Thursday, October 06, 2011

Warum hat Deutschland kein Steve Jobs?

Warum hat Deutschland – das Land, das die MP3-Format entwickelte, die zur Grundlage von iTunes und iPod wurde - kein Steve Jobs?

Die Antwort: Steve Jobs machte weder Kultur noch Politik, sondern Produkte. In Deutschland werden Produkte als leicht schmutzig erachtet – kommerziell, nicht edel, wie Politik oder Kultur. Das ist der Grund, warum Deutschland immer ein wenig hinter Amerika (und Japan) bleibt: Die besten Hirne des Landes konzentrieren sich darauf, in Cafes rumzusitzen und Sprüche von sich zu geben, statt einen cooleren Computer zu entwickeln.

Dabei üben Produkte mehr kulturellen Einfluss auf unser Leben auf als jeder neue „Jahrhundertfaust“ in der Volksbühne.

Hier, während wir alle um einen Mann trauern, der die Probleme der Welt weder löste noch lösen wollte, sondern nur schickere Computer designen, was zum Lesen aus „Planet Germany“:

Produkte haben zwar auf beiden Seiten des Atlantiks praktisch genau die gleiche Bedeutung im Alltagsleben, doch hier- zulande werden sie nicht gefeiert. Ein Produkt zu ehren, auf ein Podest zu heben, ein kulturelles Werk nach ihm zu nennen – das wäre unter deutschem Niveau.

Warum wohl gibt es keinen deutschen Humphrey Bogart? Weil der Deutsche zwar raucht wie ein Schlot, die Zigarette selbst würde er jedoch nie in Szene setzen. Warum kann es nie einen deutschen Matrix geben? Weil ein deutscher Schauspieler zwar eine Sonnenbril- le tragen, aber sich nie von ihr die Schau stehlen lassen könnte. Kitschige Filme über friedliche Indianer oder Verbrecher im Londoner Nebel, ja. Klamauk mit Peter Alexander oder Heinz Erhardt, kein Problem. Eine Zeichentrickreihe über einen Motorrad fahrenden Säufer, der sich regelmäßig über- gibt? Klar doch. Aber ein lebendiges Auto? Verzeihung, wir sind eine Kulturnation.

Wir Amerikaner finden in Produkten Sinn. Wenn Bruce Springsteen in seinem verzweifelten Liebeslied Thunder Road seine ganze »Erlösung« von seinem Auto abhängig macht, meint er das ernst:

All the redemption I can offer, girl, is beneath this dirty hood. (Nur eine Erlösung habe ich zu bieten, Mädel, und die steckt unter dieser verdreckten Motorhaube.)

Die Deutschen akzeptieren zwar Bier, Brezeln und Bratwurst als nationale Symbole, doch nie würden sie à la Springsteen singen:

„Nur eine Erlösung habe ich zu bieten, Mädel, und die steckt in diesem leckeren Sieben-Minuten Pils.“

Wir können nichts dafür: Wir lieben Produkte einfach. Wir lieben es, wie sie verpackt sind, wie sie aussehen und was sie im Unterschied zu konkurrierenden Produkten alles können. Wir ahnen, wie viel irgendwer hineininvestiert hat, wir be- wundern, wie phantasievoll es vermarktet wurde, und hoffen, jemand ist damit reich geworden. Die Spartaner liebten den Krieg, die Phönizier liebten den Handel, wir lieben Produkte.

Ein Großteil unserer starken Wirtschaft verdanken wir eben dieser Tradition der Produktverehrung. Für uns sind Erfinder keine Tüftler oder Spinner, sondern gesegnete Menschen, beflügelt vom göttlichen Funken der Inspiration. Er- finden ist für uns ein kreativer Prozess. Der Erfinder in seiner Garage hat bei uns den gleichen Rang wie hier der Arme Poet in seiner Dachkammer in dem Gemälde von Spitzweg. Es gibt keinen Amerikaner, der nicht gerne die Post-Its, den Reißverschluss oder gar die Sicherheitsnadel erfunden hätte. Unsere Popkultur ist voller kleiner Liebeserklärungen an den Erfinder, von Daniel Düsentrieb bis hin zur Zurück in die Zukunft-Filmreihe.

Benjamin Franklin war einer unserer wichtigsten Gründungsväter. Er hat die Franzosen dazu überredet, uns im Krieg gegen England zu unterstützen, und ohne sie hätten wir vermutlich nicht gewonnen. Doch wen kümmert das? Ich gähne schon, während ich diese Zeilen schreibe. Wenn das Gespräch auf Benjamin Franklin kommt, wollen wir wissen, wie er die Elektrizität zähmte und den Blitzableiter erfand. Wir wollen die Geschichte hören, wie er, als seine Augen schlechter wurden, die bifokale Brille erfand. Oder wie er, zu einer Zeit, als man die Häuser noch mit offenen Kaminen heizte, die viel Holz verbrauchten, den äußerst effizienten eisernen Franklin-Ofen baute. Als Postmaster organisierte er noch dazu die Postlogistik zwischen den Kolonien, er etablierte die erste Feuerwehr, die erste Feuerversicherung und erfand noch vieles mehr. In der Zeichentrickserie Futurama ist die stolzeste Erfindung des verrückten Professor Farnsworth ein langer Stab, mit dem man den Fernseher vom Sessel aus bedienen kann. Dieser Witz ist eine kleine Hommage an Benjamin Franklin. Eine seiner letzten Erfindungen war ein Stab mit einem beweglichen Griff am Ende, damit er Bücher aus hohen Regalen holen konnte, ohne im Alter noch auf die Leiter steigen zu müssen. Der Tod hat es gerade noch geschafft, ihn zu holen, bevor er das Geheimnis der Unsterblichkeit entschlüsseln konnte.

Der ultimative amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison, auch »Zauberer von Menlo Park« genannt, hat 1093 Patente angemeldet: unter anderem ein Mikrophon, das man für Telefone einsetzen kann, den Phonograph, den 35-mm- Film, den Börsenkursanzeiger und, am allerwichtigsten, eine vermarktungsfähige Glühlampe. Nicht die Glühbirne selbst geht auf ihn zurück, sondern dieses ganz einfache Gewinde, mit dem selbst ein Kind sie in die Lampe schrauben konnte. Erst dadurch war sie serienreif und elektrisches Licht kam in jedes Haus. Ein paar Tage nach seinem Tod wurden zu seinen Ehren eine Minute lang alle Glühlampen in den USA gedimmt. Noch heute feiern wir den National Inventor’s Day an seinem Geburtstag.

