Tuesday, December 25, 2012

Mele Kalikimaka everyone!

Ist Weihnachten eine deutsche Erfindung?

Weihnachten ist die schlimmste Zeit des Jahres. Nur Stress, Fressen, auf Knopfdruck geheuchelte Menschenfreundlichkeit und vor allem kaufen, kaufen, kaufen.

In meiner Heimat Amerika ist Weihnachten der Gipfel des Kommerz und der Geschmacklosigkeit. Kinder beichten Weihnachtsmännern lange Wunschlisten direkt im Kaufhaus, Lebkuchen in den Läden seit September, Häuser, die in einem kitschigen Lichtermeer funkeln, das die Energie von mehreren Kernkraftwerken braucht. Und dann dieser überkandidelte Santa Claus, eine einzige Coca-Cola-Werbefigur!

Und wer ist daran schuld? Die Deutschen natürlich!


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Tuesday, December 11, 2012

Wenn ich an Mursi denke, denke ich an Hitler

Immer wenn ich an den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi denke, denke ich an die NPD. Nicht einfach so: Natürlich sind Adolf Hitler und George Washington dazwischen.

Das ist ein komplizierter Gedankengang, aber ich kann ihn erklären.

Niemand weiß genau, was Mursi vorhat, aber viele fürchten, dass er gerade sein Präsidentenamt zu einer Diktatur ausbaut und vorhat, eine islamische Theokratie einzuführen.

Stimmt das, dann haben die Ägypter gerade jemanden demokratisch gewählt, der als erstes die Demokratie abschafft. Das ist ein bisschen, wie wenn man zum Chef befördert wird und als erstes einen Beförderungsstopp anordnet. Als zweites steht dann ein Panzer vor der Cheftoilette.

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Tuesday, December 04, 2012

Liebt Gott Amerika doch?

An uns Amerikanern ärgert den gemeinen Deutschen nichts mehr als unsere ausufernde Arroganz. Und es stimmt, wir sind eingebildet. Vielleicht nicht so sehr wie die Chinesen, Franzosen oder Berliner, aber wir sind es. So arrogant, dass wir glauben, Gott selbst sei "auf unserer Seite".

Dabei ist Amerika nicht das einzige Land, das sich als Gottes Liebling sieht. All die adeligen Regenten der europäischen Feudalstaaten wähnten sich als von Gott erwählt. Großbritannien singt noch heute "God save the Queen". Und Neuseeland zum Beispiel nennt sich seit 100 Jahren "God's own country". Die Juden sehen sich selbst seit biblischen Zeiten als das auserwählte Volk und haben ein Teil dieses Selbstbildes zum Missvergnügen ihrer Nachbarn in den Staat Israel hinübergerettet. ...


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Tuesday, November 27, 2012

Warum Occupy und die Tea Party einander mögen sollten

Hiermit nehme ich alles zurück, was ich je im Leben über die Occupy-Bewegung gesagt habe.

Und das war nicht wenig: Pubertär und halbgar habe ich sie genannt, ineffektiv, politisch wie wirtschaftlich naiv, im Vergleich zur Tea Party leider irrelevant, und vieles mehr.

All das bereue ich jetzt, denn seit einigen Wochen hat eine Handvoll Occupy-Anhänger ein Projekt ins Leben gerufen, das ich ernst nehmen kann. Lustigerweise ist es eine Idee, die sogar die Tea Party ernst nehmen kann. Ach was, es ist eine Idee, auf die die Tea Party neidisch sein sollte. ...


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Wednesday, November 21, 2012

Was ist besser? Die amerikanische oder die deutsche Obdachlosigkeit?

Warum gibt es so viel Armut und Obdachlosigkeit in Amerika und so wenig in Deutschland? Diese Frage musste ich mir vergangene Woche stellen, als ich auf meiner Facebook-Seite einen Mini-Shitstorm erleben durfte.

Aus Versehen und, das möchte ich hier ausdrücklich versichern, ohne jede Absicht hatte ich wohl einige Leser beleidigt, indem ich implizierte, dass es auch in Deutschland Obdachlosigkeit gäbe. Das kam so: Einem Berliner Video-Künstler namens Victor Kossakovsky war nicht verborgen geblieben, dass Obdachlose in den warmen, beleuchteten Räumen von Banken schlafen, in denen die Geldautomaten stehen.

Er machte ein Video daraus, legte Volksmusik aus Russland darunter, und die New York Times stellte es ins Netz, wo ich es sah und den Link auf meine Facebook-Seite stellte. (Mir war das In-Banken-Schlafen-Phänomen auch schon seit einigen Jahren aufgefallen, bloß kam ich Blödmann nicht auf die Idee, Kunst daraus zu machen.)


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Wednesday, November 14, 2012

Warum Amerika das fortschrittlichste Land der Welt ist...

Meine Lieblingsparabel aus dem Kanon meiner ehemaligen Kirche, der Mormonen, ist die Geschichte vom Frosch. Kommt man aus irgendeinem Grund auf die glorreiche Idee, einen solchen zubereiten zu wollen, gibt es zwei Möglichkeiten.

Man kann ihn einfach in einen Topf mit kochendem Wasser werfen. Allerdings ist diese Methode nicht empfehlenswert – weil der Frosch merkt, dass es heiß ist, und sofort flüchtet. Setzt man ihn aber in einen Topf mit kaltem Wasser, den man nur langsam erhitzt, springt der Frosch nicht heraus. Weil er nicht merkt, dass das Wasser immer heißer wird. Bald hat man einen leckeren gekochten Frosch.

Die Geschichte zielt natürlich auf die Sünde ab: Fängt man mit einem kleinen Fehltritt an, merkt man gar nicht, dass man bereits auf dem Weg zur Hölle ist. Und hastdunichtgesehen hat der Teufel einen am Schlafittchen.

Ein gutes Beispiel ist Marihuana...


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Friday, November 09, 2012

Wars das mit den Republikanern?

Die Absage an Mitt Romney und Paul Ryan war auch eine Absage an den gesamten radikalen Flügel der Republikaner. Ab jetzt wird die Partei ihre Einstellungen zu Rassismus, Frauen- und Ausländerfeindlichkeit und Gottesgläubigkeit grundsätzlich überdenken müssen. Die Republikaner brauchen eine neue Richtung.

