ein Schuhfabrik in Rostock kauft, alle Arbeiter feuert und die übrig gebliebenen Teile nach China weiter verkauft. Von Schuhen muss der Mann gar nichts wissen. Er hat ganz einfach Geld und will das Geld vermehren. Oft ist es nicht mal sein Geld, sondern die Ersparnisse vieler Anleger, die ebenso wenig von Schuhen wissen wie er. Das ist die Grundlage der Globalisierung, und das gab es auch schon in der Hanse.

"Selbst ein Magd konnte ihr Erspartes als 'Widerlegung' in die Schifffahrt investieren, zum Beispiel im Geschäft ihres Herrn", sagte Dr. Rolf Hammel-Kiesow, Professor an der Uni Kiel und stellvertretender Archivleiter in Lübeck. "Er hat dann genauso viel Geld dazu gelegt. Die Gewinne wurden geteilt und die Verluste auch – allerdings dann nach einem anderem Maßstab."

Genau wie heute fiel es auch damals auf, dass der Kleinanleger bei einer geschäftlichen Katastrophe öfters mal den Kürzeren zog. Wenn ein Schiff im Sturm unterging, konnte das der Großanleger verkraften – er hatte ja andere Schiffe. Das Magd verlor aber ihre ganzen Ersparnisse. Heute gehen – wie im Fall Telekom – die Kleinanleger vor Gericht. Damals auch.

"In Nürnberg im späten 15. Jahrhundert hat Friedrich III. ein Privileg erlassen, das sich mit diesem Problem befasste. Er sagte, wenn eine Gesellschaft kaputt geht und der Hauptgesellschafter aus der Stadt verschwindet, dürfte man nicht verlangen, dass die in der Stadt gebliebenen Kleinanleger für dessen Schulden einstehen."

4. Die Hanse hat den Betriebsrat erfunden.

Die Deutschen sind besonders stolz auf ihrer vorbildlichen, von Arbeitgebern oft verhassten Tradition der Sozialleistungen. Mit Globalisierung an sich haben Sozialleistungen wenig zu tun – sie wurden von Bismarck eingeführt als Reaktion auf die Industrialisierung. Doch je mehr die Globalisierung billige Arbeitskräfte in anderen Ländern nach Strick und Faden ausbeutet, desto lauter wird der Ruf nach sozialen Leistungen auch dort.

Die Hanse brauchte keine Oppositionspartien, um bestimmte soziale Elemente einzuführen – zum Beispiel eine Art Betriebsrat.

"Ein Schiff wurde nicht allein vom Kapitän kommandiert", sagte Bracker. "Es gab einen Schiffsrat, der vorher befragt wurde, ob der Wind nach seiner Meinung zum Segeln gut sei oder nicht. Die Navigation an Bord stützte sich auf die Erfahrungen der mitreisenden Seeleute. Es gab damals wenig Technik am Bord – obwohl schon vor Jahrhunderten erfunden, wurde der Kompass im Nordseebereich erst seit dem beginnenden 15. Jahrhundert gebräuchlich; Wetterberichte gab es auch nicht. Aber die erfahrenen Seeleute wussten sofort, was sie zu tun hatten, wenn die Wasserfarbe sich änderte, oder wenn sie auf See bestimmte Vögel antrafen. Weil also die Kenntnis der natürlichen Vorgänge auf See so wichtig waren, wäre es verantwortungslos gewesen, die Erfahrungen der Älteren nicht zu respektieren. Daher wurde dem Schiffsrat vom Schiffsrecht die dominierende Rolle in der Navigation zugewiesen"

5. Die Hanse hat die Altersversorgung erfunden.

Nicht zu vergessen: Die Hanse war eine Gilde, und mittelalterliche Gilden waren meist sehr gut zu ihren Mitgliedern. Sie haben Hospizen betrieben und im Todesfall die Witwen versorgt. In Lübeck stehen heute noch die sogenannten "Witwenhöfen" – die Hanse hatte diese bescheidenen aber schönen Reihenhäuser als Billigunterkünften für die Witwen von Seeleuten und Kaufleuten, die zur See gestorben sind. Sie können besichtigt werden – und werden heute noch bewohnt.

6. Die Hanse hat das Informationszeitalter erfunden.

Haben Sie sich jemals gefragt, warum eine Zeitung "Zeitung" genannt wird und nicht "Nachrichtenblatt"? Ich mich schon.

Auch das geht auf die Hanse zurück. "Das Einmalige und Bleibende an der Hanse war – und ich glaube das wird oft unterschätzt – die regional übergreifende Kommunikation", sagte Dr. Ralf Wiechmann vom Museum für Hamburgische Geschichte. "Der Hanse-Kaufmann muss nicht mehr, wie der Wikinger, selbst mit Schwert auf dem Schiff mitfahren und Vorort die Dinge in die Hand nehmen. Er sitzt zu Hause und schickt seine Angestellten überall hin – mit Briefen, die von seinen Partnern in fernen Städten empfangen werden. Das lebt bis in die Moderne weiter."

"Die Schriftlichkeit hatte zur Folge, dass ein Kaufmann den Volumen seines Handels mehrfach erweitern konnte, und zwar von seiner Schreibstube aus", sagte Hammel-Kiesow, stellvertretender Archivleiter in Lübeck. "Vorher konnte er nur mit einem Schiff mitfahren. Jetzt konnte er über eine unbegrenzten Anzahl von Schiffen verfügen."

In einer Zeit, in der der Adel immer noch das Lesen und Schrieben zum größten Teil verpönte, lernten die Kaufleute, dass mit Lesen und Schreiben Geld zu verdienen war. Und es ging nicht nur um Kaufpreise und Inventarlisten – es ging um Information.

"Das ganze Nachrichtenwesen der Kaufleute lief brieflich ab", sagte Hammel-Kiesow. "Es war für sie wichtig zu wissen, ob zum Beispiel der dänische König mit irgendjemandem in Streit lag, weil es dann nicht sicher war, nach Schonen zu fahren. Und man musste wissen, was die Menschen hier oder da Vorort besonders brauchte, und wo man etwas kaufen konnte. Man musste wissen, dass man in den Karpaten Holz für englische Langbögen kaufen konnte. Da war es auch wichtig, unter den eigenen Leuten einen Ratsherrn zu haben, weil so jemand als erster an neue politische Informationen kam."

Damit ihre Partner immer gut informiert sind, haben die Kaufleute regelmäßig Briefen mit Nachrichten hin und her geschickt, die mit so viel Information vollgestopft waren wie nur möglich. So viel, dass ein Historiker sie sogar "das Bloggen des Mittelalters" nannte.

