Wednesday, January 30, 2008

Walking to Neandertal


















Neanderthal Babe

Female Homo Erectus hundreds of thousands of years ago. HOT!
Female Homo Erectus a few years later. Not so hot.

Sunday, January 20, 2008

Dear Eric: Die neueste E-Mail von Titta

Die neueste E-Mail von Titta:

Dear Eric,

zuerst einmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Da steckt ja auch eine Menge Arbeit drin – und einiges andere mehr.

Anfänglich war ich etwas erschrocken darüber, was mir da alles unterstellt wird an Gedanken und Vorbehalten. Und dann war ich etwas enttäuscht, weil du dich in deiner Antwort vor allem so auf das Thema Scheitern beschränkt hast. Anscheinend ist dir das Thema aber wichtig, und so will ich dann auch darauf antworten.

Vielleicht sind ja unsere Standpunkte, bei genauerer Betrachtung, doch gar nicht so verschieden voneinander.

Von einer Liebe zum Scheitern habe ich übrigens keineswegs gesprochen. Das sind deine Worte. Aber offensichtlich ist in meinen Ausführungen über die Erhabenheit des Scheiterns einiges zu kurz gekommen, was ich nun eingehender erläutern möchte.

Vorab noch etwas. Du schreibst: Verlierer werden zwar bemitleidet, aber nicht um Rat gefragt.

Die bekannteste Losergeschichte der westlichen Welt ist die von Jesus Christus, und nach wie vor werden die Lehren dieses Losers par excellence weltweit verbreitet. Verlierertypen als Sieger zu stilisieren, scheint also nicht nur eine genuin deutsche Eigenart zu sein.

Verlieren ist nicht der Sinn des Lebens, da stimme ich mit dir überein, aber ein unvermeidbarer Teil desselben.

Was ist denn überhaupt der Sinn des Lebens? Erfolg zu haben? Nicht aufzugeben? Es immer wieder versucht zu haben? Gekämpft zu haben?

Mit welchem Ziel? Was ist der Zweck dieser Bemühungen, dieser Übungen? Um mir und der Umwelt zu beweisen, daß ich in der Lage bin, mit dem Leben fertig zu werden? (So jedenfalls habe ich deine Ausführungen verstanden.)

Die beste Art, mit dem Leben fertig zu werden, ist, es zu lieben.

Aber was heißt es, das Leben zu lieben? Für mich heißt es, das Leben so zu akzeptieren, wie es ist. Dazu gehören die Siege, die Erfolge, genauso wie die Verluste und das Scheitern. Die dunklen wie die hellen Seiten in meinem Leben zu akzeptieren und alles zusammen als die Fülle, den Reichtum der eigenen Existenz zu begreifen. Das meine ich, wenn ich davon spreche, das eigene Scheitern zu akzeptieren und es nicht auszublenden.

Ich hoffe, ich werde jetzt nicht des Masochismus verdächtigt. Schmerzen an sich mag ich nämlich überhaupt nicht, aber dennoch ist es mitunter unerläßlich, sich dem Schmerz (und damit den Verlusten, dem Scheitern) im eigenen Leben zu stellen. Meiner Erfahrung nach ist das die einzige Art und Weise, um diesen wirklich überwinden zu können.

Sich dem Schmerz, dem Scheitern nicht zu stellen, bringt nämlich überhaupt nichts, außer daß ich den Rest meines Lebens eine Getriebene bzw. eine Vermeiderin bin. (Du kennst das ja mit dem Nicht-öffnen-wollen der Mahnbriefe.)

Und sich stellen ist etwas anderes als zu kämpfen. Ich bitte, das zu beachten, Eric. Beim Kämpfen kann ich noch (aktiv) etwas tun, beim sich Stellen kann ich nur (passiv) aushalten. Und letzteres ist so unangenehm, daß es die Menschen im allgemeinen wohl eher vermeiden.

Typisch für diese menschlich verständliche Verhaltensweise sind z.B. die Reaktionen auf unsere ungewollte Kinderlosigkeit. Da kommen dann auch immer gleich die Vorschläge von wg. Adoption, Pflegekinder oder den anderen Optionen im Leben. Aber dieser Schmerz in unserem Leben ist nicht heilbar, dafür gibt es kein Pflaster. Und ich bitte, meinen Einwand nicht als Schmollen mißzuverstehen. Ich versuche mich nur dem zu stellen, was wirklich ist, was ich wirklich fühle.

Denn meiner persönlichen wie beruflichen Erfahrung nach muß ich dies tun, um mir meine Empfindungsfähigkeit zu bewahren und zu erhalten. Wenn ich nicht richtig trauere, kann ich mich auch irgendwann nicht mehr richtig freuen im Leben.

Ich hoffe, durch die jetzigen Darlegungen sind meine Ausführungen über die Erhabenheit des Scheiterns etwas verständlicher geworden und dein Widerwille etwas gemildert.

Nun noch ein paar kurze Anmerkungen zu einigen Bemerkungen von dir:

- keine Bange, du sollst deine Urheberrechte als Autor schon behalten, zumindest solange, bis es ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle gibt.

- zu deiner Beruhigung: mein Einkommen liegt genau in der Höhe, daß ich damit zu denen gehöre, die diesen Staat finanzieren. (In Zukunft auch gerne dein bedingungsloses Grundeinkommen.) Weder schöpfe ich Sozialleistungen ab, noch kann ich durch Abschreibungen meine Steuerlast neutralisieren.