Die große Frage, die sich die Partei nach dieser Niederlage stellt, ist: Haben wir verloren, weil Mitt Romney zu radikal war? Oder weil er nicht radikal genug war? Rein prozentual gerechnet bekamen die Republikaner fast die Hälfte aller Stimmen. Ihre Politik wurde also nicht grundsätzlich abgelehnt, nur von einer Handvoll Wählern. War man aus Sicht dieser Wähler zu weit gegangen, oder nicht weit genug?


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Thursday, November 08, 2012

Mehr Spaltung braucht das Land!

Noch nie hat ein Präsidentschaftskandidat so viel Dreck über seinen Rivalen ausgekippt wie in diesem Wahlkampf. Noch nie ging es so unter die Gürtellinie, noch nie wurde so viel Geld ausgegeben für Werbung voller wilder Übertreibungen, skandalöser Behauptungen und blanker Beleidigungen, noch nie wurde der demokratische Prozess so dreist und primitiv missbraucht wie im Wahlkampf Obama gegen Romney.

Ach Moment mal, was sage ich da? Noch nie war es so schlimm? Verzeihung, ich meinte natürlich, noch wie war es anders in Amerika.

Mein Kommentar auf SWR Kultur von heute morgen als Text und PODCAST (!)...

Tuesday, November 06, 2012

Warum ich Romney liebe... und Obama auch...

Damals war die Welt noch in Ordnung: Der Mittelstand war stark, Frauen konnten noch kochen, Männer Geld verdienen. Familien waren noch intakt, in der Garage stand ein Auto für ihn und eins für sie. Sonntags ging man in die Kirche, gut und böse, schwarz und weiß waren noch sauber getrennt.

Ich rede natürlich von den Fünfzigern. Das nennen wir Amerikaner die Eisenhower-Ära, nach dem deutschstämmigen Präsidenten, der zur Zeit des amerikanischen Wirtschaftswunders amtierte. Das ist die Zeit, für die Mitt Romney steht wie kein anderer.

Er frisiert sich wie eine Figur aus der Fernsehserie Mad Men, seine Frau kann mit Sicherheit kochen, er hat mindestens zwei Wagen in der Garage stehen. Ich weiß aus zuverlässiger Quelle, dass er regelmäßig in die Kirche geht. Und sein Kinn! Haben Sie sein Kinn gesehen? Das nennen wir ein presidential chin. Wäre das echte Leben ein Comic, wäre Romney jetzt schon Präsident. ...

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Wednesday, October 31, 2012

Warum Amerika keine Loser im Weissen Haus wollen

Als ich vor ein paar Wochen zufällig meinen Wahlzettel als PDF-Datei im Spam-Ordner meines E-Mail-Programms fand und öffnete, stutzte ich. Wer zum Teufel sind Gary Johnson und Jill Stein. Und was haben sie auf meinem Stimmzettel zur Präsidentenwahl zu suchen?

Ich wollte ihn gerade wieder in den Spam-Ordner schieben, als ich bemerkte, dass auch die Namen Barack Obama und Mitt Romney darauf standen. Das machte die Sache etwas komplizierter. Ich hatte damit gerechnet, nur zwei Optionen zu haben, nun hatte ich vier.

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Wednesday, October 24, 2012

Sind die Demokraten die wahren Bösen und die Republikaner die wahren Guten?

Es gibt einen Grund dafür, dass ich mir die Republikaner lobe und die Demokraten kritisiere. Obwohl ich die Demokraten wähle. Dieses Paradox hat etwas damit zu tun, dass die Republikaner in der Öffentlichkeit missverstanden werden – und die Demokraten auch.

Die beiden Partien waren nicht immer so, wie sie heute sind. Im 19. Jahrhundert waren die Demokraten die Partei des Ku Klux Klan und die Republikaner diejenigen, die sich erfolgreich gegen die Sklaverei gestellt hatten (die Partei wurde von Abraham Lincoln mitbegründet).

Ich weiß auch nicht, wie sie es gedreht haben, aber heute sind die Demokraten die "Guten" und die Republikaner die "Bösen". Zumindest behaupten sie das. In Wahrheit hat diese moralische Unterscheidung mehr mit Wahlkampf zu tun als mit Politik selbst.


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Tuesday, October 16, 2012

Europa ist eine amerikanische Idee

Das Beobachten der Deutschen ist nicht nur ein lustiger Sport, es kann auch manchmal ganz schön spannend sein.

Zum Beispiel als verkündet wurde, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an die Europäische Union geht. Das war eine Überraschung, meine deutsche Lebensgefährtin Astrid und ich schauten uns verdutzt an. "Drei Stunden," sagte ich. "Zwei", hielt sie dagegen.

"So schnell schaffen es die Deutschen nicht", meinte ich. "Sie müssen sich erst mal etwas einfallen lassen. Und die Worte dafür finden. Außerdem ist gleich Mittagspause. Sie brauchen mindestens drei Stunden."

"Ich glaube an die Deutschen", sagte sie. "Sie sind fleißiger und fantasievoller, als du denkst. Ärgern tun sie sich eigentlich immer, und aufschreiben können sie das auch. Ich sage: unter drei Stunden." ...

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Barbara Tuchmann, my goddess of nonfiction

I habe den Film über den Cuban Missile Crisis "13 Days" geliebt, ich liebe ihn noch, aber nun bin ich überrascht zu erfahren, dass Kennedy und Kruschev viel vorsichtiger waren, als dort dargestellt. Es waren alle beide kluge und vorsichtige Menschen, die nicht das Risiko eines Atomkrieges eingehen wollten. Alle Achtung!

Aber des beste steht in den letzten Absätzen: Kennedy wurde zum Teil von ein Buch beeinflusst, und zwar von einer meiner Lieblingsautorinnen fur Sachbücher, Barbara Tuchmann. Ich verehre sie so sehr, wenn ich sie lese, dass ich eine fast sexuelle Anziehungskraft verspüre.