Diese Briefe kamen und gingen mit der Flut, und hießen deshalb auch "Tidinge" – vom Niederdeutschen "Gezeiten." Eben dieses Wort "Tiding" wurde im Hochdeutschen später zu "Gezeiten" und im Englischen zu "tide", aber auch zu "time." Daher kommt das Wort "Zeitung". Wenn Sie demnächst "Die Zeit" oder "The Times" lesen, denken Sie daran: Sie heißen nicht so, weil sie Zeitgeschichte vermitteln, sondern, weil sie mal mit den Gezeiten kamen.

7. Die Hanse hat den Globus nicht entdeckt.

Aber ist das alles Globalisierung?

Es stimmt schon, dass die Hanse in der damals bekannten Welt überall aktiv war. "Sie handelten mit Gewürzen aus Afrika, vermittelt über den vorderasiatischen Bereich und über Venedig", sagte Wiechmann. "Es kam die Küstengegenden hoch bis zu Lüneburg und Hamburg."

In einem alten Lübecker Haus wurde mal ein Kaufmannsschatz aus Münzen aus aller Welt gefunden: Münzen aus Granada, Ungarn, Neapel, Finnland, Mittel- und Westeuropa, von den Niederlanden bis Russland, von Italien bis England. "Aus der Zusammensetzung der Münzen kann man sehen, dass der Kaufmann und seine Partner überall tätig waren", sagte Hammel- Kiesow.

Aber eins fehlte – der Globus.

"Die strukturelle Ähnlichkeit zu heute war wahnsinnig eng", sagte Hammel-Kiesow. "Was ablief, war das Gleiche, was nach dem Zeitalter der Entdeckungen ablief. Es war eine zunehmende Verdichtung wie heute, es war Handel über Grenzen hinweg, es war getragen durch Transpostwesen und Kommunikation… aber die Hanse war nicht weltweit aktiv, sondern nur in Europa. Mann kann es eine Europäisierung nennen, oder sogar eine Globalisierung ohne den Globus, aber zur Globalisierung fehlte noch die Entdeckung Amerikas."

Man kann sogar sagen, dass das Ende der Hanse mit der Globalisierung kam. Kurz nachdem Amerika entdeckt wurde, kam auch der Atlantikhandel auf, der größer und lukrativer war als der Handel im Nord- und Ostseeraum.

Ehemalige Weltmetropolen wie Lübeck lagen plötzlich abseits und würden immer bedeutungsloser. Der große Gewinner des Atlantikhandels im Hanseraum war Hamburg. In der Hansezeit selbst war Hamburg eine kleine und unbedeutende Stadt – jetzt schaffte sie es, sich in den Atlantikhandel einzuklinken und wurde reich.

Hat die Hanse die Globalisierung erfunden? Ja, schon, aber leider zu früh.


Eric T. Hansen über Bleistifte, Draht und Prinzessinnen

Ich staune immer wieder was für ein intellektuell wendiges Volk die Deutschen sind. Wie kaum ein anderes Volk sind sie in der Lage, fest an zwei Dinge zu glauben, die sich widersprechen. Mein Lieblingsbeispiel ist das mit dem "ausländischen Zeugs". Immer wieder höre ich, dass man in Deutschland "gezwungen" wird, lauter billigen Krams aus Amerika und China zu kaufen, und dass man im Gegenzug im Ausland von deutschen Produkten gar nichts wissen will. Gleichzeitig – sozusagen im gleichen Atemzug – ist man stolz darauf, Exportweltmeister zu sein (BZW. heute Vizeweltmeister nach China). Bin ich der Einzige, der hier einen Widerspruch sieht?

Die Wahrheit ist, kaum ein anderes Land exportiert so viel wie Deutschland. Während nur 10% der amerikanischen Wirtschaft mir Export zu tun hat, kommt fast 40% der deutschen Wirtschaft direkt aus dem Export. Schon deswegen sage ich gern: Es gibt kein Land der Welt, das so international ist wie Deutschland.

Und das nicht zum ersten Mal. Deutschland war immer wieder in seiner langen Geschichte Exportweltmeister, und das Schoene dran ist: Es war nicht immer nur Autos und Chemie. Da waren auch charmante Dinge dabei. Hier eine kurze Liste der interessantesten deutschen Exporte:

1. Dienstleistung.

Heute gilt Amerika als Land der Dienstleistung und die Deutschen als Dienstleistungsmuffel. Es war nicht immer so. "Lange Zeit waren die Deutschen in Italien sehr, sehr angesehen als Diener", sagte Historiker Kurt Weissen von der Universität Heidelberg. "Jede bessere italienische Familie hatte einen deutschen Diener. Das beginnt im Hochmittelalter und geht bis in die frühe Neuzeit. Wirtschaftlich war Italien damals ein Einwanderungsland - die Deutschen gingen dahin in großen Mengen." Wer hätte das gedacht – die Deutschen waren die Türken des Mittelalters.

Dementsprechend war auch das Bild der Italiener von den Deutschen: "Deutsche hatten den guten Ruf, sie seien sehr treu und sehr handwerklich begabt", sagte Weissen. "Auf der negativen Seite hatten sie auch den Ruf, dass sie unbotmäßig tranken und furchtbare Raufbolde waren. In Florenz war 10% der Bevölkerung aus Deutschland", sagte Weissen.

Ach ja: nicht nur als Diener, auch als Handwerker und Landknechte waren Deutsche sehr gefragt.

2. Bleistifte.

Jeder Amerikaner kennt es: Faber-Castell Bleistift Nr. 2. Wenn wir auf der High School einen wichtigen Examen vor uns haben, warnt uns der Lehrer vorher: Kommt zum Examen mit einem Bleistift Nr. 2. Nur diese hat die richtige Härte und Farbe. Und die Nr. 2, die wir dann kauften, stammte immer von Faber-Castel.

Was wir nicht wussten: Faber ist eine deutsche Firma. Gegründet 1761 wurde Faber im folgenden Jahrhundert zum weltweiten Marktführer für Bleistifte und ist noch heute mit zwei Milliarden gelben Stiften im Jahr der größte Bleistiftproduzent der Welt. Bleistifte hatte es schon vorher gegeben (als Graphit entdeckt wurde, glaubte man lange, er wäre Blei, daher wurden die revolutionäre Schreibgeräte Blei- und nicht Graphitstifte genannt), aber Faber war es, die dem Bleistift die heute standardmäßige Form, Länge, Farbe und Härte gab – und die sechs Kanten.