- ja, es tut weh, sich mit den dunklen Seiten der eigenen Geschichte befassen zu müssen (schließlich bin ich Deutsche). Eine Vermeidungsstrategie ist da bestimmt, die Sprüche einer Deutschen über amerikanische Machtpolitik auf Antiamerikanismus zu reduzieren.

- wenn du dir z.B. die Schulbücher anschaust, dann merkst du ganz genau, wer zu den Gewinnern, den Mächtigen in diesem Lande gehört. Du hast recht, wenn’s auch anders gemeint war.

- Glaubst du wirklich, in den unterentwickelten Ländern dieser Erde lebten nur Verlierer? Mitleid ist nicht Respekt, stimmt, genauso wie Gerechtigkeit auch etwas anderes ist als Mitleid. Aber das Ziel ist doch wohl nicht eine mitleidslose Gesellschaft, oder? (Auf Griechisch heißt Mitleid übrigens Sympathie.)

- und jetzt noch mal als deutsche Frau zum us-amerikanischen Mann:

1. Du als US-Amerikaner weißt noch nicht wirklich, was Scheitern bedeutet. Du bist in der weltweit vielleicht einzigartigen Lage, daß dein Land noch nie, außer eben die kurze Phase vor der Staatsgründung, von fremden Mächten abhängig gewesen ist. Die Zeit kommt noch und auch die damit verbundenen ganz eigenen Erfahrungen.

2. Schmeckten nicht die Küsse am süßesten, die dir (d)eine Frau geschenkt hat, als du dich als der Voll-Loser herausgestellt hast, der du eben auch bist? Als sie dich angelacht hat und dir gesagt hat: >Ich lieb dich trotzdem
Lieber Eric, ich hoffe, deine Aversion gegen die ‚deutsche Liebe zum Scheitern’ und dein ganzer übriger Trouble ist noch nicht so groß, daß du schon eine Rücksiedlung in die USA anvisierst. (Andererseits, auch dem Heimweh muß man sich stellen.)

Übrigens: auch älteren Mädchen gefallen Indianer noch sehr gut. Und als die Deutschen das letzte Mal massenhaft auf die Straße gingen, gab’s die Wende und danach gab es ihren Staat nicht mehr. Jedenfalls nicht so, wie sie es gewohnt waren. Ich weiß, warum ich so gerne auf meinem Sofa hocke. Da sitz ich auch gar nicht so verkehrt, denn die Welt kann man eh immer nur an einer Stelle verändern, nämlich genau da, wo man ist!

So Eric, und wenn du Lust hast, bist du jetzt wieder dran.

Es grüßt dich herzlichst

Titta

Germany Needs Adam Sandler Now More Than Ever


At last, I have a good solution to all of Germany's problems: more Adam Sandler movies.

The main problem Germany has today is violent youth. This may seem ridiculous to everyone else. Coming from America, where in this election period we labor under problems like a looming recession and the Iraq quagmire, I have to think: if Germany's biggest problem is violent boys, it must be a great place to live in (indeed, it is).

The problem of violent youth arose a few months back, when a subway video of a couple of kids beating up an old man was released. A local politician running for reelection blew it up into a big thing, claiming that violence among youth is growing to epidemic proportions and demanding stricter laws and harsher punishment. In fact, he's right and he's wrong: within youth crime statistics, violence as a form of crime is growing, but at the same time youth crime overall is sinking… so is that an epidemic or is it a miniscule bleep on the radar? But Germans love to argue, and it doesn’t much matter whether the issue is actually completely moot or not, they love the heat of the verbal fight itself.

However, back to my solution: There was an interesting article in the New York Times recently about economists taking a look at the relationship between the media and violence from a slightly different angle.

The economists came to an unusual but possibly quite feasible conclusion: Violent movies and other media actually cuts down on violent crimes. Sure, they say, violence in the media encourages potentially violent kids to fantasize more about violent acts, but at the same time, the more time they spend in front of the video screen or in the moves, the less time they are out on the streets committing crimes. Interestingly, statistically speaking they maybe right: Fewer violent crimes are perpetrated on days when popular violent movies were playing, and not only during the 2 hours of the movie, but afterwards as well. The fantasy of violence in the movie seems to be enough for the moment, so after the kids see the movie, their violent fantasies are momentarily satisfied, so they go out and have a beer and talk about it rather than beating up someone.

It's a weird, if-you-can't-fight-em-join-em kind of way of looking at it: Okay, we can’t stop Hollywood from producing violent fare, and we can’t stop kids from being violent, but we can reduce violence by keeping kids off the streets, using violent media as a kind of babysitter for hoodlums.

And that's where we come to Adam Sandler. The economists found that this works not only with explicitly violent movies (which may encourage violent fantasies in a general, longer-lasting way), but also with movies that appeal to young men in general, i.e. also "dumb-clever" comedies like those with Adam Sandler and Will Farrell and Ben Stiller and all these guys. Guy movies.
So there you have it: The real problem with German youth and its solution: Germany needs more guy movies. Unfortunately, most movies made in Germany are movies about relationship problems and social concerns, which no one goes to see. Only four or five times a year do Germans produce "dumbed-down" comedies movies for "guys".

The German film subsidy system doesn't allow for more: The state subsidies that finance German movies are given mainly to movies that are thought to be valuable in some way – they are art, or they are about homeless persons. I.e., movies that middle class, over-educated culture snobs can be proud of (without actually having to see them). Movies for the lower classes are sometimes made, but generally frowned upon.

Too bad! The lower classes will just have to find ways to go out and entertain themselves!

Sunday, January 13, 2008

No Smoking = Holocaust?


