Sehnsucht nach Untergang

Was habt ihr Deutschen nur dem „Ende der Welt“?

Freunde von mir diskutieren gerade auf Facebook die weltweite Wirtschaftskrise, die amerikanische Politik des gegenseitigen Ausbremsens und die Randale in London. Fazit: „Das System ist am Wende.“

Jedes Mal, dass etwas Außergewöhnliches passiert, ruft der Spiegel das Ende von irgendwas aus: Das Ende des Kapitalismus, das Ende des amerikanischen Zeitalters, etc. Es ist immer Götterdämmerung in Deutschland. Bei der geringsten Anlass wollen die Deutschland das „System“ verschrotten und ein nagelneues System ausrufen – den sie, wie ein Auto, natürlich am besten bauen können. (Wo die perfekten Systeme der Deutschen hinführen, wissen wir ja schon. Autobauer, bleibt bei euren Autos.)

Es kommt mir vor, dass die Deutschen das Ende der Welt – irgendeinen großen dramatischen Knall, der die Welt von uns nervigen verwirrten systemunfähigen Menschen ein für allemal säubert.

Wie Goldfischen mit einem Gedächtnis von etwa drei Minuten vergessen sie, dass sie das Ende des Systems schon mal ausgerufen haben – und zwar alle paar Jahre – ohne, dass das Ende eingetreten ist. Amerikanische Haushaltsbankrott hat es schon mal gegeben; polemisierte Verrückte wie die Tea Party auch; Randale gibt es alle paar Jahre, Gefahr Durch Terroristen von innen und Außen ist auch nichts neues, und das die Griechen bankrott sind – die Deutschen haben schon mal ein größeres Land, die DDR, aus dem Bankrott herausgeholfen, und dabei kaum geblinzelt.

Das System is nicht am Ende. Der demokratisch/kapitalistische Westen ist das stabilste „System“, das jemals jenseits der militärisch/theokratische Diktatur im Still vom alten Ägypten erfunden wurde.

Diese kindische Herumquengelei steht erwachsenen Menschen nicht.

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