Nicht nur das. Faber hat den internationalen Markenschutz mitbegruendet. Weil Produktpiraten ihre Stifte gern als "Faber-Stifte" ausgaben, reichte die Firma 1874 beim Reichstag eine Petition ein, die um Schutz für die "Faber"-Marke bat. Diese Bitte wurde gewährt und die Idee eines einheitlichen gesetzlichen Markenschutzes wurde zum Leben erweckt. In den ersten Handelsregistern der USA steht der Name Faber auf vierter Stelle (und weil es die ersten drei eigetragenen Firmen nicht mehr gibt, ist Faber auch noch die älteste existierende Marke der USA).

3. Second-hand Kultur.

Heute gibt es in jeder deutschen Kleinstadt mehrere Antiquariaten und ein oder zwei Romantauschbörsen. Das ist keine neue Entwicklung. Antiquarische Bücher waren schon im Mittelalter der Exportschlager – schon vor dem Buchdruck.

"Man kam von Florenz bis nach Lübeck, um nach alten Handschriften aus der Antike zu suchen", sagte Weissen. "Wenn nötig, klaute man sie einfach."

Das Sammeln von Büchern setzt schon im 13. Jahrhundert in Italien ein, und irgendwann waren die italienischen Klosterbibliotheken von ihren kostbaren römischen Schriftrollen und von Mönchshand kopierten lateinischen Texten leer geplündert, die französischen auch. Also erweiterten die Händler ihre Suche. "Und dann kam Deutschland an der Reihe. Deutschland war abgelegen. Es lag weiter weg von Markt. Hier hatte man in irgendwelchen abgelegenen Klöstern gute Chancen, etwas zu finden."

4. Kunstdruck.

Nachdem Gutenberg den Buchdruck erfand, konnte man alles, was man zum Drucken brauchte, aus Deutschland holen. Deutschland brachte immer wieder Neuerungen auf den internationalen Markt. Noch im 19. Jahrhundert fluteten die Deutschen die ausländischen Märkte mit Farblithographien. "Farblithographie oder Steindruck war eine relativ neue Technik", sagte Christoph Buchheim, Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Mannheim. "Um damit farbig zu drucken, wurden die Platten verschieden eingefärbt und über einander gedruckt. Es war sehr Mühsam, bis man eben diese schnelle Presse erfunden hat. In den späten 1870er Jahren nahm das massiv zu und wurde zum Exportschlager. Ein deutscher Handwerker hatte die Schnellpresse auf einer Weltausstellung gesehen und imitiert."

5. Musik.

"Deutsche Instrumentenbauer werden seit dem Spätmittelalter bis heute gesucht", sagte Weissen. "Vor allem für Blasinstrumente wie Flöten – aber auch Lauten und Trommeln. Die Deutschen galten als sehr gute Instrumentenbauer und auch als gute Musiker – es waren sehr viele deutsche Musiker in ganz Europa unterwegs, auch an den großen Höfen."

Im späten 19. Jahrhundert war Deutschland sogar Exportweltmeister für Klaviere. Viele Klaviere, die nach dem sogenannten "amerikanischen System" gebaut wurden, kamen aus Deutschland.

Das "amerikanische System" ist einfach: Man baut einen Eisenrahmen ein und spannt die Saiten über Kreuz. Klaviere mit "amerikanischen System" haben die Deutschen im 19. Jahrhundert angefangen auf den Weltmarkt anzubieten und bald waren sie die wichtigsten Exporteure – sie konnte sie schnell und billig produzieren. Das "amerikanische System" wurde zwar in den USA erfunden, aber von der Firma eines deutschen Emigranten: Steinway & Sons. Firmengründer Henry E. Steinway war zwar Amerikaner, aber geboren wurde er als Heinrich Engelhard Steinweg im Harz, und in Seesen baute er sein erstes Klavier, bevor er nach Amerika auswanderte und dort seine berühmte Firma gründete.

"Steinway hat dann einen seiner Klaviere mit Eisenrahmen auf einer Weltausstellung gezeigt und die Deutschen haben es gesehen und 1862 gewissermaßen reimportiert unter dem Namen 'amerikanisches System'", sagte Buchheim. "Die Deutschen haben es billiger gemacht für den Export. Sie haben in 19. Jahrhundert eine Menge imitiert und billiger gemacht." Obwohl Steinway auch heute noch der bekannteste Klavierbauer der Welt ist, waren die Deutschen lange Zeit fast genauso gut und billiger.

6. Waffen.

Heute sind alle neidisch auf den internationalen Vorrang, den wir Amerikaner in der Waffenproduktion haben – ha ha, nur ein kleiner Witz! Aber wo wir schon beim Thema sind – wir Amis waren nicht immer Waffenweltmeister. Im Mittelalter waren die Deutschen die Marktführer im Export von Schwertern, Harnischen und mehr.

"Nürnberger Waffen waren absolut die Besten", sagte Wirtschaftshistoriker Rainer Gömmel von der Universität Regensburg. "Nürnberg hat im 30-jährigen Krieg Waffen an alle führenden Kriegsparteien geliefert, also auch an die eigenen Feinde. Als Reichsstadt war Nürnberg dem katholischen Kaiser verpflichtet, doch die Stadt selbst war protestantisch. Also hat sie den Protestanten die Waffen verkauft und dem Kaiser das Geld zum Krieg gegeben."

Insgesamt war die deutsche Eisenverarbeitung im Mittelalter bis in die Neuzeit war europaweit an der Spitze.

"Alle Artikel aus Eisen und Kupfer – nicht nur Messern, auch andere täglichen Gebrauchsgegenständen, waren überall gefragt", sagte Gömmel. "Deutschland produzierte mehrere Millionen Messerklingen im Jahr, die in alle Welt hinausgingen, bis nach Indien und Asien. Sie waren einerseits billig waren – die Produktionstechnik war sehr fortschrittlich und spezialisiert – und andererseits, weil die Qualität trotzdem sehr hochwertig war. Es wurde immer sehr auf Qualität geachtet und auch auf Weltmarkt immer geachtet."

7. Draht.

Es hört sich an wie Witz – ist es aber keiner. Die Deutschen waren mal berühmt für ihr Draht.

"Im Mittelalter war die Drahtherstellung eine ganz komplizierte Sache", sagte Gömmel. "Wie stellen Sie ein endlos langen Kupfer- und Eisendraht her? Die Drahtproduktion war schon im 15. Jahrhundert voll mechanisiert. Es wurden ganz komplizierte Maschinen entwickelt, die vom Wasser ohne Hilfe von Menschen getrieben wurden. Die Kupferproduktion ist heute noch in der Nähe von Nürnberg angesiedelt."

8. Navis.

Die anderen Nationen beherrschten zwar die Weltmeere mit ihren mächtigen Flotten, aber ohne Deutschland wären sie alle nur im Kreis gesegelt.