If ever there was an example of an entire people perceiving themselves to be one thing and in reality being another, it's the Germans. And no, I'm not talking about that.

Here's the way Germans see themselves: Internationally well-informed, morally upright and concerned about what is going on in the world. The German version of politically correct is "Gutmensch" (Good-Person): Someone who is concerned about hunger in the Third World, the injustices of capitalism, etc. The American war in Iraq was a feast for Germans: They complained about it so much and still are complaining about it that it has become clear even to some of them that what they are really saying is not so much that the Iraq war is bad (no one in Germany is complaining this loud about the slaughter in Darfur, for example), but that: We're better than Americans.

Germans love to see themselves as the morally correct-est people on earth.

The problem with that is: It's easy to be good and right if you don’t do anything. America was clearly wrong going into Iraq and Bush's current attempt to solve the Mideast problem is embarrassing. But the Germans have never tried to solve the problem in the Mideast and were more than willing to accept Saddam Hussein as long as it meant they didn’t have to do anything. While the Americans say they are not interested in what's going on in the world around them, they are still the only people on earth making a huge (and often hugely wrong) effort to change things. They are always talking about women's rights, but the percentage of women in business is lower than in most other countries in the western world. They often complain about the racial problems in the US, but the access that Turks have to German higher education is just as low as among Afro-Americans.

To be fair: The Germans are also among the highest contributors of money to charity organizations and to non-government organizations worldwide. But what does it take to get Germans out of their armchairs and onto the streets doing something about the mass injustices in the world? How many people worldwide have to die before German Talk becomes German Action?

Ah, just recently, the Germans have turned their Talk into Action. They got out of their chairs and have taken to the streets once more, for the first time since they protested the Iraq War. And what is it that has inspired them to action? Iraq? Iran? Darfur?

Of course not! What are you thinking. It's the smoking ban, silly

Over the past months – most recently here in Berlin – the German states have begun instituting a smoking ban in restaurants and bars. An all this took place about – hm, let me calculate there here – ten years after the rest of the western world has done it? Who says the Germans are a little bit slow?

It's the smoking ban that has enraged Germans more than I have seen for a long time. In Frankfurt, bar owners and their patrons took to the streets to protest in a series of "Monday Demonstrations". "Monday Demonstration", if you don't know, were the regular peaceful mass protest marches in East Germany that the communist government could not stop and that grew to such proportions that it finally brought down the regime and with it Communism. Monday Demonstrations were a major part of world history. I mean, big. So, what they're saying is: the smoking ban is just like a communist dictatorship. I'm sure politicians in Berlin are quaking in their boots, reserving open plane tickets to Argentina and generally counting the minutes before the government is brought it its knees.

But they don’t stop there. Some people have begun producing and wearing t-shirts with yellow stars on them with "smoker" written in the middle – the yellow star is of course the star that the Jews were forced to wear under Hitler. Yes, there are Germans who think the smoking ban is just as bad as the Holocaust. (On the other hand, maybe they know something I don’t know – was smoking allowed in the concentration camps?)

You might think this is all silly, of course, but for me, it touches my heart. It's been such a long time, you see, since Germans have found something they can really believe in.

Friday, January 11, 2008

No One Will Beleive It.


When I was writing sitcom scripts for German television (it didn't last long), I was always having run-ins with producers about what was funny and what wasn’t. The worst sentence they could tell me was: "That's not credible. It doesn't happen in real life." For those moments, I always longed for a newspaper clipping that I could throw down on their desks to contradict them. Now, finally, I have one:

Corpse Wheeled to Check-Cashing Store Leads to 2 Arrests

Lieben auch Indianer die Deutschen?


In meinem neuen Buch “Deutschland-Quiz” frage ich in einem Abschnitt, warum die Deutschen sich ausgerechnet so sehr in Indianer verliebt sind, und ob Indianer auch die Zuneigung erwidern. Darin behauptet einer in Deutschland lebender Indianer, dass er hier mehr Respekt bekommt als zu Hause in Kanada. Es war der einzige First Nations man, den ich finden konnte – also konnte ich seine Behauptung nicht durch eine zweite Stimme bestätigen – bis jetzt. Diese Woche schrieb mir die Leserin "AML" über ihre erste Begegnung mit Indianern:

Sehr geehrter Herr Hansen,

...Verrückterweise kann ich etwas zu Ihrem Kapitel über Indianer in Deutschland beitragen. Natürlich bin ich mit Karl May sozialisiert, aber habe meines Wissens nach leider erst einen ‘echten’ Indianer kennen gelernt. Ende der 60ger Jahre, ich war Studentin und zu Besuch bei meiner Tante in der Gegend von Aachen, traf ich bei ihr zuhause 2 junge Amerikaner. Es stellte sich heraus, daß sie Mitglieder einer Gruppe waren, die sich ‘ Sing Out 66′ nannte. Junge Menschen, die auf Tournee in Europa waren, wohl mit ihren Auftritte das positive Image der Amerikaner verbessern sollten ( was im Zuge des Vietnam-Krieges auch nötig war) und die bei Gastfamilien untergebracht waren. Bei meiner Tante wohnte für einige Tage nun zufällig der einzige Indianer der Gruppe, ein Nez Perce.

