Wer hätte das gedacht? Sarah Palin
nicht nur doch intelligent, sondern ... links?
In Amerika wie auch in Europa ist es
natürlich Brauch, Sarah Palin als dumm zu verschreien und, wenn man
in den Zeitungen über die berichtet, entweder von ihren dummen
Fehlern oder von ihrer extrem rechten (also auch dummen) Ideologie.
Also ist es mehr als ungewöhnlich,
wenn jemand laut sagt, dass sie doch ein oder zwei gute Ideen hat. Es
ist sogar gefährlich – für den Ruf.
Ein New York Times Kolumnist hat es
gewagt: Anand Giridharadas hat sich gefragt,
was Sarah Palin denn eigentlich sagt, und hat eine Rede von ihr genau
angeschaut. Er war überrascht, einige nicht nur intelligente,
sondern auch noch ungewöhnlich linke Ideen da zu finden.
Palin hat nicht nur die linken
Demokraten durch den Kakao gezogen, sondern auch die Republikaner –
ihre Kritik galt nicht nur linke Ideen, sondern „Profi-Politiker“
insgesamt. Diese stecken mit der Wirtschaft unter einer Decke, sind
Sklaven der Lobbyisten und bereichern sich nur selbst, statt den
kleinen Mann zu vertreten. Sie preiste den amerikanischen
Kapitalismus an, aber nur den der kleinen Betrieben, die noch voller
Menschen mit Ideen, Innovation und Herzblut stecken, und verteufelte
die grossen Firmen, die Amerika kaputt machen und wahre Fortschritt
verhindern, weil das nicht in ihre Interesse ist.
All das kam auch mir bekannt vor: Das
ist Kapitalismuskritik wie es die linken Kommentatoren in Deutschland
pflegen. Mein Gott, Sarah Palin ist eine Linke!
Das kann man auch von der Tea Party
insgesamt sagen. Es herrscht vor allem in Deutschland aber auch in
Amerika einige Irrtümer über die Tea Party, vor allem, dass sie
extrem rechts steht. Das stimmt nicht ganz – die ist extrem liberal
im ursprünglichen Sinne:
Sie misstraut der Regierung und will
Washington reformieren.
Sie schafft es natürlich nicht, und Sarah
Palin (die auf dieser Weise ihre Unerfahrenheit zum Vorteil machen
will, wie sehr viele Politiker – auch Obama – es vor ihr getan
haben) erst recht nicht, aber das ist eine ur-amerikanische
Einstellung und gar nicht falsch.
Naja, es ist schon möglich, Washington zu reformieren - in Hollywood-Filmen wie "Dave".

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