Diese Menschen waren mehr als Erfinder. Sie waren Stars. Sie genossen eine gesellschaftliche Stellung, die ihnen erlaubte, die amerikanische Mentalität mitzuprägen. Sie waren Gesandte einer Erfinderphilosophie. Franklins Weisheiten werden seit Generationen bis zum Überdruss von amerikanischen Vätern wiederholt und von amerikanischen Söhnen gehasst: »Früh ins Bett und früh heraus macht dich gesund, reich und schlau.« Edisons Sprüche klingen noch nach in den Reden unserer Präsidenten: »Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration.« Wenn der Name Thomas Alva Edison erklingt, hören wir tief in uns eine leise Stimme, die uns zuflüstert: So soll ein Amerikaner sein.

… in Deutschland herrscht ein heimliches Verbot, Produkte und Erfinder auf ein Podest zu heben. Unser National Inventor’s Hall of Fame nennt 221 Erfinder, und jedes Jahr kommen neue hinzu. Die Erfindergalerie des Deutschen Patent- und Markenamtes nennt 17 Namen, und eine Erweiterung der Website ist nicht in Sicht. Wenn ich auf Amazon.de den Namen »Gottlieb Daimler« eintippe, bekomme ich 19 Buchtitel. Der Name »Henry Ford« bei Amazon.com bringt 791 Treffer und dazu den Verweis, dass weitere 23936 Titel über Thomas Edison zur Auswahl stehen. Als Amerikaner kann ich so was nur »neurotische Verdrängung der eigenen Konsumkultur« nennen und warnend darauf hinweisen, dass die Deutschen einen Preis dafür zahlen. Junge Menschen hierzulande, die ein Talent zum Erfinden oder Entwickeln von Produkten hätten, bekommen die deutliche Botschaft vermittelt: Produkte sind eure Liebe nicht wert.

Der neue DeutschCult: Grund zum Feiern


Das war wieder ein Fest!

Jedes Jahr am 3. Oktober füllt sich mein Herz mit Wärme, wenn ich mit ansehe, wie die Menschen hier in Deutschland mit Bannern, Trompeten und Blumen ausgelassen jubelnd auf die Straße gehen, um ihre geliebte Wiedervereinigung zu feiern. Es gibt nichts Schöneres, als jedes Jahr wieder den Tag zu feiern, an dem alle Träume der Deutschen endlich erfüllt wurden – und welcher Deutsche nimmt nicht die Gelegenheit wahr, an diesem Tag seine Freude laut und klar hinauszupreisen: Ja, wir sind dankbar! Ja, wir freuen uns! Ja, wir sind stolz, wieder ein Volk zu sein! Und ja, das lange Wochenende habe ich wirklich gebraucht!

Doch der denkende Mensch fragt sich dabei: Wird dies der letzte Höhepunkt der deutschen Geschichte sein? Hält die Zukunft noch weitere Tage zum Feiern für die Deutschen bereit?

Die Antwort ist schlicht und einfach: Ja.

Denn laut einer wissenschaftlich ausgearbeiteten Methode der Zukunftsdeutung – unter Berücksichtigung von historischer Analyse, futurologischer Hochrechnung und Kaffeesatzdeutung mit fair gehandelten Hochlandbohnen – kann ich schon jetzt zur Freude aller die wichtigsten deutschen Feiertage, die in den nächsten 100 Jahren dazukommen werden, bekannt geben:

23. Oktober, „Der Tag der volksmusikalischen Befreiung“. Seit diesem Tag ist das Hören oder Verbreiten von Volksmusik in Deutschland verboten, ebenso das Tragen von Abzeichen, die an den Gesamtbauchumfang der Kastelruther Spatzen erinnern, es sei denn, zu Bildungszwecken. Der Tag wird ausgerufen nach einem spontanen Aufstand des Volkes in 34 deutschen Städten ...

Mehr hier...

Saturday, October 01, 2011

Sarah Palin, Medienstar am Sinken?


Sarah Palins vielen Feinde haben sich gut gerüstet für den Kampf uns Weisse Haus. Sie hatten vier Jahre, um sich vorzubereiten, und nun ist es so weit:

Vor einer Woche ist ein Buch über sie erschienen in den nächsten Tagen kommt ein Doku.

Das Doku hisst „You Betcha“ (es bedeutet na klar und ist eine ihrer nervigen volkstümlichen Sprüche) ist vom Briten Nick Bloomfield (der auch „Kurt und Courtney“ gedreht hat) und wandelt auf den Spuren von Michael Moore: Er fährt nach Alaska, wird immer abserviert, rutscht im Schnee aus, tut ahnungslos, versucht, Sarah Palin bim Klopfen von dummen Spruechen zu erwischen, etc.

Hier der Trailer.

Das Buch, von Joe McGinniss, der zu Recherchenzweck bim Nachbarhaus von Palin in Alaska eingezogen ist, heisst „The Rogue“ („Die Gesetzlose“) (hier auf Amazon.com) und erzählt alles, was wir über sie hören wollen: Sie ist Koksnutzerin wenn nicht gar Koks abhängig, hat eine Affäre mit einem Basketball-Star und mit dem Geschäftspartner ihres Mannes hinter sich, und mehr... naja, viel mehr nicht, aber immerhin ist der Koks nicht wenig. Hier eine gute Kritik in der New York Times

Bis jetzt hat das Buch irgendwie niemanden vom Hocker gerissen. Ich weiss nicht, warum. Ihre vielen Feinde sollten sich darüber freuen, aber vielleicht kommt das Buch ein paar Monate zu spät: Keiner glaubt mehr, dass sie in den Wahlkampf einsteigt, und sie ist langweilig geworden.

Schade, der Mann hat wirklich einiges in sein Buch investiert. 

Thursday, September 29, 2011

Das echte Amerika

Amerika ist nicht Hollywood - nicht bei weitem. Während Hollywood eine Art Fantasieland Amerika ist, leben die echten Amerikaner irgendwo anders - zum Beispiel in Oklahoma.

Irgendein Klugscheißer - allerdings ein sehr witziger Klugscheisser - hat Hollywood-Gesichter auf den Körpern von echten Amerikanern aus Oklahoma gephotoshoppt, um zu zeigen, wie Hollywoodstars und andere Promis ("celebrities") aussehen würden, wenn sie echte Amerikaner wären.

Hier eine Auswahl:

Tom Cruise:
 Sharon Stone:
 Sarah Jessica Parker:
 Pamela Anderson:
 John Travolta:
 Johnny Depp:
 Jennifer Aniston:
 Die Beckhams:

Alle Bilder hier.

Tuesday, September 27, 2011

Kann Satire rassistisch sein?


Bizarre Aktion einer Gruppe junger Republikaner auf dem Campus von Berkeley in Kalifornien:
Sie gaben eine geplante „Bake Sale“ bekannt - den Verkauf von Kuchen, Cupcakes und anderen selbst gebackenen Leckereien – auf dem Campus, wobei sich die Preise der Süßigkeiten je nach Rasse des Käufers sich variieren würden:

$ 2 für Weisse
$ 1,50 für Asiaten
$ 1 für Latinos
$ 0,75 für Schwarze
$ 0,25 für Indianer
und ein $ 0,25 Rabatt für Frauen.