Deshalb schriebt man Nonfiction: Um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Good job, Ms. Tuchmann!

New York Times Artikel hier (Enlgisch)


Tuesday, October 09, 2012

Warum Amerikaner keine Linken sind

In meiner Nachbarschaft in Berlin gibt es einen ganz besonderen Ort.

Immer, wenn ich daran vorbeigehe, werde ich von dem Gefühl überwältigt, plötzlich in das Berlin der 1920er Jahre geraten zu sein. Jeden Moment könnte Rosa Luxemburg und hinter ihr tausend aufgebrachte Arbeiter um die Ecke biegen, und kurz bin ich voll wohliger Bewunderung.

Dabei ist dieser Ort alles andere als alt.

Es handelt sich um ein renoviertes Erdgeschoss, modern und schick mit viel Glas und Stahl und exotischen Pflanzen vor der Tür, ein Vorzeigegebäude des Kapitalismus und der Gentrifizierung. Es ist kein Web-2.0-Start-Up, sondern das Wahlkampfbüro der Linken, und im Fenster hängen Wahlkampfposter mit Parolen wie: "Wir kämpfen für Sie!" und "Der Kampf geht weiter!"


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Wednesday, October 03, 2012

Warum wir Amis keine kritischen Denker sind!

Während die Deutschen in unseren Fernsehduellen oft nur eine Art Show sehen, haben die debates für uns Amis etwas Pubertäres an sich.

Das kommt daher, dass wir das Debattieren mit der Schulzeit verbinden: Jede High School und jedes College in Amerika hat neben der Footballmannschaft, dem Science Club und dem Schachteam auch einen Debattierklub, wo lauter brave kleine Streber lernen, fix und eloquent vor einem Publikum eine Stegreif-Rede zu halten und eine ihnen in letzter Sekunde auferlegte Position auf Teufel komm raus gegen einen anderen Streber zu verteidigen.


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Tuesday, September 25, 2012

Warum Amerika einen mormonischen Präsident braucht!

Als Präsident ist Barack Obama eher guter Durchschnitt (und das meine ich als Kompliment) – bis auf einen Punkt: Er ist schwarz. Das ist auch seine eigentliche Leistung: 150 Jahre nach dem verheerendsten Krieg unserer Geschichte, der die Sklaverei endlich beendete, brauchte Amerika nun wirklich mal einen schwarzen Präsidenten. Na gut, er ist auch ungemein sexy, aber die Geschichtsbücher werden eher von seiner Hautfarbe schwärmen.

Auch Mitt Romney wäre als Präsident eher Durchschnitt – bis auf eines: Er ist Mormone. Und irgendwann braucht Amerika auch einen mormonischen Präsidenten, denn keine Kirche ist so amerikanisch wie diese.

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Saturday, September 22, 2012

Book Party in Berlin!

Wir feiern!

Das neue Buch "Planet America" steht im Laden und gemeinsam mit unserem guten Freund und Reisejournalisten Paul Stänner wollen wir zum ersten Mal eine 2-Book Party feiern!

Sie, der Sie dieses gerade liest, sind herzlichst eingeladen!

Wo: Berlin, Cafe Naumann Drei (Schöneberg, Naumannstr. 3, unweit von S-Bahn Julius-Leber-Bruücke)

Wann: Freitag, den 28. September, um 19:00 Uhr

Was gibt's denn do?

- Wir lesen aus unseren neuen Büchern "Planet America" und "Dinner for One"

- Wir verschenken Bücher an die klugen Gewinner unseres klugen Quizes

- Wir trinken Bier

- Wir essen tolle Spezialitäten aus America (was sie genau sind, daran arbeiten wir gerade, es wird aber genug für alle geben)

- Wir lernen uns kennen

Eintritt ist wie immer frei

Allerdings bitten wir um Voranmeldung, denn es gibt nur 50 Plätze!

Naumann Drei: 030 / 9151 2100


Auf Facebook: http://www.facebook.com/NaumannDrei

Wir freuen uns sehr auf Eure Kommen!


Wednesday, September 19, 2012

Warum wir Amis an Hetz, Hass und Huren glauben!

Ich erinnere mich gern an das erste Mal, als ich eine Botschaft in Brand stecken wollte. Ich war damals noch jung, außerdem Mitglied der Mormonenkirche und glaubte auch fest daran. Allerdings glaubte ich auch an die Literatur, besonders an das größte amerikanische Literaturgenie aller Zeiten: Mark Twain. Bis ich seinen Reiseroman Durch Dick und Dünn entdeckte.

Darin zerpflückt er auf respektloseste Art das Buch Mormon. In Worten, die er sich niemals auf die Bibel anzuwenden trauen würde, zieht er die heiligste Schrift der Mormonen durch den Dreck, und dann tut er es gleich noch mal: "gedrucktes Chloroform" sei es; ein Wunder, dass der Autor es überhaupt zu Ende habe schreiben können, ohne einzuschlafen; reine Fantasie, ein Plagiat, "grotesk". Das Schlimmste: Die Kritik war auch noch witzig. Das saß!

Bis dahin hatte ich jedes Wort angebetet, das Mark Twain von sich gab. Jetzt verstand ich, dass dieser Mann in Wahrheit des Teufels war.


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Tuesday, September 04, 2012

Deutschland braucht mehr Patriotismus

Zuweilen gleicht unser Patriotismus religiösem Fanatismus: Unsere Veranstaltungen sind so emotionsgeladen wie (gute) Gottesdienste, wir glauben an die Verfassung wie an die Bibel, und die Amtseinführung des Präsidenten steht der des Papstes in nichts nach.

All das brachte den Soziologen Robert Bellah 1967 dazu, die amerikanische Demokratie als eine "Zivilreligion" zu beschreiben. Er meinte, die Amerikaner hätten ihre tief verwurzelte Religiosität einfach auf ihr Land übertragen: Wir glauben tatsächlich an unsere Nation.

Es gibt einen Grund dafür. ...