Mein Vetter und ich gingen mit den Beiden auf eine Studenten-Party, bei dem er natürlich durch sein ‘exotisches’ Aussehen ziemliches Aufsehen erregte. Ich habe mich ausführlich mit ihm unterhalten, allerdings nicht über Spiritualität, etwas was mich auch bei Indianern nicht sonderlich interessiert, aber über die Geschichte seines Volkes, das mir im Gegensatz zu Apachen und Sioux noch nicht so bekannt war. Ich erhielt einen kurzen Abriß über die versuchte Flucht der Nez Perce nach Kanada und Chief Joseph. Alles sehr faszinierend! Am nächsten Tage war dann die Vorstellung, bei der er in traditioneller Bekleidung ein Gedicht mit Hilfe der indianischen Zeichensprache interpretierte. Alle sahen gebannt zu.

Nachher erzählte er mir, daß wäre für ihn etwas ganz Neues und Faszinierendes. In Amerika würden sich die Zuschauer dabei unterhalten und essen. Das ein Publikum sich so in den Bann ziehen lassen würde, war für ihn kaum glaublich und eine sehr positive Erfahrung. Leider konnte ich meinen Plan, den Stamm zu besuchen und mehr von ihm zu erfahren, nie in die Tat umsetzen, aber ich hoffe, das er auch zu den Indianern zählt, die ihre Erfahrungen in Deutschland in guter Erinnerung haben.

Weiter viel Erfolg mit Ihren Büchern und alles Gute zum Neuen Jahr!

AML

Eric schreibt: Mit der E-Mail schickte mir AML das obige Foto des Indianers, das ihr Vetter aufgenommen hatte - Wow! Ich verstehe, wie sie als junges Mädchen beeindruckt werden konnte.

Wednesday, January 02, 2008

What Is America #415

Every time I'm in the States, I look for words to describe what I'm seeing – living in sleepy Germany all this time, I feel like a stranger when I return, and I see my country through the eyes of a stranger, and what I see is a picture of wild consumerism, rampant desires and chaotic craziness. It is fearful and fascinating at the same time, and it fills me with pride and excitement. I can’t find the right words to describe it.

Ah, but that's what art is there for.

I load my iTunes with a simple rock tune song by an otherwise nondescript band named Nickelback: "Rock Star." I am addicted. Whenever I'm in the States, I can't stop listening to it. It transports me. I think: Ah, this is America. This is the ur-American. This song describes the American I always was, but never had the guts to admit it. Pure, unadulterated, 100% frustrating… desire.

In case you don’t know the song (it's a hit in the US but not in Europe) – or haven’t paid attention to the lyrics – here's a simple, written by lead singer Chad Kroeger:

I'm through with standin' in line
at clubs I'll never get in…

…this life hasn't turned out
quite the way I want it to be

I'm gonna sing those songs
that offend the censors
Gonna pop my pills
from a Pez dispenser

'Cause we all just wanna be big rockstars and
Live in hilltop houses driving fifteen cars
The girls come easy and the drugs come cheap
We'll all stay skinny 'cause we just won't eat
And we'll hang out in the coolest bars
in the VIP with the movie stars
Every good gold digger's
Gonna wind up there
Every Playboy bunny
With her bleach blonde hair
What Nickelback describes is ugly, graceless, uncultivated and decadent… but don’t kid yourself, you want too. It is the American dream at its very heart: To have everything, to be able to do anything. To belong the very to, where no one can touch you, where no law applies to you.

We always knew it: Hollywood is America's Olympus. Today's Hollywood and rock stars are the equivalent of the gods and demi-gods of ancient Greece and the heroes of early medieval Europe: the privileged ones, the ones kissed by the gods. There's no explanation for why one girl is born plain and another beautiful and blond; why one talented guy labors all his life on little stages while Brad Pitt rockets to stardom. They were kissed by the gods. The difference is: Europeans ask permission before desiring. In a post-aristocratic society – where you are by God's grace either born into privilege or not and don't question it one way or the other – you don't believe they are actually entitled to the godlike Hollywood life. We Americans with our anyone-can-be-a-star philosophy on the other hand believe that we all deserve Godhood in Hollywood. Any of us could be discovered at any time, any of us cold land the hit, any of us could make it. And when we don't… there we sit, alone, struggling to deal with desires and longings that are overpowering and unsatisfiable – the longings and desires of Gods, but injected forever into the hearts of mere mortals.

As a wanna-be intellectual, all my life these desires disgusted me – superficial, false, embarrassing, everything that is wrong about America today, I would think. Now I know that this, as well as most everything else I dreamt up as a teenager, was self-deception. If the devil came to me now and offered me a Faustian bargain, I would probably take it – or not take it, and regret it later. We all want it, even the intellectual, even the Europeans, admit it, baby.

If you ever asked yourself this question: "Hm, I wonder what the tragedy and beauty of America really is," this is it, all wrapped up in a three-minute rock song by a Canadian band.

Tuesday, January 01, 2008



A while ago, a reader named Titta began a dialogue with me about the socialism, the responsibility of the state and the philosophy of fighting, winning and losing. I haven’t answered her for a while, but finally I got around to it. The following is her latest letter and my reply – in German:

Lieber Eric,

hier der Versuch einer Antwort in aller Kürze.

Das Paradies besteht, wenn man genau nachliest, aus leichter Gartenarbeit, also einer durchaus angenehmen Tätigkeit, zumindest nach meinem Empfinden. Das Böse ist allerdings systemimmanent (Schlange), der Mensch so anfällig wie wißbegierig (der Apfel wird vom Baum der Erkenntnis gepflückt, nicht vom Baum des Lebens – die verpaßte Chance, als Mensch doof aber glücklich und endlos vor sich hin zu leben), die Schöpfung als solche wird jedoch durchaus als gut bewertet. Und das alles Jahrtausende vor der protestantisch-calvinistischen Arbeitsethik.