"Im Spätmittelalter war Deutschland mit weitem Abstand das führende Exportland", sagte Gömmel. "Und die Hauptexportgüter waren ganz eindeutig sehr diversifizierte Metallprodukte – sowohl teure Produckte, wie z.B. medizinische und astronomische Instrumente, als auch Kleinmechanik. In nautischen Geräten hatte Nürnberg fast eine Monopolstellung. Die Portugiesen waren die kühnsten Seefahrer, aber sie benutzten überwiegend deutsche – Nürnberger – Instrumente. Sextanten, Kompasse. Die erste Taschenuhr Deutschlands – und einer der ersten der Welt – wurde in Nürnberg von Peter Henlein Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut. Nürnberg war sehr innovationsfreudig."

Für Eisenbearbeitung hatte Deutschland ganz einfach die natürlichen Ressourcen: der Wald. "Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit gab es nur die Holzkohle", erklärte Gömmel. "Steinkohle kommt erst im späten 18. Jahrhundert. Holzkohle war ein extrem teures Gut und konnte nicht weit transportiert werden. Man musste die Eisenproduktion zum Holz hinbringen – man brauchte Erz, Wald für Holzkohle und Wasserkraft."

"Die Mechanik, Optik, Instrumentenbau und auch nautische Instrumente der früheren Jahrhunderte waren die Vorläufer zum Maschinenbau, das wir heute in Deutschland haben", meinte Buchheim. "Das waren Schlosser und Uhrmacher, die im 19. Jahrhundert Maschinenfabriken aufbauten. Ein großer Teil von ihnen stammt aus dem Handwerk, die mit Feinmechanik zu tun hatte."

9. Schmuck.

"Heute weiß man es nicht mehr" meinte Weissen, "aber im Mittelalter und im Spätmittelalter spielten Bernsteinrosenkränze aus Lübeck eine wichtige Rolle. Sie würden überall hin exportiert. Es ging oft um Geschenke an die Fürsten in Italien."

10. Spielzeug.

Haute genießen die Deutschen nicht unbedingt den Ruf, spassige, lebenslustige und spielfreudige Menschen zu sein. Das war aber nicht immer so. "Seit dem Mittelalter war Spielzeug – vor allem aus Nürnberg – tatsächlich ein Exportschlager", sagte Gömmel.

Spielzeug wurde als Exportartikel im 19. Jahrhundert sehr wichtig, nicht zuletzt auch weil neue Herstellungstechniken erfunden wurden, die auf große Nachfrage stießen. "Das Erzgebirge hatte im 19. Jahrhundert eine vorindustrielle Massenproduktion in Spielzeug", sagte Buchheim. "Es waren Massenwaren, die zentnerweise verkauft wurde – kleine Holzschweine und Arche-Noahs mit Figuren, die man extrem billig herstellte."

"Vor dem ersten Weltkrieg war Deutschland bei weitem das führende Exportland für Spielzeug und Spiele", sagte Hr. Helmut Schwarz, Leiter des Spielzeugmuseums in Nürnberg. "Deutschland war Hauptexportland für Puppen – vor allem billige Porzellanpuppen aus Thüringen. Und diese flachen Zinnfiguren, die Soldaten und andere Berufe darstellten, die exportierte Deutschland in großen Mengen seit dem 19. Jahrhundert. Seit 1870/80 hatte Deutschland fast eine Monopolstellung in Blechspielzeug. Die erste Spielzeug-Elektrodroschke der Welt kam aus Deutschland. Nürnberger Ware war ein Markenbegriff. Man hat geschnitzte Tiere – zum Beispiel Pferde mit Kutschen – in Oberammergau gekauft und als Nürnberger Ware weiter verkauft. Um 1900 gab es 200 Spielwarenhersteller in Nürnberg – das waren zum Teil große Fabriken mit 3000 Beschäftigten. Die Puppenstube, wie wir sie heute kennen, ist im Wesentlichen in Nürnberg erfunden worden – die Nürnberger Küche mit kleinen Kupfer- und Messingtöpfe wurde in alle Welt exportiert."

Heute ist Deutschland nicht mehr für Spielzeug bekannt, umso mehr für Gesellschaftsspiele. In Amerika nennt man heute Brettspiele teilweise "German games".

"Deutschland wird im Moment zu Spielexportweltmeister", sagte Ulrich Schädler, Leiter des Musée Suisse du Jeu in La Tour-de-Peilz. "Nachdem das Gesellschaftsspiel nach dem Krieg in Deutschland als Zeitvergeudung galt, wurde es in den 80ern wieder entdeckt. Da wurde ein riesiges kreatives Potential losgetreten. 'Heimlich & Co.' und 'Scotland Yard' waren die Erfolge der 80er. Typische deutsche Spiele wie 'Sagaland' oder 'Im Märchenwald' werden international verkauft. Und eine deutsche Erfindung, 'Die Siedler von Catan', ist eines der erfolgsreichsten Spiele weltweit. Die Dichte von Spielverlagen, wie wir sie in Deutschland haben, gibt es nirgends in Europa."

11. Prinzessinnen

Doch der merkwürdigste – und durchgehend beliebteste – deutsche Export ist der Mensch. Und der adelige Mensch.

Viele Deutsche sind Zaren geworden. Katarina die Große, die bedeutende russische Zarin, war Deutsche. Deutsche wurden auch ins Ausland geholt, um dort unabhängige Dynastien zu schaffen. Ein Bayer wurde der erste griechische König nach der Unabhängigkeit. Andere deutsche Könige gab es in Bulgarien. Zwei Kurfürsten von Sachsen – August der Starke und sein Sohn August der Dritte – waren Könige von Polen. Von 1714 bis 1837 waren die Fürsten von Hannover britische Könige und haben auch in London residiert. Erst im ersten Weltkrieg hat das britische Königshaus ihr Name geändert von "Haus Hannover" auf "Haus Windsor". Das geht bis in die Gegenwart rein. Die letzten beiden holländischen Prinzen kamen aus Deutschland.

"Es scheint so zu sein, dass Fürsten aus dem deutschen Kulturkreis besonders häufig in ausländische Dynastien einheiraten", sagte Dr. Hans-Georg Aschoff von der Universität Hannover. "Das hat vielleicht etwas damit zu tun, dass Deutschland kein Nationalstaat hatte, sondern viele Territorien mit eigenständigen Fürsten, die von Protokoll her gleichrangig waren."

Wenn ich ein Duke in England bin und will heiraten, warum sollte ich die dritte Tochter irgendeines kleinen Baronen nehmen, wenn ich aus Klein-Ober-Hügelbach in Niedersachen eine Prinzessin bekomme? "Deutschland hatte einfach viele Prinzessinnen zu vergeben", meinte Aschoff.