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Tuesday, August 21, 2012

Amerika hat den grössten Sozialstaat der Welt

"Für mich seid ihr Amis alle miteinander verrückt", beschloss ein guter Freund neulich im Biergarten. "Ihr habt keine Krankenkasse und kein Rentensystem und überhaupt keinen Sozialstaat – und nun wollt ihr auch noch Medicare und Medicaid abschaffen!" Er nahm noch einen Schluck und dachte kurz nach. "Moment mal", sagte er, etwas verwirrt: "Wie könnt ihr etwas abbauen, das ihr nicht habt?"

In Wahrheit hat Amerika – jedenfalls in absoluten Zahlen – den größten und teuersten Sozialstaat der Welt. Das wissen nicht einmal die meisten Amerikaner. Jedes Jahr gibt der Staat rund 2,2 Billionen Dollar für soziale Leistungen aus, von Social Security (Rente und Arbeitslosenversicherung) über subventionierte Krankenkassen bis hin zum Bildungssystem.

60 Prozent des US-Gesamthaushalts fließen in den Sozialstaat. Zum Vergleich: Das Militär bekommt läppische 24 Prozent. ...

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Wednesday, August 15, 2012

Ist Angela Merkel in Wirklichkeit Paul Ryan?

Wer Angela Merkel mag, müsste die amerikanische Tea Party eigentlich lieben.

Nein, nicht weil Merkel so sexy-doof ist wie die politisch engagierten Tea-Party-Damen Sarah Palin und Michele Bachmann, sondern weil Merkels Europa-Politik erstaunlich dicht an den politischen Ideen des neuen Tea-Party-nahen Vizepräsidentenkandidaten Paul D. Ryan ist.

Als der Republikaner Mitt Romney den Kongressabgeordneten Ryan zu seinem Vize in spe ernannte, gab er damit der schon in der Versenkung verschwundenen Tea Party wieder eine Plattform und – sollte Romney die Wahl im November gewinnen – potenziell auch Zugang zum Weißen Haus. Denn keiner verkörpert die Vision der Tea Party besser als Ryan.

Davon ganz zu schweigen, dass er vermutlich intelligenter ist als Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Romney zusammen und sich auf jeden Fall in der Wirtschaft besser auskennt.

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Wednesday, August 08, 2012

Warum ich Deutschland liebe

Lieber Leser,

tun Sie mir mal einen Gefallen? Sollten wir uns jemals begegnen und Sie fragen mich, wo ich herkomme, und ich sage, aus Hawaii natürlich, woher sonst, stellen Sie mir nicht diese eine Frage, die Ihnen auf der Zunge brennt: „Wie kann einer aus Hawaii nach Deutschland kommen?“

Als ich damals diese Entscheidung traf, dachte ich nie, ich würde mich in Deutschland dafür rechtfertigen müssen. Naiv wie ich war, stellte ich mir vor, die Deutschen hätten ein gesundes Selbstbewusstsein und würden es für selbstverständlich halten, dass jeder aus Hawaii nur so danach lechzt, in Deutschland leben zu dürfen. Doch seit fast 30 Jahren bekomme ich nun diese Frage zu hören und seit fast 30 Jahren suche ich eine geeignete Antwort.

Statt einer Antwort stelle ich Ihnen hier zwei Tage aus meinem Leben vor ...

Mehr in CultUrMag.

In den USA kann jeder Killer Präsident werden

Wir Amerikaner sagen: "Bei uns kann jeder Präsident werden." Damit unterscheiden wir uns ganz wesentlich von den Deutschen. Es ist nicht so, dass das auf Deutschland nicht zutrifft, im Gegenteil. Der Unterschied ist, dass kein Deutscher es zugeben mag.

Warum? Ich habe da so eine Theorie. Aber zuerst einmal: Stimmt der Spruch überhaupt für Amerika? Gibt es zum Beispiel Minderheiten, die noch nie US-Präsident geworden sind?

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Saturday, August 04, 2012

Hätten die Deutschen mit Hilfe der Juden den Krieg gewonnen?

In "Deutschland-Quiz" schrieb ich, dass die Nazis die Atombombe deshalb nicht erfunden hatten, weil sie nicht abstrakt denken konnten (und wollten), während die Juden das wohl taten, und zwar aus kulturellen Gründen... Die Recherche zur Essay "Hätten die Deutschen mit Hilfe der Juden den Krieg gewonnen?" hat alles geändert, was ich über Nazis und Juden dachte.

Jetzt erklärt ein neues Buch den Unterschied zwischen den Mentalitäten eingehender. Meiner Meinung nach können die Deutschen und alle anderen auch - ja, auch wir Amis - immer noch von der jüdischen Kultur und Mentalität eine Menge lernen.

Best quote: “The heart of the Talmudic view is that there is an absolute truth, but this truth is not directly and completely available to us. It turns out that exactly the same style of thinking occurs in the relativity theory and in some of Einstein’s other research.”

Hier die Kritik in New York Times.

Tuesday, July 31, 2012

Treffen sich zwei Missionare und die Polizei...

Nachtrag zu Zeit Online:

In der veröffentlichten Version gab es leider kein Platz für meine Lieblingsanekdote aus der Missionszeit. Also hier ist sie:


Am lustigsten wird es, wenn die Polizei eingeschaltet wird.

Einmal ging ich mit meinem Mitarbeiter in Dortmund von Tür zu Tür, als wir merkten, dass mehrere Polizisten aus drei Autos hüpften und in das Wohngebäude rannten, das wir gerade verlassen hatten. Wir waren vorgewarnt: am Abend zuvor war wieder eine Sendung ueber Sekten gelaufen.

Damit nicht noch mehr Chaos ausbrach, gingen wir zurück und stellten uns. Während die anderen herumstanden und versuchten, nicht lächerlich auszusehen, überprüfte der leitende Beamte unsere Ausweise und stellte fest, was wir tun, sei rechtens. So einfach konnte er natürlich nicht mit drei Streifenwagen wieder abziehen. Also durchsuchte er die Bibel und die Flugblätter in unseren Rucksäcken, bis er unser Klingel-Heft fand.