Du hast noch nie im Leben ohne Kampf etwas erreicht? Wirklich? Okay, Kampf gehört auch zum Leben. (Der größte ist wahrscheinlich der gegen sich selbst.) Als erprobte Kampfsau bin ich selbst überzeugte Anhängerin dieser Einstellung gewesen mit dem Bewußtsein, alles erreichen zu können, wenn ich mich nur genügend anstrenge. Diese Vorstellung von mir war allerdings wirklich höchst naiv. Ein großer Lebenswunsch blieb nämlich unerfüllt – darum kämpfen zu wollen, schwanger zu werden – auf bessere Weise kann dir das Leben nicht zeigen, daß Kampf nicht das probate Mittel ist, das Leben mit all seinen Anforderungen zu meistern.

Was ist übrigens passiert, nachdem du die schönste Frau auf der Halloween-Party erobert hast? (Herzlichen Glückwunsch zum 12-Jährigen!) Wieso ist die Frau bei dir geblieben? Weil du so ein toller Hecht bist, der so gut kämpfen kann? Für unsere Stärken werden wir bewundert, aber geliebt werden wir wegen unserer Schwächen und Fehler. Die tiefsten und innigsten Momente mit einem anderen Menschen sind doch die, wenn der andere dich in deiner ganzen Erbärmlichkeit und Schwachheit sieht und akzeptiert und dich nicht trotzdem, sondern gerade deswegen liebt. Weil er selbst nämlich auch nicht anders ist. Liebe, Freundschaft, Vertrauen, Achtung, Respekt – all das, worauf es wirklich ankommt im Leben, das erwirbt man nicht durch Kampf, das wird einem geschenkt. Von anderen. Worauf meine Existenz in ihrem Kern beruht, liegt nicht im Rahmen meiner Fähigkeiten und Leistungen. (Beweist der dauernde Kampf im Grunde nicht vor allem, daß der Kämpfende sich seiner Stärke nicht wirklich sicher ist?)

Schreibst du noch die Bücher, die du wirklich schreiben willst?

Ich leiste mir gerade den ungeheuren Luxus, das zu schreiben, was ich will, jedoch in der Gewißheit, für einen Erstling mit 700 Seiten keinen Verleger zu finden. (Warum, muß ich dir nicht erklären.) Nun kann ich mir überlegen, noch einen kürzeren marktgerechten hinterherzuschieben, um zumindest dafür einen Verlag zu finden, damit dann irgendwann vielleicht mal das, was mir wirklich am Herzen liegt… Du kennst das ja! Was bleibt nach dem Kampf noch übrig – von dem Traum und von einem selbst?

Ehemalige DDR-Autoren meinten mal: In der DDR da wurden sie und ihre Werke wenigstens noch ernst genommen. Da hat man noch darauf geachtet, was sie schrieben und für so wichtig gehalten, daß ihre Bücher sogar verboten wurden.

Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, daß widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden.
- John Maynard Keynes

Zu den perversen Auswüchsen des kapitalistischen Wirtschaftssystems keine weiteren Ausführungen mehr. Nur noch kurz: die Herren Siemens, Henkel, Daimler und wie sie alle heißen, haben ihre Unternehmensimperien durch ihre Ideen wie durch die Arbeit ihrer Beschäftigten aufgebaut. Wie viele Motoren hätte etwa Daimler alleine zusammenschrauben können? Wem gehören eigentlich letztendlich die Patente menschlicher Erfindungsgabe wirklich? Dem Erfinder? Der Menschheit? Oder dem Spiritus rector?

Wenn es einem Menschen gut geht, arbeitet er nicht mehr. Ist das nicht eine pervertierte Schlußfolgerung? (Hat vermutlich etwas mit der kapitalistischen Gleichung: Arbeit = Ware zu tun.) Am leistungsstärksten und produktivsten ist doch bekanntlich der, dem es gut geht.

Immer wenn ich Menschen, die wegen der Ausbeutung des Sozialsystems durch Nichtarbeitende besorgt waren, gefragt habe, ob sie selbst jemals arbeitslos gewesen seien, haben sie mit Nein geantwortet. Ich selbst war mal drei Jahre ohne Arbeit. Das brauche ich als Erfahrung nie wieder. Anscheinend geht’s mir nur mit Arbeit gut. (Ist das nur typisch deutsch?)

Ich habe jahrzehntelang in einem geteilten Land gelebt, in dem beiderseits Tausende von atomaren Sprengköpfen nur auf ihren Einsatz warteten. Ich habe Übungen für den atomaren Ernstfall über mich ergehen lassen und durfte erfahren, daß us-amerikanische Reisebüros schon mit dem Slogan werben: Besuchen Sie Europa, solange es noch steht. Ich passierte regelmäßig eine Grenze mit Mauer samt Hunden und Selbstschußanlagen, weil mein Land ausgerechnet da lag, wo die Interessensphären von zwei Großmächten aufeinandertrafen. Und wenn der Kalte Krieg heiß geworden wäre (was dank sowjetrussischer Einsicht und Vernunft nicht der Fall war), wäre ich gestorben für die geopolitischen Interessen anderer. Soviel nur zu den friedlichen Verhältnissen, in denen ich seit 60 Jahren leben darf.