NDR's "Hansen in der Hanse" Teil 2: Buxtehude


"Hansen in der Hanse" - meine Mini-Mini-Serie auf NDR (hier klicken), jeden Montag abend ab 22:30 bei "KulturJournal. Ich fahre durch Norddeutschland und spiele mit den Menschen mein Deutschland-Quiz. Hier ein paar Extra-Texte - begleitend zur Serie - zum zweiten Teil "Buxtehude":

BUXTEHUDE, TIMBUKU UND POUGHKEEPSIE:

Wenn man dumme Fragen stellt, erfährt man Dinge über Menschen, die sonst verborgen geblieben wären.

Als ich anfing, mich für Buxtehude zu interessieren, stieß ich immer wieder auf Menschen, die entweder unerwartet aus dem kleinen Ort herkamen oder die als Kinder von ihren Eltern damit gedroht wurden, wenn sie nicht artig wären, würden sie nach Buxtehude kommen. Wenn man nicht fragt, erfährt man sowas nicht von den Menschen.

Es gibt eine Menge seltsame Ortsnamen in Deutschland. Davon hat Buxtehude die seltene Stellung, dass viele Menschen nicht glauben, dass es das Ort wirklich gibt. Warum das so ist, weiß kein Mensch: Irgendwann in der Geschichte fing man an, Buxtehude als Witz zu erwähnen, dann vergas man die Stadt, aber der Witz ging weiter.

Jedes Land hat solche Ortsnamen. In Amerika gibt es eine Menge seltsame Ortsnamen – zum Beispiel Satans' Kingdom in Vermont. Aber zwei Städte haben die zweifelhafte Ehre, für "am Arsch der Welt" zu stehen: Poughkeepsie und Podunk. Dabei gibt es mehrere Städten jeweils mit den Namen. Hinzu kommt Timbuktu: Wenn wir "Jemanden auf den Mond schießen" wollen, landet er in Timbuktu. Ich war schon erwachsen, als ich zu meiner Überraschung lernte, dass es diese Orte wirklich gibt.

Hier eine kleine Auswahl meiner liebsten merkwürdigsten Ortsnamen:

In Arizona: Why
In Arkansas: Okay
In Colorado: No Name
In Canada: Ta Ta Creek
In England: Bare ("Nackt" auf Englisch)
In Georgia: Willacoochie
In Neuseeland: Taumatawhakatangihangakoauauotamateapokaiwhenuakitanatahu (kurz: "Taumata"(

Mein Lieblings-merkwürdiger-Ortsname aus Deutschland: Quakenbrück

Dann gibt es natürlich die unzähligen zweideutigen Namen (hier nur eine ganz kleine Auswahl):

In Frankreich: Anus und Agay
In Schottland: Assloss
In der Türkei: Bigadic ("Dick" = "Penis" auf Englisch)
…und in der Karibik: Little Dix Village
In Japan: Gofuku
In England: Big Knockerstown ("Knockers" = Brüste auf Englisch)
In China: Long Dong ("Dong" = Penis auf Englisch)
Und natürlich in Deutschland: Titisee und Wankum ("Wank" = "wichsen" in England)

HANSE, HANSA UND HAMSA:


Nur weil "Hanse" drauf steht, heiß lange nicht, dass "Hanse" drin ist.

Das Wort "Hanse" (Englisch: "Hansa") hat ein erstaunliches Spektrum an Bedeutungen und Anwendungen. Die meisten Deutschen wären nicht überrascht, zu erfahren, dass "Hanse" mal einer Dampfschiffs-Reederei, einer Touristik-Gesellschaft, einem Fußballklub, diversen Auto- und Flugzeugmarken, einem Militärabzeichen, verschiedenen Spielen, Bieren und Musikstudios den Namen verliehen hat.

Aber die wenigsten wissen, dass es auch eine Hanse-Rose gibt, eine Hanse-Gelb und sogar einen kleinen Planet mit dem hübschen Namen "480 Hansa".

In Amerika gibt es Hansa Werkzeug-, Hansa Garagentorautomatik- und Hansa Badarmaturenhersteller. Der Name kommt auch in Science-Fiction Büchern vor, zum Beispiel bei Robert Heinlein. Und mittelalterliche Rollenspielgruppen in Florida und North Carolina haben sich der Hanse verschrieben. In meiner Heimat Hawaii wissen noch viele Portugiesen, dass ihre Vorfahren im 19. Jahrhundert auf dem Schiff "S.S. Hansa" dahin transportiert wurden, ganz zu schwiegen von dem bekannten Arzt mit Namen Dr. Michael Hansa.

In Australien produziert eine Hanse-Firma Rasenmäher; in Kanada nennen sich eine Sprachschule und eine Softwarefirma "Hansa". In Schweden wird der Name von einem Unternehmensberater und einer Bankengruppe benutzt ("Hansabankas"). In Finnland heißt ein Einkaufszentrum "Hansakortteli". In Estland schmückt sich ein Restaurant, wo man Braunbärfleisch bestellen kann – als Steak oder als Würstchen –, mit dem Namen Hansa.

Doch die merkwürdigsten Verwendungen von "Hansa" kommen aus Thailand und Indien.

Auf Thai nennt man nämlich Elefanten, Reisebüros, Restaurants und eine Ingwerteemarke "Hansa". In Indien baut die Non-Governmental Organization "Swarna Hansa Foundation" Wasserquellen für arme Dörfer; in Mumbai nennt sich eine Unternehmensberatung "Hansa"; das tut auch ein Kinotechnikhersteller in Bangalore. In Leeds, England, isst man gern bei dem beliebten "Hansa's Gujarati Vegetarian Restaurant".

Warum sich ein indischer Wohltätigkeitsverein sowie thailändische Elefanten "Hansa" nennen sollten, war mir schleierhaft, bis ich herausfand, was die Worte dort bedeuten:

Auf Thai bedeutet Hansa "höchstes Glück". Thaifamilien nennen ihre Töchter sogar so.

In Indien ist eine "Hansa" oder eine "Hamsa" ein heiliger Vogel – ähnlich wie eine Gans oder ein Schwan. In den Upanishaden heiß es, eine Hansa besitzt das heilige Wissen eines Brahmans und trägt öfter mal auf ihrem Rücken die Göttin Saraswati.

BUXTEHUDES ANTWORT AUF VIAGRA:

Keiner weiß mehr, wann oder wie das Gerücht entstand, ein Schmied in Buxtehude kenne das Geheimnis, wie man den Sextrieb eines schwächelnden Mannes stärkt.

