Ziegenhoden für das Volk!


Einer der größten Quacksalber in der langen und ehrwürdigen Geschichte amerikanischer Betrüger war John R. Brinkley (1885 - 1942).

Nachdem er sein Medizinstudium nicht zu Ende machten durfte, dachte er sich: "Jetzt komme ich erst jetzt ganz gross raus". Er verband wilde, bizarre anti-medizinische Behauptungen mit einer perfekten PR-Kampagne: Er hatte seinen eigene Radioshow, in der er medizinischen Rat verteilte, den er in dem Moment erfand, als leidende Menschen anriefen. Dies expandierte er auch noch, bis er eine eigenen Sender hatte und so beliebt wurde, dass er für das Amt des Gouverneurs kandidieren konnte - er hat zwar nicht gewonnen, aber es war knapp.

Medizinisch war sein Größter Coup die Heilung von impotenten Männern, von denen es scheinbar eine Menge in Kansas gab. Seine bahnbrechende Methode? Er nähte Ziegenbockhoden in den Hodensack des Mannes ein, der ab sofort selbst wahrhaftig zum geilen Bock wurde.

 Medizinisch war der Eingriff gar nicht so gefährlich - er legte die Ziegenhoden einfach rein und nähte den Sack wieder zu, woraufhin der Körper den Fremdkörper einfach absorbierte und sonst weiter wie normal. Seine Patienten sind nicht deswegen gestorben, sondern weil er über die Kunst der OP nichts wusste und hin und wieder gravierende Kunstfehler machte.

Trotz einigen Klagen konnte er deswegen weiter machen, weil die Frau einer seiner ersten Patienten unerwarteterweise schwanger wurde und dies der ganzen Welt mitteilte. Ab dann war es den leidenden Männern von Kansas egal, wie unsinnig und gefährlich der Eingriff war, sie strömten zum OP-Saal hin.

Sein Fall kam nicht durch die Polizei oder durch die Gesundheitsbehörden, sondern, weil er einen Journalisten wegen Verleumdung anklagte. Der Journalist hatte behauptet, Brinkley sei ein Betrüger. In Amerika darf man das und es ist keine Verleumdung, es sei denn, es stimmt nicht, was man sagt.

Konnte der Journalist vor Gericht beweisen, dass Brinkley tatsächlich ein Quack war, war es keine Verleumdung vor den Gesetz. So gesehen war es für Brinkley schon gewagt, gegen den Journalisten vor Gericht zu ziehen.

Er hätte es lieber sein lassen. Denn das Gericht sah es dann doch als erwiesen an, dass der Journalist recht hatte. Das zog eine ganze Reihe von Anklagen gegen Brinkley hinter sich und innerhalb weniger Jahren war der reiche, berühmte und beliebte Hochstapler finanziell ruiniert.

Trotzdem: Ziegenbockhoden in Hunderte, vielleicht Tausenden Männern aus Kansas eingenäht zu haben, das ist auch eine Leistung, auf die man stolz sein kann.

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