Es war Satire natürlich und als solche ist sie gelungen: Alle sind empört, alle reden darüber. (Hier die Story in der New York Times.) Es ist so sehr gelungen, dass diejenigen, die es veranstaltet haben, jetzt Angst haben und sich auch teilweise schämen. Dennoch wird die geplant Aktion scheinbar veranstaltet.

Es geht um „Affirmative Action“. Das ist eine Ansammlung von Gesetzen, die seit den 70ern dazu da sind, Minderheiten eine Chance zu geben, die sonst nur Weisse haben. Speziell wird in Kalifornien darüber diskutiert, ob die Zulassungspolitik an Universitäten geändert werden sollen, damit Minderheiten mit weniger gute Notendurchschnitt angenommen werden, nur damit es mehr Minderheiten auf dem Campus gibt.

Darum ging es in der Protestaktion der jungen Konservativen auf dem äußerst Minderheitenfreundlich, sehr linken Campus von Berkley.

Auf einer Weise haben sie auch Recht damit: Das ist schon eine Art der Diskriminierung („reverse discrimination“), weil Weisse, die sich angestrengt haben und gute Noten haben, benachteiligt werden zugunsten von Minderheiten, die weniger geleistet haben, nur aufgrund ihrer Hautfarbe. Das stinkt vielen weissen Konservativen.

Das ist aber Theorie. In Praxis geht „affirmative action“ nicht darum, Diskriminierung zu bekämpfen, sondern darum, Armut zu mindern:

Armut wird zu einem erheblichen Teil mit Rasse verbunden, und mit Bildung. Minderheiten kommen oft in eine Spirale, dass sie arm geboren werden und daher in die schlechten Schulen kommen und daher weniger gebildet werden und daher arm bleiben. „Affirmative action“ ist sicher eine Art „reverse discrimination“, man nimmt dies aber in Kauf, um Armut zu bekämpfen.

Nun die quälende Frage: Was hat Vorrang? Das theoretische Prinzip, „Diskriminierung jeder Art ist unmoralisch“, oder die praktische Überlegung, „Wie bekämpfe ich Armut?“

Meine Frage als Satiriker ist: Kann man die Leute für ihre satirische Fähigkeiten bewundern auch wenn man nicht mit ihrer Politik übereinstimmt?   

Sunday, September 25, 2011

Ist Reality-TV subversiv?


Ich muss gestehen, ich mag Reality-TV. 

Ich finde zum Beispiel Dieter Bohlen viel ehrlicher als Thomas Gottschalk.

Beide zeigen Freaks, doch während Bohlen zugibt, dass er Entertainment macht und sich auch nicht dafür entschuldigt, läuft „Wetten dass...?“ in einem Staatssender mit Kulturauftrag. Dazu kommt, dass „Wetten dass...?“ eine Werbeveranstaltung ist: die eingeladenen Promis machen ja Werbung für ihre neuesten Produkte, und die ZDF stellt sich da gern zu Verfügung. Bohlens' Shows sind da weniger verlogen.

Nun wurde eine sehr beleibte Casting-Show unter Protest in China abgesetzt, und man vermutet, dass es vor allem um eins geht: Die Zuschauer mussten in der Show wählen. Sie mussten genauso wie in DSDS ihre Stimme abgeben und ihren Lieblingsstar wählen. Das war der chinesischen Obrigkeit wohl zu viel Demokratie – man konnte sich ja daran gewöhnen.

Hier die Story in The Economist.

Das gefiel mir – oft kommt Änderung durch platte, unscheinbare Dinge und ich kann mit gut vorstellen, dass Reality-TV mehr Einfluss auf uns allen hat, als man vermutet.

Noch ein Beispiel: Man misst ja immer wieder die IQ der Menschen überall auf der Welt und Jahr fuer Jahr steigert sich das IQ und fast allen Ländern der Welt. Es hat etwas mit dem Fernsehen und mit den Medien zu tun: Man lernt da anders denken, die Dinge, die man sieht, anders kategorisieren, anders einschätzen, man sieht viel mehr Möglichkeiten als wenn man nur den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten würde.

Ich sprach mal mit einem Wissenschaftler darüber und er sagte, man hätte das auch in armen Gegenden in Brasilien gemacht, wo man wenig Schule hat, aber verrückt nach diesen dummen Telenovellas ist. Erstaunlicherweise hat man festgestellt, dass die allgemeine IQ nach Einführung der Telenovellas gestiegen ist.

Auch in Deutschland hat sich seit Einführung der Reality-TV einiges geändert. Ich weiss noch, wie ich in den 80igern zum ersten Mal eine „asoziale“ Familie kennen lernte. Ich hatte gedacht, sowas gibt es nicht in Deutschland. Dann kam Privatfernsehen mit Tutti Frutti und dann bald darauf die Nachmittags-Talkshows mit den ganzen ledigen Muettern die den Vater ihrer Kinder suchen, usw., und ich dachte: „Ah, deswegen hatte ich den Eindruck, sowas gibt es in Deutschland nicht: Das Staatsfernsehen hat sie vom Publikum ferngehalten.“

Erst mit Reality-TV hat man gesehen, dass auch Deutschland eine starke „Unterschicht“ hat. Das ist ein grosser Dienst an die Deutschen und hat Deutschland auch geändert.

Thursday, September 22, 2011

Jedes Land bekommt die Politiker, die es verdient

Gerade habe ich eine interessante Studie über das Verhalten des amerikanischen Wählers gesehen:

Einerseits werden Politiker der Demokraten, in deren Amtszeit staatliche Ausgaben sowie Steuer erhöht werden, oft wieder gewählt;

andererseits werden Politiker der Republikaner, in deren Amtszeit das gleiche passiert, nicht wieder gewählt werden.

Es scheint also, dass amerikanischen Wähler ganz klare Vorstellungen davon haben, wie die Politiker der jeweiligen Partei jeweils handeln sollen. Wenn das stimmt, dann kann man den Republikanern die Schuld für die gegenwärtige Misere in Washington nicht geben – sie tun nur das, was die Wähler erwarten.

Tuesday, September 20, 2011

Ein uralter Ritual


Ein Amerikaner kennt das – das uralte Ritual des “weak president/strong president”.

So funktioniert es:

Ein Kandidat erklärt im Wahlkampf seinen Wählern, das Problem mit Washington sei, dass jede Partei nur auf die eigene Vorteile schielt und nicht zusammen für das gemeinsame Wohl arbeitet. Washington muss seine Polarisierung überwinden, die verschiedenen Faktionen sollen ihre Arme zu einander ausstrecken – über den Gang hinweg, den sie trennt: “accross the aisle.”