Der Journalist Martin Jank beschrieb 1983 in seinem Buch "Land hinterm Deich - Buxtehude Altes Land" einen Glaspokal im Besitz einer alten Buxtehude Familie, der einen Engel zeigt, der mit seinem Schmiedehammer ein schlaffes Mannesglied auf dem Amboss härtet. In den Pokal ist die Jahreszahl 1542 eingraviert – so alt könnte die Legende sein.

Historisch belegt dagegen ist der Schabernack, den die Buxtehuder Schmiede seitdem getrieben haben.

Anfang des 20 Jahrhunderts begann der Schmied Ludwig Eberstein – vielleicht als Witz, vielleicht als Betrug – das "Vorstählern" des männlichen Gliedes mit Hilfe seines Ambosses öffentlich anzubieten. Er wurde berühmt. Die Männer kamen von nah und fern.

Keiner weiß, was da hinter geschlossenen Türen passierte (es kann doch nicht sein, dass Hammer und Amboss tatsächlich zu Einsatz kamen… oder doch?). Aber als die Kunden rauskamen, hielten sie eine schriftliche Bescheinigung ihrer Rundumerneuerung in der Hand, die sie – so stelle ich mir das vor – daraufhin diversen Frauenzimmern vorzeigen konnten, die wiederum vor Neugierde vermutlich verrückt wurden.

NDR's "Hansen in der Hanse" Teil 1: Hamburg


Nicht verpassen!

"Hansen in der Hanse" - meine Mini-Mini-Serie auf NDR (hier klicken), jeden Montag abend ab 22:30 bei "KulturJournal. Ich fahre durch Norddeutschland und spiele mit den Menschen mein Deutschland-Quiz. Hier ein paar Extra-Texte - begleitend zur Serie - zum ersten Teil "Hamburg":

BIER AUS DER ALSTER:

Es ist heute umstritten, ob das spätmittelalterliche Hamburger Bier nach Pipi schmeckte.

Es war nicht die Schifffahrt, die Hamburg im Spätmittelalter groß machte, es war Bier. Hamburg war der Bierbrauer der Hanse. "Um 1400 hat es 450 Brauereien in Hamburg gegeben, bei vermutlich rund 7000 Einwohner", meint Dr. Ralf Wiechmann vom Museum für Hamburgische Geschichte.

Hochgerechnet heiß dass, dass rund zwei Drittel der Bevölkerung direkt oder indirekt für Brauereien arbeitete. "Es war fast eine Monokultur", sagt Wiechmann. "Am Anfang nahm man zum Brauen Gewürze statt Hopfen – man nannte es Grootbier. Dann lernten die Hamburger, dass Bier mit Hopfen sich länger hielt und exportierbar war. Bier wurde zum Exportschlager schlechthin. Das Meiste ging in die Niederlanden."

Warum ging die Biertradition zu Ende? Eine Theorie sagt, dass keiner mehr das Hamburger Bier trinken wollte, weil es nach Urin schmeckte. Das kam daher, weil man das Wasser zum Brauen aus der Alster nahm, und die Alster diente als Abwasser für die ganze Stadt. Bis heute glauben viele Historiker an dieser Theorie.

Das hört sich für uns ziemlich pervers an – na gut, es ist ganz einfach pervers – aber es gab in England eine Weile tatsächlich der Brauch, Urin Bier beizumischen. Es war alte, also zum Teil fermentierte Urin, die man "lant" nannte und voller Ammonium war. Dadurch war es vor allem zum Putzen geeignet, aber die findigen Engländer kamen irgendwann auf die Idee, "lant" könne den Atem frischer machen und Gebäck glänzender erschienen lassen – und eben einem bestimmten Ale eine gewissen "Kick" verleihen. Was aus diesem Brauch wurde – und ob er auch in Deutschland auch bekannt war - konnte ich nicht recherchieren, aber ich denke, es gibt Gründe, warum England für seine Brau- und Kochkünste nicht berühmt ist.

Darüber, ob Hamburg auch "lant" verfallen war, sind allerdings neuerdings Zweifel aufgekommen. Wiechmann ist einer dieser Zweifler. Er glaubt, die mittelalterlichen Brauer könnten so dumm nicht sein, dass sie solches Bier verkaufen würden.

Wiechmann glaubt, es handele sich um ein Missverständnis. Um 1600 hatte sich nämlich ein englischer Tourist über das Toilettengeschmack des Biers beschwert, und seitdem wird diese Beschwerde immer weiter zitiert. Die englische Beschwerde, sagt Wiechmann, hatte nichts mit Pipi zu tun gehabt – das wurde durch eine falsche Übersetzung hinein interpretiert.

Warum ist die Hamburger Bierwirtschaft denn wirklich zu Grunde gegangen?

Es war eine Kombination aus verschiedenen Gründen, die irgendwann jede große Firma erfassen, meint Wiechmann: Die Konkurrenz im Export wurde zu groß; man musste alles billiger produzieren, und darunter litt die Qualität; dazu kam, dass der gefräßige Hamburger Stadt die Steuer immer höher schraubten, bis es sich irgendwann einfach nicht mehr lohnte.

Und heute weiß keiner mehr, dass Hamburg mal für sein Bier berühmt war.

Übrigens: Warum forscht ein seriöser Wissenschaftler wie Wiechmann über Bier? Weil er gerade eine Ausstellung vorbereitet, die in September 2009 eröffnen wird. Da werden die vielen Geheimnisse des Hamburger Biers endlich gelüftet.


FASTFOOD IM MITTELALTER:

Fastfood im Mittelalter? Aber klar, was dachten Sie denn – dass Fastfood erst durch McDonald's erfunden wurde? McDonald's weder Deutschlands erste Fastfood-Kette, noch ist der Hamburger Deutschlands beliebteste Fastfood.

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA spricht nicht von "Fastfood-Ketten", sondern von "Systemern", die komplette warme Mahlzeiten im großen Stil in Fabriken produzieren und Vorort nur warm machen. Auf der Liste der Top-Systemer steht McDonald’s – dann aber kommt sofort die Lufthansa, die Raststättengruppe Autobahn Tank & Rast, Karstadt, Metro, Aral, Mitropa und etwa 90 weitere deutsche Firmen. Ich dachte immer, solange man nicht bei McDonald’s oder Burger King isst, lebt man gesund – doch auch Ikea, Mövenpick und Hallo Pizza servieren Fließbanddinners.

