Ist Reality-TV subversiv?


Ich muss gestehen, ich mag Reality-TV. 

Ich finde zum Beispiel Dieter Bohlen viel ehrlicher als Thomas Gottschalk.

Beide zeigen Freaks, doch während Bohlen zugibt, dass er Entertainment macht und sich auch nicht dafür entschuldigt, läuft „Wetten dass...?“ in einem Staatssender mit Kulturauftrag. Dazu kommt, dass „Wetten dass...?“ eine Werbeveranstaltung ist: die eingeladenen Promis machen ja Werbung für ihre neuesten Produkte, und die ZDF stellt sich da gern zu Verfügung. Bohlens' Shows sind da weniger verlogen.

Nun wurde eine sehr beleibte Casting-Show unter Protest in China abgesetzt, und man vermutet, dass es vor allem um eins geht: Die Zuschauer mussten in der Show wählen. Sie mussten genauso wie in DSDS ihre Stimme abgeben und ihren Lieblingsstar wählen. Das war der chinesischen Obrigkeit wohl zu viel Demokratie – man konnte sich ja daran gewöhnen.

Hier die Story in The Economist.

Das gefiel mir – oft kommt Änderung durch platte, unscheinbare Dinge und ich kann mit gut vorstellen, dass Reality-TV mehr Einfluss auf uns allen hat, als man vermutet.

Noch ein Beispiel: Man misst ja immer wieder die IQ der Menschen überall auf der Welt und Jahr fuer Jahr steigert sich das IQ und fast allen Ländern der Welt. Es hat etwas mit dem Fernsehen und mit den Medien zu tun: Man lernt da anders denken, die Dinge, die man sieht, anders kategorisieren, anders einschätzen, man sieht viel mehr Möglichkeiten als wenn man nur den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten würde.

Ich sprach mal mit einem Wissenschaftler darüber und er sagte, man hätte das auch in armen Gegenden in Brasilien gemacht, wo man wenig Schule hat, aber verrückt nach diesen dummen Telenovellas ist. Erstaunlicherweise hat man festgestellt, dass die allgemeine IQ nach Einführung der Telenovellas gestiegen ist.

Auch in Deutschland hat sich seit Einführung der Reality-TV einiges geändert. Ich weiss noch, wie ich in den 80igern zum ersten Mal eine „asoziale“ Familie kennen lernte. Ich hatte gedacht, sowas gibt es nicht in Deutschland. Dann kam Privatfernsehen mit Tutti Frutti und dann bald darauf die Nachmittags-Talkshows mit den ganzen ledigen Muettern die den Vater ihrer Kinder suchen, usw., und ich dachte: „Ah, deswegen hatte ich den Eindruck, sowas gibt es in Deutschland nicht: Das Staatsfernsehen hat sie vom Publikum ferngehalten.“

Erst mit Reality-TV hat man gesehen, dass auch Deutschland eine starke „Unterschicht“ hat. Das ist ein grosser Dienst an die Deutschen und hat Deutschland auch geändert.

Comments

Anonymous said…
Ein beliebtes Vorurteil,bzw. Nörgelitem, daß Fernsehen Volksverdummung sei.
Natürlich völlig falsch.
Anonymous said…
Ein beliebtes Vorurteil,bzw. Nörgelitem, daß Fernsehen Volksverdummung sei.
Natürlich völlig falsch.
morri said…
die Sache ist eher die wie real ist das Reality fernsehen,? Klar bei Shows die live sind ist das ueberschaubar, aber bei den sendungen die es nicht sind(die sogenannten Dolusoaps (ausgenommen die scripted realisty die 100% schund sind) ist es meisten 90%dichtung und 10 % wahrheit oder noch schlechter.

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