Meist ist das ein Demokrat, der das sagt, aber nicht immer. Obama hat es gesagt, auch Reagan. Beide haben es auch erstaunlicherweise ernstgenommen (Bush hat es zum Beispiel nie ernst genommen).

Dann kommt das rüde Erwachen: Keiner hat die leistete Absicht, “über den Gang” hinweg zusammenzuarbeiten. Es sind ja Politiker, ja, was glauben Sie denn? Das ist mit Obama passiert (aber nicht mit Reagan – er konnte wunderlicherweise gut mit den Demokraten umgehen; er war ein Ausnahmetalent).

Man hat anfangs von Obama geglaubt, er könne die beiden Seiten zusammenbringen, Kompromisse erreichen,Gemeinsamkeiten hervorkehren. Er wohl auch. Das ist ihm nicht gelungen.

Dann kommt die nächste Phase: Die Wähler entscheiden sich, das wahre Problem mit Washington sei nicht, dass die beiden Seiten nicht zusammenarbeiten können, sondern, dass der Präsident schwach sei.

Die Amerikaner haben kaum keine grössere Angst als vor einem schwachen Präsidenten. Seit unserer Auseinandersetzung mit England 1776 hängt einen Menge unserer Erwartungen an einem Präsidenten mit “Stärke” zusammen – er soll stark genug war, seinen Feinden den Stirn zu bieten. “A weak president” - stellen Sie sich vor, Jürgen Fliege statt Sylvester Stallone in der Rolle von Rambo.

Das ist mit Carter passiert. Zum Beweis, dass er nicht schwach war, schickte er eine Rettungsteam per Helikopter nach Iran, um die Geiseln mit Gewalt zu befreien. Die Hubschrauber stürzten ab. Aus war mit Carter.

Jetzt versucht Obama, den harten Mann zu markieren. Er hat damit gedroht, wenn Kongress einen höheren Steuersatz für Reiche genehmigt, wird er bei jedem anderen Kompromiss ein Veto einlegen.

Es wird Zeit. Vielleicht aber auch zu spät. Ihm hängt schon das Aura des Jürgen Fliege an. Und die Republikaner sind wie Hyänen – sie riechen den verwundeten Antilopen.

Und sie haben eine Menge Ausdauer.

Thursday, September 15, 2011

Celebrating Nuts

Jedes Jahr feiert das Guinness Buch der Weltrekorde Menschen, die Außergewöhnliches leisten...  in Wahrheit ist es natürlich eine gut gelaunte Freak Show, irgendwo zwischen X-Faktor und Wetten Dass...?, aber ich mag es.

Ich mag es, weil es schön ist, ganz normale Menschen die eine Spleen haben mal ins Rampenlicht zu lassen, wo meistens nur irgendwelche aufgeblasene Wichtigtuer sind - wie unsere Politiker und diejenigen, die über sie berichten.

Hier mein persönlicher Best of:

Die längste Zunge!

Die schnellste Heiratskapelle!

Die kürzeste Katze!

Die meisten Hunde, die Seilspringen!

Die groesste Schokoriegel

Die meisten Kühe!


Und zuletzt auch eine Deutsche: Die meisten Plüschpinguine!

Sarah Palin ... klug, links und auch noch hübsch!


Wer hätte das gedacht? Sarah Palin nicht nur doch intelligent, sondern ... links?

In Amerika wie auch in Europa ist es natürlich Brauch, Sarah Palin als dumm zu verschreien und, wenn man in den Zeitungen über die berichtet, entweder von ihren dummen Fehlern oder von ihrer extrem rechten (also auch dummen) Ideologie.

Also ist es mehr als ungewöhnlich, wenn jemand laut sagt, dass sie doch ein oder zwei gute Ideen hat. Es ist sogar gefährlich – für den Ruf.

Ein New York Times Kolumnist hat es gewagt: Anand Giridharadas hat sich gefragt, was Sarah Palin denn eigentlich sagt, und hat eine Rede von ihr genau angeschaut. Er war überrascht, einige nicht nur intelligente, sondern auch noch ungewöhnlich linke Ideen da zu finden.

Palin hat nicht nur die linken Demokraten durch den Kakao gezogen, sondern auch die Republikaner – ihre Kritik galt nicht nur linke Ideen, sondern „Profi-Politiker“ insgesamt. Diese stecken mit der Wirtschaft unter einer Decke, sind Sklaven der Lobbyisten und bereichern sich nur selbst, statt den kleinen Mann zu vertreten. Sie preiste den amerikanischen Kapitalismus an, aber nur den der kleinen Betrieben, die noch voller Menschen mit Ideen, Innovation und Herzblut stecken, und verteufelte die grossen Firmen, die Amerika kaputt machen und wahre Fortschritt verhindern, weil das nicht in ihre Interesse ist.

All das kam auch mir bekannt vor: Das ist Kapitalismuskritik wie es die linken Kommentatoren in Deutschland pflegen. Mein Gott, Sarah Palin ist eine Linke!

Das kann man auch von der Tea Party insgesamt sagen. Es herrscht vor allem in Deutschland aber auch in Amerika einige Irrtümer über die Tea Party, vor allem, dass sie extrem rechts steht. Das stimmt nicht ganz – die ist extrem liberal im ursprünglichen Sinne: 

Sie misstraut der Regierung und will Washington reformieren. 

Sie schafft es natürlich nicht, und Sarah Palin (die auf dieser Weise ihre Unerfahrenheit zum Vorteil machen will, wie sehr viele Politiker – auch Obama – es vor ihr getan haben) erst recht nicht, aber das ist eine ur-amerikanische Einstellung und gar nicht falsch. 

Naja, es ist schon möglich, Washington zu reformieren - in Hollywood-Filmen wie "Dave".

Sunday, September 11, 2011

Saturday, September 10, 2011

Ziegenhoden für das Volk!


Einer der größten Quacksalber in der langen und ehrwürdigen Geschichte amerikanischer Betrüger war John R. Brinkley (1885 - 1942).

Nachdem er sein Medizinstudium nicht zu Ende machten durfte, dachte er sich: "Jetzt komme ich erst jetzt ganz gross raus". Er verband wilde, bizarre anti-medizinische Behauptungen mit einer perfekten PR-Kampagne: Er hatte seinen eigene Radioshow, in der er medizinischen Rat verteilte, den er in dem Moment erfand, als leidende Menschen anriefen. Dies expandierte er auch noch, bis er eine eigenen Sender hatte und so beliebt wurde, dass er für das Amt des Gouverneurs kandidieren konnte - er hat zwar nicht gewonnen, aber es war knapp.

Medizinisch war sein Größter Coup die Heilung von impotenten Männern, von denen es scheinbar eine Menge in Kansas gab. Seine bahnbrechende Methode? Er nähte Ziegenbockhoden in den Hodensack des Mannes ein, der ab sofort selbst wahrhaftig zum geilen Bock wurde.