Darin notierten wir jede Wohnung, die wir schon besucht hatten, damit wir nirgends zweimal klingeln und die Leute belästigen. Das erklärten wir, und auch das wurde akzeptiert, bis er weiter hinten im Heft blätterte. Dort hatten wir Sprüche notiert, die uns in schlechten Zeiten motivieren sollten: „You can do it!“, „Gib nie auf!“ und so weiter.

„Was ist das hier?“ fragte er mit geradezu detektivischem Spürsinn.

Ich las vor: „You can't always get what you want, but if you try sometimes, you get what you need.“

„Und auf Deutsch?“

Ich übersetzte: „'Du kriegst nicht immer alles, was du willst, aber wenn du dich anstrengst, kriegst du, was du brauchst.'“

Das kam ihm bekannt vor. „Es ist von den Rolling Stones“, sagte ich hilfreich. „Das ist so eine Musikkombo.“

Er versuchte, weiterhin ernst zu gucken, aber am Gesichtsausdruck merkte ich, was er dachte: „Für diesen Scheiss bin ich nicht Polizist geworden.“

Er ließ uns gehen mit dem Rat, den Rest des Tages freizumachen, den wir auch befolgten.

Endlich ein Präsident, der die Europäer kennt...

Spätestens seit letzter Woche muss jedem klar sein, dass Mitt Romney zur Außenpolitik etwa so tauglich zu sein scheint wie einst Sarah Palin. Kaum in London angekommen, trat er ins Fettnäpfchen: Er kritisierte die zahlreichen Pannen der Olympischen Spiele 2012 und wies darauf hin, dass damals, als er die Winterspiele in Salt Lake City mit organisierte, nicht so geschludert worden sei.

Sofort war die Hölle los: Selbst konservative Kommentatoren in Amerika jammerten, dass Romney unseren wichtigsten Verbündeten in Europa beleidigt hätte, ein internationaler Affront sei das, peinlich, peinlich.

Nur ich bin gar nicht so sicher, dass es ein Versehen war. Im Gegenteil. ...

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Tuesday, July 24, 2012

Wir Amis schiessen einfach gern!

Wir Amerikaner lieben unsere Waffen, und daran sind die Europäer schuld.

Es fing vor mehr 250 Jahren an. Damals herrschte in Europa noch das mittelalterliche Prinzip: Nur der Adel darf Waffen tragen. Zwar leisteten sich schon manche Länder so etwas Neuartiges wie ein stehendes Heer, in dem auch ausgewählte Mitglieder des Pöbels im Umgang mit Waffen trainiert wurden. Dennoch blieben Waffen insgesamt Sache der Obrigkeit. ...

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Wednesday, July 18, 2012

Nur ein rückgratloser Präsident ist ein guter Präsident

Ganz schön mutig, dieser Mitt Romney. In der vergangenen Woche stellte sich der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner vor die versammelte Schwarzenlobby (National Association for the Advancement of Colored People, NAACP). Bei deren Versammlung in Houston erklärte er, ohne mit der Wimper zu zucken, warum er für die Schwarzen der bessere Präsident sei als jener, der zurzeit im Weißen Haus sitzt.

Zwar wurde gebuht, aber hinterher, draußen vor den TV-Kameras, merkten einige Schwarze dann doch anerkennend an, wie tapfer der Mann war, überhaupt dort aufzutauchen.

Immerhin gehört Romney einer Kirche an, die erst in den Siebzigern Schwarze zur Priesterweihe zugelassen hat. Ich war auch Mormone damals – und ich weiß noch, wie mein Vater das einzige schwarze Mitglied unserer Gemeinde daraufhin zum Sonntagsbraten einlud. Es war ein Abend der politischen Korrektheit und des peinlichen Schweigens. Ich glaube, am Tisch wurden insgesamt drei Sätze gewechselt.

Die Wahrheit ist: Romney hatte keine Wahl.

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Tuesday, July 10, 2012

Schwulen, Streit und die Amis

Wir Amis lieben Streit. Wir lieben den Kampf zwischen brutalen Gegnern, die vor nichts zurückschrecken, wir lieben die Spannung eines harten Tauziehens, das ewig hin und her geht. Wir lieben die Erfindung neuer Argumente, egal wie absurd und verzweifelt sie sein mögen. Wir lieben es, wenn es einen klaren Gewinner gibt, den wir bewundern können, und einen klaren Verlierer, über den wir uns lustig machen können.

Vor allem lieben wir große politische Streitfragen, die über Generationen hinweg ausgefochten werden. Deutschland ist dagegen eine idyllische Konsens- und Kompromissgesellschaft.

Wann immer möglich, entschließen sich die Deutschen einfach, einer Meinung zu sein. Fast alle Deutschen lieben Mülltrennung, den Sozialstaat und die militärische Nicht-Einmischung, und ob die Atomkraft vielleicht doch ein paar Pluspunkte hat, wird nicht diskutiert. Da herrscht Konsens, und Konsens untergräbt man nicht.

Ein gutes Beispiel ist die Homo-Ehe.

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Tuesday, July 03, 2012

Neue Kolumne auf Zeit Online: Planet America

Da saß ich, eingequetscht auf einer Bank in einem kleinen Berliner Biergarten, umgeben von grölenden Deutschen in bizarrer Verkleidung: eingewickelt in die Deutschlandfahne, angemalt in den Deutschlandfarben, auf dem Kopf Stangen wie Insektenantennen, auf denen Deutschlandwimpel hin und her schwankten.

Auf einmal verschwand die deutsche Nationalelf vom Großbildschirm. Stattdessen sah ich Bilder von grölenden Amerikanern, in die US-Fahne eingewickelt, mit den US-Farben angemalt, auf den Köpfen bizarre Hüte mit US-Wimpeln.

Kurzzeitig verlor ich die Orientierung: "Hat Amerika gerade die Europameisterschaft gewonnen?" ...

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Tuesday, June 26, 2012

DEUTSCHLAND UND AMERIKA: KANN MAN SO ODER SO SEHEN

Komisch – es ist möglich, Deutschland und Amerika aus zwei gegensätzlichen Blickwinkeln zu betrachten und in beiden Perspektiven ein bisschen Recht zu behalten.