Und bitte nicht mogeln! Die USA hat bereits vor 1945 so viele Kriege und militärische Interventionen (schöner Euphemismus) angeführt, sie hat schon ganz alleine dafür gesorgt, ein Weltreich zu werden. Dabei hat sie es immer glänzend verstanden, militärische Auseinandersetzungen vom eigenen Territorium fernzuhalten, bis zum 11.9.! Wenn die entsprechenden Historiker recht haben, ist der Zenit dieser Macht bereits mit dem Jahr 1945 überschritten worden und die nachfolgenden Kriege sind nur mehr Bemühungen um einen immer weiter schwindenden Machterhalt. So wurde Saddam Hussein nicht etwa nach seinem Einmarsch in Kuwait entmachtet, sondern erst rund 10 Jahre später, nämlich genau drei Monate, nachdem er die Bezahlung der Ölexporte seines Landes von Dollar auf Euro umgestellt hatte. Damit nicht andere Länder der Region auf ähnliche Gedanken kommen und damit den wirtschaftlichen Riesen USA endgültig zu Fall bringen, wird nun der Iran ins Visier genommen (übrigens auch von Hillary Clinton). Der Fall eines Weltreiches bringt, was immer deutlicher wird, stets große Verwerfungen mit sich. (Weshalb der relativ friedliche Zusammenbruch der UdSSR ja als geschichtliche Besonderheit gilt.)

Eric, glaub mir, unbekümmert bin ich als Deutsche ganz und gar nicht. Aber das dürfte dir auch nichts Neues sein.

Spannend wird es werden, wenn die USA endgültig ihre wirtschaftliche und politische Vormachtstellung verloren hat. Was wird dann mit diesem Land passieren, wenn die Menschen dort nicht mehr partizipieren können am allgemeinen Aufschwung, ganz einfach, weil es den so nicht mehr gibt? Was wird dann der Kitt dieser Gesellschaft sein, wenn Nationalstolz und wirtschaftliche Führungsstärke wegfallen? Learn to lose. Womit wir wieder beim Kampf angelangt wären. Sieger gibt es immer nur ganz wenige. Die große Mehrheit gehört faktisch zum anderen Teil, zu den Verlierern. Erst in der Schwäche offenbart sich das eigentliche Gesicht eines Menschen. Vielleicht auch das einer ganzen Gesellschaft. Vom Verlieren verstehen wir Deutschen möglicherweise ja einiges. Aber da bin ich mir nicht so sicher.

Lieber Eric, ich vermute da, trotz deiner ganzen Kampfesrhetorik und trotz, oder vielleicht gerade wegen, deines us-amerikanischen Bemühens um Realitätssinn, eine große Sehnsucht in deinem Herzen. Und diese ungestillte Sehnsucht macht gerade die deutsche Seelenbefindlichkeit so interessant für dich.

Ich habe beruflich viel mit Kranken und Sterbenden zu tun und aus meiner Erfahrung heraus kann ich dir sagen: am Ende bleibt nicht das, was Menschen erreicht haben. Am Ende bleibt das, was du geträumt und gehofft hast und gerade das, was du nicht geschafft hast. Denn das ist das, was dich ausmacht. Auch wenn’s vielleicht naiv klingt.

Was den Menschen ausmacht, sind seine Verluste, seine Verletzungen, seine Fehlschläge. Und darin liegt nichts Erschreckendes, sondern etwas sehr Echtes, sehr Erhabenes, auch wenn es nicht danach klingt. Ein Sieg ist ein Sieg und danach hetzt du weiter zum nächsten Ziel. Die Bewältigung des eigenen Scheiterns, die Akzeptanz des Unerreichten im eigenen Leben fordert den Menschen in einer ganz anderen Weise und macht ihn erst zu dem, was er ist, einem ganzen Menschen. Aber vielleicht ist dies wirklich eine sehr deutsche Betrachtungsweise, eine sehr deutsche Art, das Leben zu begreifen, eine, mit der Amerikaner erst umzugehen lernen müssen. Ich weiß es nicht. Vielleicht weißt du es ja.

Aus diesem Ganzen heraus möchte ich dir jetzt nur noch sagen: Lets make love, not struggle, denn Eric, Kampf macht ganz schön müde auf Dauer, nicht wahr? Und unsere Kraft brauchen wir doch fürs Feiern, nichts fürs Kämpfen, da, wo sie sinnvollerer Weise auch hingehört!

Und jetzt bist du wieder dran…



Dear Titta!

Tut mir Leid, dass ich so spät antworte – es war alles sehr hektisch hier. Ich hoffe, du bist noch da draußen!

Vielen Dank für Deine interessante und ausführliche Antwort, jedoch muss ich energisch widersprechen! Dein Text ist voller Dinge, die ich gern kommentieren würde (vor allem über Dein Vorschlag, das Patentrecht rückgängig zu machen, habe ich mir die Haare gerauft – als Autor lebe ich ja vom verwandten Urheberrecht, und die Idee, dass jeder hergelaufene Verlag mir nix dir nix meine Texte verwenden kann, ohne mir dafür Geld zu geben, ist der Alptraum jedes Autoren). Doch im Kern dreht sich Deine Antwort um ein seltsames deutsches Phänomen, das ich das "Nadowessische Syndrom" nenne.

Du kennst ja das Stockholm-Syndrom, wo der Geisel sich mit dem Geiselnehmer identifiziert. Ich bin sicher, du würdest dieses Verhalten nicht als gut, logisch oder gar erhaben bezeichnen. Das Nadowessische Syndrom bezeichnet das Phänomen, wo der Gescheiterte zum eigenen Nachteil sich mit dem Scheitern identifiziert und das eigene Scheitern auch noch verherrlicht, ja zum erstrebenswerten Ziel erklärt. Beide Syndrome zeigen verzweifelte Menschen, die es leichter finden, zum eigenen Nachteil zu handeln, als weiter zu kämpfen.