 Medizinisch war der Eingriff gar nicht so gefährlich - er legte die Ziegenhoden einfach rein und nähte den Sack wieder zu, woraufhin der Körper den Fremdkörper einfach absorbierte und sonst weiter wie normal. Seine Patienten sind nicht deswegen gestorben, sondern weil er über die Kunst der OP nichts wusste und hin und wieder gravierende Kunstfehler machte.

Trotz einigen Klagen konnte er deswegen weiter machen, weil die Frau einer seiner ersten Patienten unerwarteterweise schwanger wurde und dies der ganzen Welt mitteilte. Ab dann war es den leidenden Männern von Kansas egal, wie unsinnig und gefährlich der Eingriff war, sie strömten zum OP-Saal hin.

Sein Fall kam nicht durch die Polizei oder durch die Gesundheitsbehörden, sondern, weil er einen Journalisten wegen Verleumdung anklagte. Der Journalist hatte behauptet, Brinkley sei ein Betrüger. In Amerika darf man das und es ist keine Verleumdung, es sei denn, es stimmt nicht, was man sagt.

Konnte der Journalist vor Gericht beweisen, dass Brinkley tatsächlich ein Quack war, war es keine Verleumdung vor den Gesetz. So gesehen war es für Brinkley schon gewagt, gegen den Journalisten vor Gericht zu ziehen.

Er hätte es lieber sein lassen. Denn das Gericht sah es dann doch als erwiesen an, dass der Journalist recht hatte. Das zog eine ganze Reihe von Anklagen gegen Brinkley hinter sich und innerhalb weniger Jahren war der reiche, berühmte und beliebte Hochstapler finanziell ruiniert.

Trotzdem: Ziegenbockhoden in Hunderte, vielleicht Tausenden Männern aus Kansas eingenäht zu haben, das ist auch eine Leistung, auf die man stolz sein kann.

Die Todesstrafe als Klassenkampf?


Spiegel-Online hat einen wie üblich schockierenden Bericht über Präsidentschaftskandidat Rick Perry veröffentlicht, der eine Anekdote wiedergibt: Perry sei in einem live-Interview gefragt worden, warum er denn auf die Todesstrafe stehe. Seine Antwort: „Weil Amerikaner wissen, was Gerechtigkeit ist.“ Im Saal wurde gejubelt.

 Die meisten Deutschen würden darauf nur sagen: Das sind alles Barbaren, die Amis. Und viele Amis würden es auch sagen. (Es stimmt übrigens auch, dass ist ab er ein anderes Thema).

Genau dieses Thema – Todesstrafe – recherchiere ich gerade für das neue Buch und immer mehr glaube ich, dass wir alle – Deutsche sowie Amis – etwas grundsätzlich falsch verstanden haben. Es geht bei der Frage „Todesstrafe oder kein Todesstrafe“ nicht nur um Moral – ob es richtig oder falsch ist – sondern um eine Art Klassenkampf ... auf amerikanisch.

 Ich muss zwar die Statistiken noch einmal angucken, aber im Moment sieht es so aus, dass die meisten Menschen, die den Todesstrafe befürworten, zu den unteren Schichten – relativ wenig Verdienst, und wenig Uni-Bildung. Zufällig ist das auch der Schicht von Menschen, wo die meisten Morde und andere Gewalttaten passieren. Mit anderen Worten, es sind die gebildeten, gut verdienenden Mittel- und oberen Klassen, die den unteren Klassen sagen, was richtig und falsch ist, und wie man mit Mördern in ihren eigenen Reihen umgehen soll.

(Deswegen sind die Linken immer gegen die Todesstrafe, und die Rechten dafür – linke Wähler gehören eher zu den gebildeten Schichten, rechte Wähler eher zu den unteren Schichten.)

 Jedes mal, dass ein Demokrat etwas gegen die Todesstrafe sagt, hat ein Automechaniker in Texas oder ein Busfahrer in Kentucky sofort das Gefühl, dass irgendein Arschloch ihm wieder mal bevormunden will. Und er hat ja damit recht.

Wenn jemand jemals wirklich etwas gegen die Todesstrafe in Amerika tun will, muss er eine Weg finden, es aus den unteren Schichten heraus zu tun, und nicht von oben herab. Das ist zum Scheitern verdammt.

Friday, September 09, 2011

Religion und 9/11

Das Feier zum 10-jährigen Gedenktag von 9/11 in New York steht fest und von den ganzen Leuten die auftreten und was sagen werden, fehlen welche: Die Prediger. Vor allem die Baptisten und Christian Konservatives sind empört, dass keine religiöse Führer eingeladen wurden. Keiner weiss wirklich, warum das so ist - die Entscheidung kommt von Bloomberg selbst. Mindestens offiziell weiss keiner.

In Wahrheit ist es klar: Wenn man christliche Prediger einlädt, muss man auch Führer anderer religiösen Gemeinschaften einladen - einschliesslich Muslimen. Ein Imam, der in Ground Zero 10 Jahre nach 9/11 betet? Das möchte ich sehen.

Story in New York Times here.

Thursday, September 08, 2011

RepublicanWatch: Wer ist besser für Deutschland?


Im Moment sieht es auf der Republican-Seite so aus, dass der nächste Präsidentschaftskandidat entweder Gouverneur Rick Perry aus Texas (der Nachfolger dort von George W. Bush) oder ehemalige Gouverneur Mitt Romney aus Massachusetts sein wird. Das wird sich bis Februar sicher ändern.

Allerdings darf man schon jetzt die Frage stellen: Wenn der nächste Präsident ein Republican sein wird, wer ist besser aus deutscher Sicht: Romney oder Perry? Beide sind Konservativen – Perry steht der Tea Party nahe, auch wenn er nicht direkt drin steckt, und Romney ist Mormone. Beide haben auf gute Haare und einen starken Kinn.

 Trotzdem muss man aus deutscher Sicht Romney bevorzugen.
Zwar ist er ein self-made Millionär, was ihn für Deutsche suspekt macht (im Amerika aber heisst das, er kenne sich in der Wirtschaft aus und genau so jemanden brauchen wir), aber als Gouverneur von Massachusetts hat er schon vor Obama ein Gesundheitsreform mehr oder weniger nach deutschem Vorbild dort eingeführt. Das wird ihm einige Stimmen aus republikanischen Lage kosten, es macht ihn aber für die Linken in America sympathisch.

 Kann gut sein, dass Romney der erste mormonische Präsidentschaftskandidat wird.

Monday, September 05, 2011

Der Grund, warum viele Amerikaner die Todesstrafe doch ganz gut finden


Mississippi ist immer noch Mississippi - dieses Video wurde August von CNN gedreht über eine Gruppe von Teens in Jackson, Mississippi, die fünf Uhr morgens eine Schwarzen anfielen und töteten. Inzwischen scheint es klar, dass sie es getan haben und zwar als "hate crime" also aus Rassismus, und werden dementsprechend angeklagt.