Gestern wurde ich eingeladen, in der TV-Talkshow Hart aber Fair nebst 4 anderen teilzunehmen. Das Thema ging um um „Fussball und Nationalismus“ - die Grünen hatten die alte 68er-These wieder hervorgekramt, dass wer bei EM-Spielen Fahnen schwenkt Patriotismus beweist, Patriotismus sei eine Vorstufe zu Nationalismus und (auch wenn niemand es laut sagt) Nationalismus ist natürlich eine Vorstufe zum 4. Reich.

Das Thema ist heiß umstritten, und meine Aufgabe war es, den Blick von aussen zu bringen: Dass niemand ausser den Deutschen eine solche Diskussion ernst nehmen kann, dass die Deutschen immer den Teufel an die Wand malen und viel zu viel über alles nörgeln, und dass Europa heute zu Deutschland mit neuen Respekt schaut und erwartet, dass Deutschland seine neue Führungsrolle übernimmt, sich mit wichtigen Themen befasst und mit dem ständigen Bauchnabelschau aufhört.

Unter den Reaktionen zu meinem Beitrag (auf Facebook und per E-Mail) waren zwei, die sehr ähnlich und sehr anders waren:

„Lieber nörgle ich ein bisschen, als ich im Jahr 2012 mit Autos durch die Gegend fahre, die 25 l/ 100 km verbrauchen und einen shit auf die Zerstörung der Umwelt gebe.

Oder jedem redneck, der noch nicht mal seinen Namen schreiben kann, einen Hauskredit zu geben und damit die Welt in die schwerste Finanzkrise aller Zeiten zu stürzen.

Oder im Jahr 2012 Soldaten in Afghanistan einzusetzen, die einem Toten die Hand abhacken und sich mit Stinkefinger fotografieren lassen,oder auf die Leiche urinieren.

Oder den Begriff "all you can eat" in die Welt zu tragen und im eigenen Land 64% Fettleibige zu haben. Oder, oder, oder...

Wie rechtfertigt Ihr Amerikaner Eure Arroganz jeden Tag vor Euch selbst? Eure Maßregelungen und Besserwissereien will niemand auf der Welt mehr hören.“


Minuten später kam diese Mail (auf Englisch – obwohl die Sendung ja nur auf Deutsch war; hier meine Übersetzung):

„Gerade habe ich Sie bei Hart Aber Fair gesehen. Sie sagten, dass Europa zu Deutschland für Führung schaut. Woher haben Sie die Idee? Merkel und ihre Politik haben Europa in die Katastrophe getrieben. Zum dritten Mal in weniger als 100 Jahren, möchte dazu sagen.

Deutsche sind Deutsche und sie ändern sich nicht, wie wir gesehen haben. Sie können niemandem etwas beibringen. Sie können nicht erwarten, dass andere so werden wie sie. Das ist doch krank.“


Ach, es gefallt mir hier in Deutschland!

Monday, June 25, 2012

Kurz vs. Lang

Selbst in einer Krise bleiben Amerikaner amerikanisch und Deutsche deutsch.

Man braucht nur Obama und Merkel angucken und wie sie auf die Eurokrise reagieren.

Obama, wie auch die meisten wichtigen amerikanischen Wirtschaftsbeobachter, will, dass Merkel von ihrem harten Sparkurs zurücktritt und viel Geld in Griechenland und sämtliche andere marode nichtsnutzige europäische Länder pumpt. Sie glauben, damit werde die Wirtschaft wieder auf Trab kommen, und wahrscheinlich haben sie auch Recht: Wo Geld investiert wird, gibt’s mehr Jobs, es wird mehr eingekauft, alles kommt wieder in Gang.

Die Deutschen – zumindest Merkel – sehen das umgekehrt: Zu lange, sagen sie, haben diese Staaten unverantwortlich gelebt, mit einem zu großen Sozialstaat, keiner vernünftigen Steuerpolitik und übertrieben populistischen Politikern, die Unrealistisches versprechen und Unangenehmes vermeiden.

Durch den Sparkurs will Merkel dies ändern: Sie will diese Länder zwingen, langfristige Reformen durchzusetzen und die strukturellen Probleme, die zu der Krise geführt haben, ein für alle Mal zu lösen. Vermutlich zu Recht: Denn selbst wenn die Wirtschaft von Griechenland wieder auf Trab kommt, wird sie ohne Reformen irgendwann erneut zusammenbrechen. Also bleibt Merkel hart und pokert hoch.

Egal, was passiert und wer am Ende Recht behält: In beiden Einstellungen sieht man einen grundsätzlichen Unterschied im Denken. Wir Amerikaner denken kurzfristig. Obama geht es nur darum, dass die Wirtschaft wieder auflebt, die strukturellen Probleme lassen ihn kalt. Die Griechen sollen selber entschieden, wie sie das Geld investieren. Auch beim Marshall Plan haben wir den Europäern keine Bedingungen gestellt.

Das ist klüger als Sie glauben: Wir Amerikaner akzeptieren etwas, was die Deutschen gern verdrängen: Dass das Wort „langfristig“ eine Täuschung ist. Man kann nie etwas weiter als ein paar Jahre im Voraus planen, seien wir ehrlich. Erinnern Sie sich noch an die Fünfjahrespläne der DDR? Sie waren schon nach fünf Minuten obsolet. War der zweite Weltkrieg vorhersehbar? Der Fall der Mauer? Der 11. September? Obama selbst?

So versuchen wir Amis in kurzen Zeitspannen zu denken und verlassen uns drauf, dass wir die Probleme der Zukunft dann, in der Zukunft nämlich, lösen können. Stimmt ja auch: Wir können es, und auch die Deutschen können es.

Die Deutschen aber denken anders. Sie wollen alles für die Ewigkeit, darunter machen sie es nicht. Bei jedem Auto, das sie bauen, bei jeder jeder Entscheidung, die sie treffen, versuchen sie, sämtliche möglichen Vorkommnisse der Zukunft mit einzuplanen (das ist ein Grund, warum es hierzulande so wenige Innovationen gibt – man denkt so lange über Gegenargumente nach, bis man selbst überzeugt ist, es sei nicht machbar).