Deine Theorie von der Erhabenheit des Scheiterns ist nichts anders als das. Und diese Theorie ist in Deutschland übrigens nichts Neues. Im Gegenteil: Die Idee, das Scheitern der Seele Tiefe verleiht, hat ihre Wurzel in der deutschen Nationbildung von vor 200 Jahren. Die Liebe zum Scheitern kommt aus der Romantik und hat einen hohen Stellenwert im deutschen Selbstbild:

Nachdem Napoleon ohne nennenswerten Widerstand durch Deutschland durchmarschiert ist und die Deutschen in Handumdrehen erobert und gedemütigt hat, war der Scham groß. Daraus wuchs die Bestrebung nach nationaler Einheit – Deutschland war ja damals eine Sammlung von kleinen Territorien und man glaubte, wenn es ein einiges deutsches Reich gibt, wäre die Nation ebenso stark wie Frankeich und in der Lage, sich zu wehren. Der Kern des deutschen Nationalbewusstseins erwuchs aus dem Scheitern.

Hand in Hand mit dem Ruf nach nationaler Einheit ging die Bestrebung los, das eigene Scheitern als etwas grundsätzlich Erhabenes zu interpretieren, also zu romantisieren. Man reimte es sich so zusammen: Wir sind nur deswegen Verlierer, weil wir uns auf innere Werte konzentrieren anstatt auf äußere, oberflächliche Werte. Die Franzosen haben Macht, Kommerz, Erfolg, aber keine Seele – das haben nur wir. Wir Deutsche sind klein und hilflos, aber wir sind ehrlich, gut, tugendhaft und wahrhaft. Damals sprach man von Tugenden, heute spricht man von inneren Werten und von Moral.

Die Idee, dass der militärisch oder ökonomisch überlegene Staat keine echte Seele hat, wurde zuerst auf die überzivilisierten, scheinliebenden, hinterlistigen Franzosen gemünzt. Als man in der Romantik die Germanen wieder entdeckte, wurden eben sie zu den echten Seelenmenschen hochstilisiert: Die Germanen waren gegenüber Rom klein und hilflos, dafür aber treu, gut, ehrlich und freiheitsliebend; Rom dagegen war überzivilisiert, seelenlos und machtgierig. Heute wird das gleiche Muster auf die Amis übertragen: Wir Amis seien kommerzgiel, seelenlos, oberflächlich, unkultiviert und imperialistisch. Deine Sprüche von amerikanischer Machtpolitik sind nichts als ein Ausdruck des 200-Jahre-alten deutschen Nationalbewusstseins: "Wir Deutsche sind Opfer der internationalen Mächte, aber dafür sind die internationale Mächte moralisch fragwürdig – im Gegensatz zu uns." Der deutsche Anti-Amerikanismus heute ist nichts anders als ein verstecktes deutsches Patriotismus, der heute immer noch von den gleichen Feindbildern lebt, wie vor 200 Jahren.

In "Deutschland-Quiz" gehe ich der Frage nach, warum die Deutschen ausgerechnet in Indianer so vernarrt sind. Wir Amis identifizieren uns ja mit den Cowboys – mit den Gewinnern. Lange vor Karl May identifizierten sich die Deutschen mit den Indianern – also mit den Verlierern. Warum? Weil die Indianer als militärisch unterlegen, aber moralisch und spirituell überlegen gesehen werden – genau wie die Deutschen sich selbst gerne sehen. Schon Friedrich Schiller schrieb ein Gedicht, in dem er die aussterbenden Indianer genau auf dieser Weise beschrieb: als edle Opfer, die majestätisch dahin gehen, aber ihre inneren Werte nicht verraten haben. Schiller hat die Indianer als Proto-Gutmensch-Verlierer beschrieben. Sein Gedicht hieß "Die Nadowessische Totenklage."

Das Nadowessische Syndrom – man hat verloren und romantisiert jetzt das eigene Scheitern – ist genau das, was Du mit solchen Sätzen beschrieben hast: "Was den Menschen ausmacht, sind seine Verluste, seine Verletzungen, seine Fehlschläge. Und darin liegt nichts Erschreckendes, sondern etwas sehr Echtes, sehr Erhabenes, auch wenn es nicht danach klingt. Ein Sieg ist ein Sieg und danach hetzt du weiter zum nächsten Ziel. Die Bewältigung des eigenen Scheiterns, die Akzeptanz des Unerreichten im eigenen Leben fordert den Menschen in einer ganz anderen Weise und macht ihn erst zu dem, was er ist, einem ganzen Menschen."

Das hört sich alles toll an – Du benutzt ja auch tolle Worte wie "erhaben" und "ganzer Mensch" – doch als Autor weiß ich, dass tolle Worte gern und oft einen faulen Kern verschleiern. Jenseits von der romantischen Rhetorik stelle ich zwei harte Fragen: 1. Was hat der Verlierer davon, wenn er das Verlieren umarmt? Und 2. Was hat der Mitmensch davon, wenn der Verlierer das Verlieren romantisiert?