Hier mehr in New York Times.

The Black Widow schlägt wieder zu!


Fuer diejenigen, die skurrile Wettbewerbe lieben, ist Sonya Thomas ein Phänomen: die koreanisch-Amerikanerin ist Amerikas Nummer 5 Esswettbewerbsiegerin - immer wieder schlägt die kleine Dame gestandenen Männer in Sachen schnell/viel Essen. Nun hat sie es geschafft, in Buffalo 183 Chicen Wings in nur 12 Minuten zu vertilgen. Davor hat sie es geschafft, in diversen Wettbewerben mehr Hotdogs, mehr "bratwursts", mehr Truthahn, mehr Waffeln und mehr Früchtebrote als die männlichen Champions zu verschlingen. (Man nennt sie "schwarze Witwe", weil sie die Männer - Wettbewerbsessen ist traditionell Männersport - Regelmäßig schlägt.)

Man würde vermuten, dass ein Mensch, der so schnell so viel essen kann, fett ist, stimmt aber nicht: Ihr kleiner Wuchs (sie wiegt gerade 45 Kilo) ist ein Vorteil, denn ihr Bauch kann leichter expandieren, weil der Schicht Fett fehlt, der den Bauch in anderen Menschen am Expandieren hindert.

So ein Wettbewerb ist schon merkwürdig, aber nicht unbedingt ungesund: Um zu gewinnen, hält sich Sonya Thomas fit. Ausser in den Wettbewerben isst sie kein Junkfood; sie steht fünf Tage die Woche jeweils 2 Stunden auf der Tretmühle und isst vorwiegend Gemüse - sehr viel davon, um ihren Bauch schön flexible zu halten.

Sunday, September 04, 2011

Obamawatch: Wie stehen die Aktien?


Das Feld der republikanischen Kandidaten wird immer klarer. Für die meisten Beobachter geht es im Moment um

- Rick Perry (Gouverneur aus Texas),

- Mitt Romney (ehemaliger Gouverneur aus Massachusetts) und

- Michele Bachmann (Tea Party-Mitglied und Kongressmitglied aus Minnesota).

Dass es unter diesen Dreiern ernst wird sieht man daran, dass sie aufgehört haben, auf Obama einzuhauen und angefangen haben, aufeinander einzudreschen: Warum der jeweils andere niemals in der Lage wäre, die Wahl zu gewinnen, etc.

Dies hört sich schlimm an, ist aber richtig: Denn bis Februar müssen die Republikaner entscheiden, welcher der Kandidaten sie endgültig ins Rennen schicken. Sie wählen natürlich den aus, bei dem sie vermuten, er oder sie hätte die besten Chancen gegen Obama. Das wird Spass machen, denn in den nächsten Monaten werden wir alles zu hören bekommen, was diese Kandidaten jemals im Leben falsch gemacht haben. Ich freue mich rauf.

Allerdings ist Obama im Moment sein schlimmster Feind. Letzte Woche hat er es fertig gebracht, eine wichtige Umweltinitiative zu stoppen und die Umweltpolitik von George W. Bush zu bestätigen, obwohl er eigentlich versprochen hatte, dies rückgängig zu machen. Vielen Anhänger sind enttäuscht, und immer mehr sieht er ganz einfach nach einem gutaussehenden aber wirkungslosen Präsidenten aus.

Saturday, September 03, 2011

Realität ahmt wieder mal Kunst nach

Wer die geniale Serie "Breaking Bad" nicht kennt, sollte es kennen lernen. Handelt von einem Loser-Chemielehrer, der anfängt, Meth zu kochen und zu verkaufen.

Nun kommt es heraus, dass es das auch tatsächlich gibt - ein real-life-Breaking Bad: Ein Professor in California wird jetzt gesucht, der Meth verkauft und auch noch einer illegalen Motorradgang bevorsteht. Nur in Amerika!

Hier der Artikel in New York times.

Hier Breaking Bad auf YouTube:

Wednesday, August 31, 2011

Was Amerika gross macht


Nur in Amerika wird ernsthaft über in grosse Zeitungen über größe Veränderungen im Comic Book-Markt berichtet (hier)... und Comicbooks werden als "Kultur" bezeichnet. Bravo.

Wednesday, August 24, 2011

Obama in Urlaub

Obama und seine Familie machen Urlaub auf Martha's Vineyard, der Insel fuer Reiche, und was macht der mächtigste Mann der Welt auf einer Insel fuer Reichen im Urlaub? Er liest Krimis natürlich.

The New Yorker hat davon berichtet, welche Bücher er mit ins Urlaub mitgenommen hat, und ganz hoch auf der Liste steht die Krimi-Trilogie „The Bayou Trilogy“ von dem Daniel Woodrell der „Winter's Bone“ geschrieben, hat, das letztes Jahr zu einem sehr guten Film gemacht wurde. Woodward schreibt über den Sçden und oft über White Trash – unseren weissen Asozialen, wenn ich eine deutschen Begriff verwenden darf.

Die ganze Liste und ein paar sarkastische Bemerkungen über die rustikal durchgestylten Buchhandlungen auf Martha's Vineyard hier.

Thursday, August 18, 2011

Ich vermisse Sarah Palin schon jetzt

Es war schon ein Schock, als in den republikanischen Testwahlen letzte Woche Sarah Palin nicht dabei war. Die einzige Tea Party-Vertreterin im Kampf um das Präsidentenamt war Michele Bachmann.

Nun sieht es noch schlechter aus für die Tea Party: Sie scheinen – wenn man Umfragen trauen kann - immer mehr an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Nicht, dass sie jemals viel Glaubwürdigkeit besaßen. Sie sind nach wie vor das, was die Deutschen ein „Protestpartei“ sind. Aber laut Umfragen (mehr hier) fanden in April 2010 21% aller Amerikaner die Tea Party gut und 18% schlecht. In diesem Monat, nach dem Kampf um den Staatsetat und nach der Iowa-Testwahl, finden zwar immer noch 20% der Wähler die Tea Party gut, aber 40% finden sie schlecht.

Die Republikaner werden bis Februar entscheiden, welchen Kandidaten sie gegen Obama aufstellen. Da vermute ich stark, dass sie eine Tea Party-Kandidatin, sie sie Palin oder Bachmann, doch nicht haben wollen.

Irgendwie schade. Ich hatte mich schon auf den Zirkus gefreut.

Wednesday, August 17, 2011

Rick Perry's Wort in Gottes Ohr


Ich warte immer wieder und hoffe immer weiter, dass mein Volk zu Vernunft kommt, und bin immer wieder enttäuscht.