Auch politisch suchen die Deutschen immer wieder ein „System“ für die Ewigkeit. Sobald der Kapitalismus eine Krise hat, wollen sie ihn rausschmeißen und irgendein anderes System installieren, das endlich richtig funktioniert. Sie glauben an die Maschine, die jede neue Krise überwindet, weil sie perfekt gebaut ist. Selbst wenn sie ein Reich gründen, muss es mindestens … naja, tausend Jahre halten.

An den Amerikanern und an den Deutschen sehe ich immer wieder, wie wenig politische Ideen von objektivem Denken kommen und wie sehr sie ganz einfach von ihrer Mentalität und ihren Traditionen herstammen.

Deswegen setzt Merkel auf Sparkurs, Reformen und Strukturverbesserungen: Die Griechen sollen ermuntert werden, auch bei sich ein System zu installieren, das nie wieder eine Krise wie die heutige zulässt. Das ist natürlich utopisch, das weiß sie auch, und am Ende wird es auf einen Kompromiss hinauslaufen. Die Frage ist nur: wird es bis dahin einen Effekt haben? Was passiert, wenn Merkel richtig liegt? Ist es möglich, ein Europa aufzubauen, das stabil und volkswirtschaftlich souverän ist?

Im Moment sieht Europa eher wie ein Haufen verwöhnter Kinder aus, die das eigene Bankkonto nicht verwalten können und ständig nach Taschengelderhöhung schreien. Schafft es Merkel, die Grundlage für ein stabiles Europa zu legen, dann guckt die ganze Welt Europa und vor allem Deutschland mit neuem Respekt an. Und man wird sich fragen: Haben sie vielleicht doch recht, die Deutschen mit ihrem Langfristigkeitsfimmel?

Das will ich wissen.

Wednesday, May 02, 2012

Was ist "Stand Your Ground?"

Weil einige E-Mailer um eine Erklärung gebeten haben, hier die Hintergründe zum Fall Trayvon Martin:

Als George Zimmerman den unbewaffneten schwarzen Jungen Trayvon Martin in Florida erschoss und dafür nicht angeklagt wurde, stürzten sich die meisten Medien in Deutschland wie in Amerika auf das Thema „Rassismus in den USA“. Der Skandal schien klar: ein Weißer, der einen Schwarzen tötet, wird im rassistischem Amerika wohl nicht einmal mehr angeklagt!

Der junge Trayvon Martin war in dieser Nacht zu Fuß unterwegs, weil er in einem Laden etwas gekauft hatte und nun nach Hause ging. George Zimmerman war freiwilliges Mitglied der Nachbarschaftswache. Er sah Martin in der Dunkelheit, ahnte einen Kriminellen und folgte ihm. Es kam zu einer Konfrontation. Was dann geschah, kann nicht 100%ig rekonstruiert werden: Zimmerman, der hinterher wohl einige kleineren Schrammen hatte, behauptet, Martin hätte ihn angegriffen und er habe in Notwehr gehandelt; Zeugen behaupten, es war umgekehrt.

Zimmerman war bewaffnet, Martin nicht, und es kam, wie es kommen musste: Ein unschuldiger schwarze Junge lag tot da und einer, der eigentlich die Nachbarschaft schützen wollte, machte sich zum Mörder.

Die Polizei verhörte Zimmerman, einige Polizisten zweifelten an seiner Geschichte, Zimmerman wurde trotzdem freigelassen. Der Fall wurde zwar der Staatsanwaltschaft vorgelegt, aber diese zeigte kein Interesse daran, Zimmerman strafrechtlich zu verfolgen.

Das war der Skandal. Aber für diesen Skandal gibt es zwei Lesarten: die rassistische und die rechtliche. Die letztere ist die interessantere.

Erste Lesart: Zeugt der Fall von Rassismus?

Ja, aber nicht, wie Sie denken. Es hat sich einiges seit den 60ern geändert.

Die Morde durch den Ku Klux Klan und andere weiße Rassisten noch in den 60ern sowie die Unmöglichkeit, diese Mörder vor Gericht zu bringen – all dies basierte auf blankem Rassenhass: Die schwarzen Opfer wurden ermordet, weil sie schwarz waren, und die Gerichte haben es ignoriert, weil die Weißen im Staatsdienst ebenso rassistisch waren.

Im Fall Zimmerman/Martin jedoch gibt es keine Anzeichen von Rassenhass. Niemand behauptet, Zimmerman hätte Schwarze grundsätzlich gehasst.

Ganz frei von Vorurteilen war er aber wohl auch nicht: Zimmerman hat einen Schwarzen gesehen und ihn sofort der Kriminalität verdächtigt. Als es zu Handgreiflichkeiten kam, fühlte sich Zimmerman scheinbar gefährdet, weil er annahm, alle Schwarzen seien bewaffnet, wie viele Deutsche davon ausgehen, dass alle Türken einen Messer bei sich tragen.

Das ist zwar auch eine Art Rassismus, aber nicht von der Ku Klux Klan-Sorte. Es hat weniger mit „Rassenhass“ als mit „Vorurteilen“ zu tun. Einer wie Zimmerman kann eine schwarze Frau heiraten und trotzdem glauben, jeder Schwarze auf der Strasse Nachts sei ein bewaffneter Krimineller. Naja, jedenfalls theoretisch. Natürlich wissen wir nicht, wie Zimmerman wirklich über Schwarze denkt. Vielleicht wollte er an dem Abend tatsächlich einfach mal grundlos einen Schwarzen töten. Dafür gibt es aber keinerlei Anhaltspunkte.

Wichtiger noch ist die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft keine Anklage gegen ihn erhoben hatte (bis der Entrüstungssturm losbrach). War das nicht Rassismus?

Nein. Rechtlich hatte die Staatsanwaltschaft ganz andere Probleme: Sobald einer in Florida auf „Notwehr“ plädiert, ist er, mindestens in bestimmten Fällen, so gut wie unantastbar.

Ich stelle mir die Szene so vor: Da standen ein paar Polizeibeamte und Staatsanwälte herum, dieser Fall kam auf den Tisch, sie guckten einander an und einer sagte, „Drei Worte: Stand your ground.“ Und das wars.