Es gibt ja ein Unterschied zwischen dem Verlierer, der weiterhin "kämpft", und dem Verlierer, der aufgibt und das Verlieren sogar verherrlicht. Keiner hat etwas gegen Verlierer insgesamt – jeder scheitert irgendwann bei irgendwas, das ist unvermeidlich. Es gibt eine etwas naive Neigung, die Welt in "Loser" und "Gewinnern" einzuteilen, aber in Wirklichkeit gibt es kaum "Gewinner", die nicht auch irgendwann verloren haben oder verlieren werden. (Dass das Verlieren ein wichtiger Teil des Lebens ist, darin stimme ich mit Dir überein. Aber dass das Scheitern irgendwie an sich gut ist oder besser ist als Erfolg – darin kann ich mit Dir nicht übereinstimmen.) Wir schauen diese strahlenden (und prahlenden) Gewinner-Helden an, wie die Sprüche von sich geben und die Weisheit mit Löffeln gefressen haben, und wir sehen nicht, dass sie auch immer wieder auf die Schnauze gefallen sind; sie tragen auch tiefe Wunden; sie haben auch Berieche im Leben, wo sie einfach gescheitert und unglücklich sind. Wir Amis wissen, dass Scheitern zum Erfolg gehört. Für jeden Du-schaffst-es-Gewinner-Spruch haben wir ebenso einen Verlierer-Spruch: "If at first you don't succeed, try, try again;" "Learn from your mistakes;" "pulling yourself up by your bootstraps," etc. Die Aufteilung der Welt in Gewinner und Verlierer ist Schwarz/Weiss-Denken und entspricht nicht der Realität.

Aber was ist mit dem Verlierer der, wie Du vorschlägst, das Verlieren als Sinn des Lebens sieht? Die Realität ist: Er trägt der Welt nichts bei. Du bist ja ein sozialer Mensch – hältst du es für sozial, wenn einer der Welt nichts gibt? Es liegt in der Natur des Scheiterns, dass man dadurch nicht nur weniger Geld und Ruhm hat, sondern weniger Selbstbewusstsein, weniger Stolz und weniger Achtung in der Gesellschaft (Mitleid ist nicht Respekt). Der Verlierer, der aufgibt, manövriert sich in die Bedeutungslosigkeit. Es hat vom Verlieren nichts, als eine Art Selbstrechtfertigung, und sein Mitmensch hat auch nichts davon, denn wer nichts hat, kann nichts geben. Weder Geld noch einen guten Rat. Es gibt gute Gründe, warum man einen Verlierer zwar bemitleidet, aber ihn nicht um Rat fragt.

Und da haben wir das Problem mit Deiner Theorie, dass das wahre Leben aus Scheitern besteht: Der Verlierer trägt selber zur Gesellschaft nichts bei, lebt aber von den Almosen des Gewinners. Es sind die Gewinner, die die Straßen und Schulen bauen, die die Schulbücher schreiben, die Krankheiten besiegen und Philosophien aufstellen. Es sind die Leute, die nie aufgeben und immer weiter "kämpfen", bis sie ihren Ziel erreichen, die die Gesellschaft aufbauen. Sie sind es auch, die letztendlich das Sozialsystem finanzieren.

Aber es sind nicht nur die paar Arbeitslosen, die von den Gewinnern leben: auch du und ich leben von ihnen. Als freiberuflicher Journalist kann ich keine Artikel verkaufen, wenn es keine Zeitungen gibt – die ja von Menschen aufgebaut worden sind, die vermutlich mehrmals gescheitert sind, bevor sie es geschafft haben, eine Zeitung erfolgreich aufzubauen. Ich kann kein Buch schrieben, wenn es nicht irgendwelche Buchhändler gibt, die kämpfen, um ihren Läden das Überleben zu sichern. Ich lebe von den Gewinnern dieser Welt und jeder "Verlierer" tut das auch.

Du hast geschrieben, Du bist in Deinem Traum gescheitert, Kinder zu haben. Das ist tragisch und traurig (das ist es wirklich), und das ist ein Schicksal, mit dem du "kämpfen" musst. Das macht dich aber nicht zum Vorbild. Das bedeutet nicht, dass alle Frauen auf Kinder verzichten müssen, weil es besser ist, zu "scheitern". Und wenn Du mal ein Kind adoptierst oder eine andere Erfüllung findest, wird es möglich sein, weil irgendjemanden vor Dir eine Agentur für Kinderadoption aufgebaut hat oder irgendwas getan hat, was Dir Dein Traum Nr. 2 ermöglicht.

Nun, ich habe nichts dagegen, wenn man sich selbst belmitleidet und schmollt. Aber Deutschland ist das fünf-reichste und fünf-mächtigste Land der Welt. Die Deutschen sind keine Opfer. Im Gegenteil, sie sind Gewinner. Auch Du, liebe Titta, hast mehr Privilegien als 95% Menschen auf der Welt. Auch wenn Du einige Niederschläge hinnehmen musstest, gehörst Du als Deutsche automatisch zu den Gewinnern dieser Welt. Du profitierst jeden Tag von den Gewinnern in Deutschland und von der Leistung, die sie bringen – das fing mit der Schule an, es geht über die öffentliche Straßen bis hin zu Sozialsystem, Arbeiterschutz und zu den billigen Preisen bei Aldi.

Nein, "Learn to lose" ist kein guter Satz. In einem Wohlfahrtstaat ist ein solcher Satz vielleicht cool, weil es die Werte der Eltern und des Mainstreams widerspricht, aber es ist nicht ehrlich. Wer von den Gewinnern profitiert, wie der durchschnittliche Deutsche das tut, soll es zugeben und soll auch ruhig Verantwortung für seine Privilegien übernehmen. Ein besserer Satz ist: "Learn to Give It Back – Lerne, zurück zu geben."

Ich freue mich auf Deine Erwiderung, wenn Du noch Lust hast! Und ich wünsche Dir ein wunderbares 2008 und möge Deine Träume in Erfüllung gehen –

Aloha, Eric