Texas Gouverneur Rick Perry folgt nun in den Fussstapfen von seinem Vorgänger George W. Bush hat bekannt gegeben, dass er für die Republikaner als Präsidentschaftskandidat zu Verfugung steht und hat die Ankündigung mit einem öffentlichen Gebet begleitet, in dem er für die Wirtschaft gebetet hat.

Für die Wirtschaft war das Gebet genauso nützlich wie ein indianischer Regentanz, das ist klar. Was mit unklar bleibt ist, warum es politisch vorteilhaft war: Warum gibt es noch Menschen in den USA die auf solche dumme Streiche hereinfallen?

Es ist schmerzhaft für mich dass es genügend solcher Leute gibt, dass es politischen Sinn macht, so was zu tun. Und auf der Suche nach Erklärungen kann ich mir nur sagen: In Zeiten der Krise, und besonders dann, wenn die Krise unerklärlich und mit normalen Mitteln unüberwindbar scheint, wendet man sich verstärkt übernatürlichen Kräften zu.

Fuer mich ist Amerika ein Land, das sich dadurch auszeichnet. Dass er die Probleme rational und praktisch anpackt. Dass manche Amerikaner offenbar nicht dazu in der Lage sind, macht mir Sorgen.

Andererseits, wenn Rick Perry die Wahl in November 2012 gewinnt und am nächsten Tag die Wirtschaft sich auf wundersame Weise plötzlich erholt, fange ich an, wieder in die Kirche zu gehen.

Sehnsucht nach Untergang

Was habt ihr Deutschen nur dem „Ende der Welt“?

Freunde von mir diskutieren gerade auf Facebook die weltweite Wirtschaftskrise, die amerikanische Politik des gegenseitigen Ausbremsens und die Randale in London. Fazit: „Das System ist am Wende.“

Jedes Mal, dass etwas Außergewöhnliches passiert, ruft der Spiegel das Ende von irgendwas aus: Das Ende des Kapitalismus, das Ende des amerikanischen Zeitalters, etc. Es ist immer Götterdämmerung in Deutschland. Bei der geringsten Anlass wollen die Deutschland das „System“ verschrotten und ein nagelneues System ausrufen – den sie, wie ein Auto, natürlich am besten bauen können. (Wo die perfekten Systeme der Deutschen hinführen, wissen wir ja schon. Autobauer, bleibt bei euren Autos.)

Es kommt mir vor, dass die Deutschen das Ende der Welt – irgendeinen großen dramatischen Knall, der die Welt von uns nervigen verwirrten systemunfähigen Menschen ein für allemal säubert.

Wie Goldfischen mit einem Gedächtnis von etwa drei Minuten vergessen sie, dass sie das Ende des Systems schon mal ausgerufen haben – und zwar alle paar Jahre – ohne, dass das Ende eingetreten ist. Amerikanische Haushaltsbankrott hat es schon mal gegeben; polemisierte Verrückte wie die Tea Party auch; Randale gibt es alle paar Jahre, Gefahr Durch Terroristen von innen und Außen ist auch nichts neues, und das die Griechen bankrott sind – die Deutschen haben schon mal ein größeres Land, die DDR, aus dem Bankrott herausgeholfen, und dabei kaum geblinzelt.

Das System is nicht am Ende. Der demokratisch/kapitalistische Westen ist das stabilste „System“, das jemals jenseits der militärisch/theokratische Diktatur im Still vom alten Ägypten erfunden wurde.

Diese kindische Herumquengelei steht erwachsenen Menschen nicht.

Saturday, May 07, 2011

Kill Mission mit Herz

Neu auf DeutschCult!

Noch hallen die tödlichen Schüsse in unseren Köpfen, noch sind wir vom aufsteigenden Rauch des zerstörten Hubschraubers berauscht. Doch schon bald werden die schrecklichen Bilder der vergangenen Tage in Vergessenheit geraten, sie werden Teil einer Melange an verschwommenen Gefühlen und Details, die sich nicht mehr zuordnen lassen.

Doch bevor dies passiert – bevor der menschenunwürdige Anschlag auf einen harmlosen, pensionierten Couch Potato in einem pakistanischen Vorort zu einer blassen Erinnerung unter vielen schwindet, lassen wir uns aus diesen dramatischen Ereignissen eine Lehre ziehen.

Denn es gibt eine Frage, die wir uns stellen müssen – ja, die sich das gesamte deutsche Volk stellen muss: Warum sind alle Augen in diesem Augenblick auf Amerika gerichtet? Bei uns ist es doch auch schön!

Glauben Sie, wir hätten keine sensationellen Geschichten zu erzählen? Keine atemberaubenden Terroristenanschläge, keine gefährlichen Kill Missions?

Denken wir nur an das Abenteuer in Düsseldorf am Freitag vor dem dubiosen Überfall in Pakistan. Unser Terroristendrama war nicht nur in vielerlei Hinsicht spannender, es war drei Tage früher! Vergleichen wir doch die Ereignisse, und fragen Sie sich dabei: Wo ist es spannender? In der großen weite Welt da draußen oder doch bei uns zu Hause?

-In Pakistan geschah der Zugriff unerwartet mitten in der Nacht – der Terroristenführer im Ruhestand hatte nicht mal Zeit für ein Tässchen Kaffee. In Düsseldorf fand der Angriff unerwartet in den frühen Morgenstunden statt, nachdem die Terroristen gemütlich gefrühstückt hatten.

Ist eine Konfrontation mit Terroristen nicht viel aufregender, wenn die Ganoven mit einem anständigen Frühstück für den Kampf gestärkt sind?

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Wednesday, April 13, 2011

Deutschland, Deutschland, Komm nach Hause

Neu auf DeutschCult!

Deutschland, du bist wieder da! Ich freue mich so!

Ach, wie hab ich dich vermisst. Die letzten Wochen hast du so abwesend gewirkt, du warst so ganz und gar nicht du selbst. Ich dachte schon: Wenn das so weitergeht, muss ich raus hier, nur weg. Wirst du jemals wieder zu dem Land werden, in das ich mich verliebt habe?

Doch jetzt bist du wieder da, und ich freue mich einfach.

Der Schreck begann, als Angela Merkel begann, Atomkraftwerke abzuschalten. „Mein Gott!“, dachte ich, als es mir kalt über den Rücken lief, „Deutschland, sag bloß nicht, du würdest so weit gehen, einmal tatsächlich das tun, wovon du sonst immer nur redest! Was ist nur in dich gefahren!?“

Ich sehnte mich nach den guten alten Tagen, als noch Schröder und Fischer an der Macht waren. Damals war klar, dass das Land mit dem angedrohten Atomausstieg niemals ernst machen würde. Vor allem die Grünen würden sich damit ins eigene Bein schießen – vermutlich mit einem sonnenenergie­betriebenen Gewehr. Sollte eine grüne Regierung mit dem Atomausstieg tatsächlich Erfolg haben, gäbe es ja gar keinen Grund mehr, sie zu wählen.