Der Hamburger macht nur einen kleinen Teil dieser breiten Fastfood-Palette aus. Laut DEHOGA (Zahlen von 2006) gibt es 1650 Hamburger-Restaurants in Deutschland, wenn man McDonald’s und Burger King zusammenrechnet. Daneben existieren etwa 3500 China-Restaurants, 12 000 Döner-Läden und 23 000 Pizzerien.

Was Deutschlands beleibteste Fastfood ist, bleibt unklar: Manche behaupten, Spitzenreiter sei heute der Döner; andere meinen, Pizza steht immer noch auf Platz Nr. 1. Ein Wissenschaftler meinte, das alles sei fasch: das beliebteste warme Fastfood ist die Bockwurst, und die beliebteste kalte Fastfood ist das belegte Brötchen.

Als McDonald’s in den 70ern nach Deutschland kam, war Fastfood hier schon fest etabliert. Deutschland kennt Fastfood sogar länger als meine Heimat Amerika.

Schon 1955 wurde der erste Wienerwald in München eröffnet. Das machte Wienerwald lange nicht zu Deutschlands erster Fastfood-Kette: Im selben Jahr existierten bereits 250 Nordsee-Filialen. Schon 1896 begann Nordsee, Fischbrötchen an Arbeiter in der Mittagspause zu servieren; kurz danach bot die Firma auch warme Komplettmahlzeiten an.

Auch Nordsee hat Fastfood nicht erfunden. Das erste industriel hergestellte Fastfood war das Bockwürstchen im 19. Jahrhundert. Der Vorteil: Man konnte diese Wurst leicht transportieren und vor Ort einfach in heißem Wasser stehen lassen, bis der hungrige Kunde ankam. Die Vorbereitungszeit war gleich null – das was Fastfood in seiner reinsten Form.

Auch die Imbissbude ist uralt: Es waren Napoleons Soldaten, die den Imbissstand, genannt Bistro, nach Frankreich importiert haben, und zwar auf dem Rückzug aus Russland. Der bayerische Wärschtlamo oder Wurstmann existiert mindestens seit 1881; in Österreich steht der Würstelstand seit der K&K-Monarchie.

Die findigsten Fastfood-Unternehmer schafften es sogar, ihr Produkt ohne lästiges Verkaufspersonal zu vertreiben: Im 19. Jahrhundert waren in Deutschland sogenannte Automatenrestaurants aus England populär, in denen man Fertiggerichte aus Fächern hinter Glas wählen konnte.

Fastfood scheint für das industrielle Zeitalter wie gemacht, existierte aber auch schon lange davor. Pommes – die meistgekaufte Fastfood-Speise Amerikas und laut McDonald’s-Gründer Ray Kroc das eigentliche Geheimnis seines Erfolges – sind eine europäische Erfindung aus Belgien, Frankreich oder Spanien, die auf das 17. Jahrhundert zurückgeht. In Weimar gibt es eine Rezeptur für Thüringer Bratwurst aus dem Jahre 1613. Heiße Würstchen und Komplettmahlzeiten wurden schon im Spätmittelalter auf Märkten verkauft, und in sogenannten Garküchen konnte man aus einem riesigen Eintopf eine warme Mahlzeit in einer Kelle schöpfen und ohne zu warten mit Brot essen.

Doch wir verbinden Fastfood nicht nur mit einer schnellen Vorbereitung – heute ist Fastfood ein Zeichen der Globalisierung: Nichts an dem Hamburger, den man in Hamburg isst, kommt aus Hamburg.

Doch auch das ist keine Erfindung der Amerikaner, sondern der Deutschen: Schon im Spätmittelalter hat die Hanse erkannt, dass durch die unzähligen katholischen Fastentagen ein riesiger Bedarf an Fisch in Europa bestand – vor allem in Gegenden, wo man nicht so schnell an Fisch herankam. Also verschiffte man ausländische Saisonarbeiter in großen Zahlen nach Norwegen, so sie im großen Stil Fisch fingen, aufschlitzten, in Salz aus Lüneburg einlegten, über Stöcke zum trocknen legten und dann über Lübeck nach ganz Europa exportierten.

Als wir für "Hansen in der Hanse" echtes Stockfisch suchten, machten wir zwei interessante Entdeckungen: Erstens, Stockfisch wird heute noch produziert und gegessen – vor allem in Italien und Portugal nimmt man das salzige Ding, legt es drei Tage in Wasser, um den Salz auszutreiben, und macht daraus solche Spezialitäten wie Fischbällchen.

Zweitens, das Ding stinkt erbärmlich. Es muss die Hölle gewesen sein, als Saisonarbeiter in Norwegen tag ein, tag aus diese Dinge von den Schiffen zu nehmen und zu verarbeiten.

(zum Teil aus "Planet Germany")


ÜBER DIE WEISSWURST:

Immer, wenn ich meine deutschen Freunde solche Fragen stelle wie, "Woher kommt die Weißwurst wirklich?", sagen sie: "Eric, du spinnst. Wen interessiert eine solche Frage?"

Sie verstehen mein Interesse nicht. Dafür verstehe ich nicht, warum sie sich nicht interessieren. Die Weißwurst ist eine schleimiges, käsig-weißes, ekeliges Ding, eines der merkwürdigsten und unangenehmsten Gerichten, die es überhaupt gibt… und ausgerechnet diese Wurst haben die Bayern zu einem ihrer wichtigsten kulturellen Merkmalen erhoben. Wenn man einen Bayern fragt, "Was ist bayerisch?", sagt er: "Die Weißwurst! Aber bitte zutzeln!"

Ich finde das interessant. Hier meine Recherchen zur Weißwurst:

Es ist schon gemein. Die armen Bayern. Sie haben alles verloren. Ihre Lederhosen und Dirndl gelten weltweit als Überkitsch. Ihr Märchenkönig ist tot und sein Schloss Neuschwanstein nur halb so bekannt wie die Kopie in Disneyland. Keiner wollte ihren ehemaligen Ministerpräsidenten als Bundeskanzler. Und ein Freistaat sind sie auch nur noch dem Namen nach. Es wäre nur zu schade, wenn sie auch noch die Weißwurst verlieren würden.

Also gebe ich mir Mühe, ihnen auch das noch wegzunehmen!

Der Legende nach wurde sie durch Zufall von dem Wirt Sepp Moser im Gasthaus »Zum ewigen Licht« am Münchner Marienplatz erfunden. Angeblich waren ihm am Rosenmontag 1857 die Schafsdärme für die Kalbsbratwürstchen ausgegangen. Da die Gäste warteten, schickte Sepp einen Lehrling los, um Därme zu holen. Dieser kam aber mit den falschen zurück: mit Schweinedärmen.

