Lieben auch Indianer die Deutschen?


In meinem neuen Buch “Deutschland-Quiz” frage ich in einem Abschnitt, warum die Deutschen sich ausgerechnet so sehr in Indianer verliebt sind, und ob Indianer auch die Zuneigung erwidern. Darin behauptet einer in Deutschland lebender Indianer, dass er hier mehr Respekt bekommt als zu Hause in Kanada. Es war der einzige First Nations man, den ich finden konnte – also konnte ich seine Behauptung nicht durch eine zweite Stimme bestätigen – bis jetzt. Diese Woche schrieb mir die Leserin "AML" über ihre erste Begegnung mit Indianern:

Sehr geehrter Herr Hansen,

...Verrückterweise kann ich etwas zu Ihrem Kapitel über Indianer in Deutschland beitragen. Natürlich bin ich mit Karl May sozialisiert, aber habe meines Wissens nach leider erst einen ‘echten’ Indianer kennen gelernt. Ende der 60ger Jahre, ich war Studentin und zu Besuch bei meiner Tante in der Gegend von Aachen, traf ich bei ihr zuhause 2 junge Amerikaner. Es stellte sich heraus, daß sie Mitglieder einer Gruppe waren, die sich ‘ Sing Out 66′ nannte. Junge Menschen, die auf Tournee in Europa waren, wohl mit ihren Auftritte das positive Image der Amerikaner verbessern sollten ( was im Zuge des Vietnam-Krieges auch nötig war) und die bei Gastfamilien untergebracht waren. Bei meiner Tante wohnte für einige Tage nun zufällig der einzige Indianer der Gruppe, ein Nez Perce.

Mein Vetter und ich gingen mit den Beiden auf eine Studenten-Party, bei dem er natürlich durch sein ‘exotisches’ Aussehen ziemliches Aufsehen erregte. Ich habe mich ausführlich mit ihm unterhalten, allerdings nicht über Spiritualität, etwas was mich auch bei Indianern nicht sonderlich interessiert, aber über die Geschichte seines Volkes, das mir im Gegensatz zu Apachen und Sioux noch nicht so bekannt war. Ich erhielt einen kurzen Abriß über die versuchte Flucht der Nez Perce nach Kanada und Chief Joseph. Alles sehr faszinierend! Am nächsten Tage war dann die Vorstellung, bei der er in traditioneller Bekleidung ein Gedicht mit Hilfe der indianischen Zeichensprache interpretierte. Alle sahen gebannt zu.

Nachher erzählte er mir, daß wäre für ihn etwas ganz Neues und Faszinierendes. In Amerika würden sich die Zuschauer dabei unterhalten und essen. Das ein Publikum sich so in den Bann ziehen lassen würde, war für ihn kaum glaublich und eine sehr positive Erfahrung. Leider konnte ich meinen Plan, den Stamm zu besuchen und mehr von ihm zu erfahren, nie in die Tat umsetzen, aber ich hoffe, das er auch zu den Indianern zählt, die ihre Erfahrungen in Deutschland in guter Erinnerung haben.

Weiter viel Erfolg mit Ihren Büchern und alles Gute zum Neuen Jahr!

AML

Eric schreibt: Mit der E-Mail schickte mir AML das obige Foto des Indianers, das ihr Vetter aufgenommen hatte - Wow! Ich verstehe, wie sie als junges Mädchen beeindruckt werden konnte.

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