Tuesday, June 26, 2012

DEUTSCHLAND UND AMERIKA: KANN MAN SO ODER SO SEHEN

Komisch – es ist möglich, Deutschland und Amerika aus zwei gegensätzlichen Blickwinkeln zu betrachten und in beiden Perspektiven ein bisschen Recht zu behalten.

Gestern wurde ich eingeladen, in der TV-Talkshow Hart aber Fair nebst 4 anderen teilzunehmen. Das Thema ging um um „Fussball und Nationalismus“ - die Grünen hatten die alte 68er-These wieder hervorgekramt, dass wer bei EM-Spielen Fahnen schwenkt Patriotismus beweist, Patriotismus sei eine Vorstufe zu Nationalismus und (auch wenn niemand es laut sagt) Nationalismus ist natürlich eine Vorstufe zum 4. Reich.

Das Thema ist heiß umstritten, und meine Aufgabe war es, den Blick von aussen zu bringen: Dass niemand ausser den Deutschen eine solche Diskussion ernst nehmen kann, dass die Deutschen immer den Teufel an die Wand malen und viel zu viel über alles nörgeln, und dass Europa heute zu Deutschland mit neuen Respekt schaut und erwartet, dass Deutschland seine neue Führungsrolle übernimmt, sich mit wichtigen Themen befasst und mit dem ständigen Bauchnabelschau aufhört.

Unter den Reaktionen zu meinem Beitrag (auf Facebook und per E-Mail) waren zwei, die sehr ähnlich und sehr anders waren:

„Lieber nörgle ich ein bisschen, als ich im Jahr 2012 mit Autos durch die Gegend fahre, die 25 l/ 100 km verbrauchen und einen shit auf die Zerstörung der Umwelt gebe.

Oder jedem redneck, der noch nicht mal seinen Namen schreiben kann, einen Hauskredit zu geben und damit die Welt in die schwerste Finanzkrise aller Zeiten zu stürzen.

Oder im Jahr 2012 Soldaten in Afghanistan einzusetzen, die einem Toten die Hand abhacken und sich mit Stinkefinger fotografieren lassen,oder auf die Leiche urinieren.

Oder den Begriff "all you can eat" in die Welt zu tragen und im eigenen Land 64% Fettleibige zu haben. Oder, oder, oder...

Wie rechtfertigt Ihr Amerikaner Eure Arroganz jeden Tag vor Euch selbst? Eure Maßregelungen und Besserwissereien will niemand auf der Welt mehr hören.“


Minuten später kam diese Mail (auf Englisch – obwohl die Sendung ja nur auf Deutsch war; hier meine Übersetzung):

„Gerade habe ich Sie bei Hart Aber Fair gesehen. Sie sagten, dass Europa zu Deutschland für Führung schaut. Woher haben Sie die Idee? Merkel und ihre Politik haben Europa in die Katastrophe getrieben. Zum dritten Mal in weniger als 100 Jahren, möchte dazu sagen.

Deutsche sind Deutsche und sie ändern sich nicht, wie wir gesehen haben. Sie können niemandem etwas beibringen. Sie können nicht erwarten, dass andere so werden wie sie. Das ist doch krank.“


Ach, es gefallt mir hier in Deutschland!

5 comments:

Michael said...

Hallo!
Ich habe die Sendung gesehen und finde leider waren Sie der Gast, der viel zu weinig zu Wort kam. Schade habe nur wegen Ihnen eingeschaltet.

Ich mag die Deutschen und auch die Amerikaner, aber was bitte haben die Amerikaner gegen eine Krankenkasse. Und warum wird alles gleich zur DDR (socialism) wenn der Staat etwas reguliert? Ich schaffe es auch nicht die US Bekannten zu überzeugen, dass wir ganz gut mit unserer gesetzlichen Krankenkasse zurecht kommen. Bin für Tipps dankbar. Weiter so! Michael

Eric T Hansen said...

Hi Michael!
Was wir gegen eine staatlich regulierte Krankenkasse haben hä gt mit unserer Mentalität zusammen - es hat nichts mit rationalen Denken zu tun! Das erkläre ich im neuen Buch Planet America aber vermutlich auch demnächst in diesem Blog. Daher nur eine kurze Antwort hier. Aber danke für das Kommentar und die Unterstützung! Bis später - Aloha - Eric Hansen

Jonas Willingstorfer said...

Wir Deutsche sind schon ein komisches Völkchen. Worüber wir nämlich am liebsten nörgeln ist die Tatsache, dass bei uns soviel genörgelt wird!

Tolle Sendung zu einem eigentlich unnötigen Thema.
Ein Punkt wurde aber m.E. nicht aufgegriffen: Unser Diskussionshabitus selbst, der bei heiklen Fragen gerne damit endet, dass jemand als Nazi dargestellt wird. Die letzte Keule, wenn es keine Argumente mehr gibt, ist doch immer: "Sie sind ja ein Nazi!" :D

Übrigens werden auch in Israel Debatten so gerne vorzeitig beendet und man warten auf den darauffolgenden Shitstorm. :D

Ich glaube, dass unter andem auch deswegen Patriotismus als Ausgeburt der Nazi-Ideologie immer Abwehrreflexe bei Deutschen hervorruft.
Wie auch immer, ich als Möchtegern-Weltstädter in Berlin bin tolerant und weltoffen auch für die Fanmeile! :)

Anonymous said...

Amerikaner und die Krankenversicherung

Ich denke, die Befürworter sollten besser die KV als einen wahrlich patriotischen Akt verkaufen.

Mir will es nach 8 Jahren USA nicht in den Kopf, was daran patriotisch sein soll, wenn der eine Nachbar seine Kinder als Soldaten in den Irak schickt, während der andere noch nicht mal ein paar Kröten locker machen will, damit eben jeder Landsmann sich seine Gesundheit auch leisten kann.

Warum glauben die Amerikaner, mit der "mandatory health insurance" zieht gleich der Kommunsimus ein, während niemand seine Car Insurance (die eben auch "mandatory" ist) ernsthaft in Frage stellt.

morri said...

ag, Wenn man die Kommentare sieht auf Zeit online etc sehe frage ich mich ob die kommentatoren entweder nichts weiteres zu tun haben, oder aus Prinzip dagegen oder verpasst haben das die Artikel nicht von politikwissenschaftler/wirtschaftswissenschaftler sondern von einem Satiriker geschrieben wurden.
Irgendwo im netz(habdie Seite gerade nicht parat auf diesem Computer) gibts noch ne schoene Seite fuer die ernsthafteren kommentatoren ueber Amerikanische Institutionen etc.