Zahlreiche Tötungsdelikte in Florida und in einigen anderen Bundesstaaten werden nämlich heute überhaupt nicht mehr strafrechtlich verfolgt, weil sie alle ein ähnliches Merkmal aufweisen: es könnte sich dabei um eine bestimmte Form der Notwehr handeln, die gesetzlich geschützt wird – und zwar von einer Reihe von Gesetzen, die in den letzten Jahren in einigen Bundesstaaten, meist im Süden, erlassen wurden: den „Stand your ground“-Gesetzen.

Um dies zu erklären muss ich weiter ausholen.

Seit den 1960ern hatte sich die Gesetzgebung in den USA immer weiter verändert in der Richtung, dass Verdächtigen immer mehr Rechte eingeräumt werden, zum Beispiel das Recht auf ein Anwalt, etc. Solche Gesetze, die Kriminellen scheinbar in die Hände spielen, wurden immer mehr. Wenn ein Mörder freigelassen wird, nur weil ihm seine Rechte nicht vorgelesen würden, das stinkt vielen Amerikanern.

In den 1980ern setzte dann die Gegenbewegung ein: neue Gesetze räumten nun ganz normalen, gesetzten Bürgern – allesamt ja potentielle Opfer von Raub, Überfällen etc. – ebenfalls mehr Rechte ein. Darunter fallen auch die gelockerten Waffengesetze. (Nicht nur die Lockerung der Waffengesetze – ein Grossteil der konservativen, reaktionären Politik von heute ist ein fehlgeleitete Reaktion auf die moralische Orientierungslosigkeit der Hippie-Zeit.) Ein Bürger soll sich im Notfall schließlich selbst verteidigen dürfen – so war es im Wilden Westen, so soll es auch heute sein.

Aber was ist überhaupt „Selbstverteidigung“? Jeder kann ja sagen, „Ich habe ihn nicht ermordet, er hat mich zuerst angegriffen – ich habe nur aus Notwehr gehandelt.“

Die Gerichte kämpfen seit eh und je mit dieser Frage. Bis vor kurzem hieß es: Wird man angegriffen und ist zufällig bewaffnet, darf man die Waffe nicht gleich benutzen, sondern muss immer zuerst versuchen zu fliehen. Erst wenn man dann von dem Angreifer verfolgt wird, sich also aus der Situation nicht gewaltlos befreien kann, darf man schießen. „Notwehr“, im Falle von Waffengebrauch, erfolgt also nur als letzter Ausweg.

Einigen Amerikanern kam das unsinnig vor: Warum soll ich fliehen, wenn ich angegriffen werde? Damit drehe ich dem Täter doch den Rücken zu; ist er bewaffnet, hat er eine freie Schusslinie.

Also wurden in einigen Bundesstaaten die „Stand your Ground“-Gesetze eingeführt: „Weiche nicht zurück“. Seitdem haben viele Amerikaner das Gefühl, die Welt ist wieder in Ordnung: Ein Mann darf sich endlich wieder verteidigen, ohne zuerst wegzurennen!

Womit keiner gerechnet hat: praktisch kommen diese Gesetze vor allem Kriminellen zu gute. Seitdem ist es für Mörder nämlich ein Leichtes geworden, auf „Notwehr“ zu plädieren. Selbst wenn das Opfer unbewaffnet war, kann der Täter behaupten, sich bedroht gefühlt zu haben. Der andere ist ja tot: Wer soll ihm schon widersprechen?

In den Bundesländern, wo diese Gesetze eingeführt worden sind, bringen die Staatsanwälte Gangmitglieder inzwischen kaum mehr vor Gericht, denn sie plädieren sofort auf Notwehr: ihre Mordopfer sind zumeist Mitglieder anderer Gangs, und diese haben ja fast immer eine Waffe irgendwo liegen. Da wird jeder Mord zu Notwehr: „Ich fuhr im Auto an seinem Haus vorbei, er guckte aus dem Fenster und sah mich; ich wusste, dass er bewaffnet war und bekam Angst, also ballerten ich und meine drei Kompagnons 170 Kugeln durch das Fenster.“ (Na gut, das ist übertrieben … aber nur leicht.)

Die „Stand-your-Ground“-Gesetze geben dem Mörder in den meisten Fällen recht, solange keine klaren Gegenbeweise vorliegen. Für einen Staatsanwalt ist es purer Zeit- und Geldverschwendung, solche Fälle vor Gericht zu bringen. Sie sind völlig aussichtslos. Also verzichten sie immer häufiger auf die Anklage.

So war das auch bei Trayvon Martin: Zimmerman behauptete sofort, es sei Notwehr gewesen. Ein paar Leute in den Häusern drum herum hatten Geschrei gehört, aber niemand hatte den Vorgang genau gesehen – und so konnte niemand beweisen, dass es keine Notwehr war. Dank der neuen Gesetze reicht es aus, zu behaupten, Zimmerman habe sich bedroht gefühlt. Ein paar Schrammen auf seinem Gesicht und der Fall ist für den Staat von vorn herein verloren.

Ein reaktionäres und nicht durchdachtes Gesetz, das der Staatsanwaltschaft die Haende bindet, ist der Grund für die Klageabweisung, nicht Rassismus.

Hier haben wir also einen Mord – den Mord eines Unschuldigen zudem –, der von vorne bis hinten nach Rassismus riecht und dennoch nichts weiter als ein paar unappetitliche Vorurteile und ein dämliches Gesetz aufweisen kann. Kein Wunder, dass dies die Öffentlichkeit aufregt. Seit wann konnte Mord nur zu solch einer Bagatelle werden?

Dank des Skandals wird Zimmerman nun doch vor Gericht kommen. Je nachdem, wie empört die Jury ist, könnte es sogar sein, dass er verurteilt wird.

Das Wichtigste aber ist: Der Unsinn dieser Gesetze ist jetzt an die Öffentlichkeit gelangt. Nicht nur George Zimmerman wird vor Gericht stehen, sondern zum ersten Mal endlich auch die „Stand your ground“-Gesetze selbst – sowie der Umgang mit Waffen in Amerika selbst.