So war ich gar nicht überrascht, als Rot/Grün beschloss, den Ausstieg um ein paar Jahre zu verschieben und sich danach schleunigst aus dem Amt wählen ließ aus lauter Schiss, sie müssten irgendwann auch eine echte Entscheidung treffen. Wieder mal knapp entkommen!

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Monday, April 11, 2011

Sexwitze und Alarmismusnostalgie in der Distel


Mein neuer Artikel in der Berliner Morgenpost:

Lieblingsbegriff "Verblödung"

Das Problem mit den Deutschen ist nicht, dass sie keinen Humor haben. Das Problem ist, dass sie zu viel Humor haben. Es gibt niemand, der nicht in der Lage ist, spontan einen Witz über Guido Westerwelle zu reißen.

Jeder, der jemals einen Stammtisch besucht hat, kann eine gesellige Runde zum Schmunzeln bringen, indem er die Kanzlerin Merkel "Angie" nennt und damit seine schnoddrige Respektlosigkeit beweist.

Das hört sich toll an, ist aber nicht, denn es macht Deutschland zu einem besonders schweren Pflaster für politische Kabarettisten: Egal, welche Witze man auf die Bühne bringt, es werden Witze sein, die der Zuschauer schon letzte Woche selber am Stammtisch gebracht hat.

Hochzeitsnacht als One-Night-Stand

Nehmen wir das neue Hochglanz-Programm von der Distel, das vorgestern vor ausverkauftem Haus Premiere hatte: "Blonde Republik Deutschland". Die Distel sowie ihr künstlerischer Leiter Martin Maier-Bode, der auch beim neuen Stück als Autor und Regisseur fungiert hat, gehören zum Besten, was politisches Kabarett in Deutschland zu bieten hat. So ist es Ehrensache, dass er nicht einfach lauter alte Blondinnenwitze aus den 90ern ausgräbt und basta - nein, er verpackt sie in Form ...

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Friday, April 01, 2011

Warum ich Deutschland liebe Nr. 354 und 366

Nr. 354: Gebetsmaschine!Geniale Idee. Warum ist mir das nicht eingefallen? Möglicherweise von dem Zelazny-Roman "Lord of Light geklaut, aber man muss so was erst malhttp://www.blogger.com/img/blank.gif bauen. Oder wie der berühmter amerikanischer Spekulant mal gesagt hat, "Build it, and they will pray." Spiegel Artikel hier.

Nr. 356: Food Hotel! Jedes Zimmer eine Abteilung im Supermarkt. Prinzenrollen-Kissen! Wer kommt auf so eine Idee? Jemand, der Lebensmittel liebt! Edeka ist auch dabei. Irgendwo zwischen Fetischismus und Product Placement. Ich würde da schlafen. Bilder auf der Website: Hier das Hotel in Neuwied.

Wednesday, March 30, 2011

DeutschCult: Ich probe den Rücktritt

Sehr geehrter Damen und Herren der Culturmag.de-Redaktion,

hiermit möchte ich mit sofortiger Wirkung meinen Rücktritt als „DeutschCult“-Kolumnist einreichen.

Ich bedauere diesen Schritt und entschuldige mich dafür, dass er so überraschend passiert, zumal Sie vermutlich nicht wissen, dass ich auf Ihrer Website überhaupt eine Kolumne veröffentliche. Dennoch möchte ich meine Gründe darlegen.

Sie müssen wissen: Seitdem ich auf der Welt bin, sind sämtliche wichtigen Trends an mir vorbeigezogen.

Ich konnte nicht mal Furzgeräusche mit der Achselhöhle machen, als ich in dem Alter war, in dem gesellschaftliche Akzeptanz von dieser Fähigkeit abhing. Jetzt kann ich es, nur leider kommt es nicht mehr so gut an.

Ich war zu arm, um Yuppie zu sein und zu reich für einen Prekarier. Ich gehöre zu den wenigen Menschen auf der Welt, die an einem FKK-Stand gebeten wurden, sich anzuziehen. Mein Tamagotchi heult den ganzen Tag. In Leggings sehe ich sehr schlecht aus, und Gisele Bündchen hat mir persönlich verboten, ihre Flipflops zu tragen.

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Tuesday, March 29, 2011

Das neue Buch: Forbetter Your English!

Mein neues Buch über das schwierige Vorhaben, als Deutsche die schwierige, völlig unlogische, in den ungeeignetesten Momenten widersprüchliche schreckliche englische Sprache zu lernen... ab Mai im Handel!

Chronik einer deutschen Teilhirnschmelze

DeutschCult: Die neue Kolumne auf CultUrMag.de:

Diese Woche: Chronik einer deutschen Teilhirnschmelze

Freitag: Das viertstärkste Erdbeben der dokumentierten Geschichte und der damit zusammenhängende Tsunami zerstören große Teile von Japan und reißen möglicherweise über zehntausend Menschen in den Tod.

Freitag: Umweltminister Röttgen (CDU) versucht, mit heiteren Worten die Deutschen vom tragischen Leiden der Japaner abzulenken, indem er verkündet, worum es hier wirklich geht: Die AKWs in Deutschland seien sicher. Allein im März finden Landtags- und andere -wahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, später auch in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Berlin statt. Der Wahlkampf ist eröffnet. Überall in Deutschland neigen Politiker den Kopf und danken still und heimlich den Japanern: Euer Opfer soll nicht umsonst gewesen sein.

Gott sei Dank hat Röttgen auf die Tragödie in dem weit entfernten Land aufmerksam gemacht, jetzt können sich auch die Protestpartien SPD und die Grünen informieren und reagieren. Sigmar Gabriel fordert einen sofortigen Stopp der Laufzeitverlängerungen für AKWs und Claudia Roth und Cem Özdemir verkünden, dass diese Tragödie ein weiterer Beweis dafür sei, dass Umweltminister Röttgen doof ist.

Freitag: Spiegel Online gibt das Titelblatt der montäglichen Printausgabe bekannt, auf dem die Schlagzeile prangt: „Das Ende des Atomzeitalters“. Von allen seriösen internationalen Zeitschriften hat Der Spiegel nach wie vor die beste und schnellste Kristallkugel.

Samstag: Meine Freundin rennt ins Bad:
Sie: „Hast du gehört? Es gibt schon drei Kernschmelzen in Japan.“
Ich: „Mein Gott! Vor einigen Minuten war es nur der Verdacht auf zwei Teilschmelzen.“
Sie: „Es steht aber so auf Spiegel Online.“
Ich: „Spiegel Online? Moment mal. Steht es so in den letzten Absätzen des Artikels oder nur in der Schlagzeile?“
Einigen Minuten später kommt sie wieder.
Sie: „Dass es definitiv drei Kernschmelzen gibt, steht nur in der Schlagzeile! Gott sei Dank, es ist erst mal nur ein Gerücht.“

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