Gezwungenermaßen füllte er diese mit der Kalbswurstmasse, befürchtete aber, dass sie beim Braten platzen würden. Warum Schweinedärme sich nicht braten lassen und Schafsdärme doch, weiß ich auch nicht. Trotzdem: Er wollte keine Sauerei, also ließ er sie in heißem Wasser ziehen und voilà, die Weißwurst war geboren. Leider spricht einiges gegen den Wahrheitsgehalt dieser Legende.

Erstens, dass Sepp Moser 1857 noch gar kein Wirtshaus besaß. Dazu kam es erst 1860. Zweitens: Metzger war er auch keiner, er schenkte nur Bier aus. Drittens, 1857 war die Weißwurst längst in Schlesien, Norddeutschland und Frankreich bekannt.

Die Hamburger Weißwurst war schon 1814 beliebt und wurde oft als zweites Frühstück mit Kaviar gegessen. Allerdings waren es französische Soldaten gewesen, die das weiße Ding ins besetzte Hamburg brachten. Entsprechend kurzlebig war auch die Hamburger Weißwurst-Manie: Nachdem die Franzosen wieder weg waren, war es manchen Stadtbewohnern peinlich, sich jemals für die Errungenschaften des Erbfeindes begeistert zu haben. Heute trifft man zwar noch Hamburger an, die Weißwurst essen, aber nur im Urlaub.

Egal, wie stolz die Bayern auf ihre Weißwurst sind – wer Weißwurst wirklich liebt, muss nach Frankreich. Die Franzosen kennen die »Boudlin Blanc« scheinbar schon seit dem 14. Jahrhundert. Die weltweit wichtigste und vermutlich einzige Weißwurstzunft heißt »Commanderie des Fins Goustiers du Duché d’Alençon« – die Weißwurst-Bruderschaft.

Jährlich treffen sich diese in Weißwurst vernarrten Metzger in der Heimat der Haute Cuisine und verleihen sich gegenseitig diverse Auszeichnungen in einer ganzen Reihe von schmackhaften Kategorien. Auch Deutsche nehmen regelmäßig Preise mit nach Hause, ab und zu sogar den begehrten Grand Prix d’Excellence. Zum Beispiel der Weißwurstmetzger Paul Egon Breitfeld. Ich fragte ihn nach dem Unterschied zwischen französischer und bayerischer Weißwurst:

»Die französischen Weißwürste sind etwas weißer«, sagte er. »Die Deutschen haben sehr viel Petersilie und andere Kräuter drin. Die Franzosen wollen ihre Weißwurst ganz weiß. Sie sagen, ›Die Weißwurst soll Weißwurst sein‹. Sie mögen keine Innovationen.«

Breitfeld wurde übrigens nicht nur zum Weißwurstritter geschlagen, er wurde als einziger Deutscher in die Akademie aufgenommen und darf die Robe der Commanderie tragen. Doch wenn Sie meinen, sein Gespür für Weißwurst sei angeboren, er sei sicher einer dieser Ur-Bayern, irren Sie: Er stammt aus Solingen.

(zum Teil aus "Deutschland-Quiz")

Sunday, July 27, 2008

Es ist soweit! Eric im TV

Der Untergang des deutschen Fernsehens ist besiegelt - Eric ist da.

Ab dem 4. August jeden Montag als Teil von KulturJournal bei NDR 3 (spät Abends) werde ich sechs Wochen lang meine "Deutschland-Quiz" auf Norddeutschland ummünzen und verfilmen.

Die Mini-Serie heisst "Hansen in der Hanse", und hat eine Menge Spass gemacht. Wir sind durch 5 norddeutsche Städte herumgereist und die Leute auf der Strasse sowie die Bürgermeister in ihren Ämtern belästigt. Wir haben das mittelalterliche Viagra gefunden (tut weh), die indische Hanse, die deutsche Schuld an der Globalisierung der Welt und haben auch noch herausgefunden, was "Blodman" auf französisch bedeutet.


Dabei sind wir so klamaukig, bizarr und... naja, bizarr vorgegangen, wie es nur ging.

Schaut rein - es macht Spass, und Ihr habt die einzigartige Gelegenheit, zu beobachten, wie eine Fernseh-Karrier im gleichen Moment geboren und zerstört wird.

Und nicht nur das: Ihr werdet sehen, warum Männer in Cadillacs mehr Erfolg bei den Frauen haben.

Tuesday, July 22, 2008

Idiots, Nazis or Pranksters?



Admittedly, Germans are not known for their ha-ha-fall-down humor. It's just not them.

But what they do like to do is make each other look stupid. (And before you frown and disapprove, let me remind you that American humor does that also - or do you really think Jon Stewart makes George Bush look intelligent?)



For example, the Hitler card game.

A small Berlin publisher jumpstarted a mini-scandal when it put out a card game featuring the faces and CVs of dictators, from Hitler to Idi Amin. The game is based on the popular German children's card game called "Quartett", in which you have to match features on your cards to features on the cards of another player to gather their cards - or something like that. Usually the cards feature cars or soccer players.

Immediately German officials realized that someone here wasn't being appropriately respectful of Hitler and complained. A politician of the liberal party SPD called it "tasteless," etc. The newspaper wrote about it and internet forums gathered opinions. It stupid, of course: Getting upset about Hitler is a standard in Germany, you have to drop everything and get all excited about it, like telling a Vegan, "I smell meat in this salad. Do you smell meat in this salad?"

What most people didn't see is that is was a joke. A joke on them. The publisher did it not only to sell cards, but to push buttons, and German buttons are easy to push. It was a prank - a prank on the general public and on any politician or opinion leader willing to stupidly comment. Germans can do pranks.

But the better prank was a few months earlier.

There is a popular comedy show on German TV called "Hello Taxi," in which an excellent improv comedian named Hape Kerkeling pretends to be a taxi driver and drives his passengers nuts on hidden camera.

One of his tricks to to eat, phone, etc., while driving. Using your cell phone while driving in Germany is against the law and is punishable by fine.

Just last week it was reported that several months ago a TV viewer reported Kerkeling to the police for driving a taxi while using a cell phone, because he had seen it on TV.

At first I thought: This guy is an idiot. Especially because he didn't name Kerkeling in his accusation, he named Kerkeling''s fictional TV-character.

Then I thought: Can anybody be that stupid? Or is someone out there playing a prank.

It was a prankster, for sure, and the proof is that the prank worked: The district attorney (in Cologne) followed up on the accusation and initiated an investigation against the TV character. It was a prank on German bureaucracy. That's something Germans can do.

Nothing happened to Kerkeling, by the way: By the time this office sorted through the fake name and viewed the TV footage, several months had passed and it was to late to do anything: a misdemeanor as minor as this becomes invalid after only a few months.