Tuesday, July 31, 2012

Treffen sich zwei Missionare und die Polizei...

Nachtrag zu Zeit Online:

In der veröffentlichten Version gab es leider kein Platz für meine Lieblingsanekdote aus der Missionszeit. Also hier ist sie:


Am lustigsten wird es, wenn die Polizei eingeschaltet wird.

Einmal ging ich mit meinem Mitarbeiter in Dortmund von Tür zu Tür, als wir merkten, dass mehrere Polizisten aus drei Autos hüpften und in das Wohngebäude rannten, das wir gerade verlassen hatten. Wir waren vorgewarnt: am Abend zuvor war wieder eine Sendung ueber Sekten gelaufen.

Damit nicht noch mehr Chaos ausbrach, gingen wir zurück und stellten uns. Während die anderen herumstanden und versuchten, nicht lächerlich auszusehen, überprüfte der leitende Beamte unsere Ausweise und stellte fest, was wir tun, sei rechtens. So einfach konnte er natürlich nicht mit drei Streifenwagen wieder abziehen. Also durchsuchte er die Bibel und die Flugblätter in unseren Rucksäcken, bis er unser Klingel-Heft fand.

Darin notierten wir jede Wohnung, die wir schon besucht hatten, damit wir nirgends zweimal klingeln und die Leute belästigen. Das erklärten wir, und auch das wurde akzeptiert, bis er weiter hinten im Heft blätterte. Dort hatten wir Sprüche notiert, die uns in schlechten Zeiten motivieren sollten: „You can do it!“, „Gib nie auf!“ und so weiter.

„Was ist das hier?“ fragte er mit geradezu detektivischem Spürsinn.

Ich las vor: „You can't always get what you want, but if you try sometimes, you get what you need.“

„Und auf Deutsch?“

Ich übersetzte: „'Du kriegst nicht immer alles, was du willst, aber wenn du dich anstrengst, kriegst du, was du brauchst.'“

Das kam ihm bekannt vor. „Es ist von den Rolling Stones“, sagte ich hilfreich. „Das ist so eine Musikkombo.“

Er versuchte, weiterhin ernst zu gucken, aber am Gesichtsausdruck merkte ich, was er dachte: „Für diesen Scheiss bin ich nicht Polizist geworden.“

Er ließ uns gehen mit dem Rat, den Rest des Tages freizumachen, den wir auch befolgten.

Endlich ein Präsident, der die Europäer kennt...

Spätestens seit letzter Woche muss jedem klar sein, dass Mitt Romney zur Außenpolitik etwa so tauglich zu sein scheint wie einst Sarah Palin. Kaum in London angekommen, trat er ins Fettnäpfchen: Er kritisierte die zahlreichen Pannen der Olympischen Spiele 2012 und wies darauf hin, dass damals, als er die Winterspiele in Salt Lake City mit organisierte, nicht so geschludert worden sei.

Sofort war die Hölle los: Selbst konservative Kommentatoren in Amerika jammerten, dass Romney unseren wichtigsten Verbündeten in Europa beleidigt hätte, ein internationaler Affront sei das, peinlich, peinlich.

Nur ich bin gar nicht so sicher, dass es ein Versehen war. Im Gegenteil. ...

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Tuesday, July 24, 2012

Wir Amis schiessen einfach gern!

Wir Amerikaner lieben unsere Waffen, und daran sind die Europäer schuld.

Es fing vor mehr 250 Jahren an. Damals herrschte in Europa noch das mittelalterliche Prinzip: Nur der Adel darf Waffen tragen. Zwar leisteten sich schon manche Länder so etwas Neuartiges wie ein stehendes Heer, in dem auch ausgewählte Mitglieder des Pöbels im Umgang mit Waffen trainiert wurden. Dennoch blieben Waffen insgesamt Sache der Obrigkeit. ...

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Wednesday, July 18, 2012

Nur ein rückgratloser Präsident ist ein guter Präsident

Ganz schön mutig, dieser Mitt Romney. In der vergangenen Woche stellte sich der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner vor die versammelte Schwarzenlobby (National Association for the Advancement of Colored People, NAACP). Bei deren Versammlung in Houston erklärte er, ohne mit der Wimper zu zucken, warum er für die Schwarzen der bessere Präsident sei als jener, der zurzeit im Weißen Haus sitzt.

Zwar wurde gebuht, aber hinterher, draußen vor den TV-Kameras, merkten einige Schwarze dann doch anerkennend an, wie tapfer der Mann war, überhaupt dort aufzutauchen.

Immerhin gehört Romney einer Kirche an, die erst in den Siebzigern Schwarze zur Priesterweihe zugelassen hat. Ich war auch Mormone damals – und ich weiß noch, wie mein Vater das einzige schwarze Mitglied unserer Gemeinde daraufhin zum Sonntagsbraten einlud. Es war ein Abend der politischen Korrektheit und des peinlichen Schweigens. Ich glaube, am Tisch wurden insgesamt drei Sätze gewechselt.

Die Wahrheit ist: Romney hatte keine Wahl.

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Tuesday, July 10, 2012

Schwulen, Streit und die Amis

Wir Amis lieben Streit. Wir lieben den Kampf zwischen brutalen Gegnern, die vor nichts zurückschrecken, wir lieben die Spannung eines harten Tauziehens, das ewig hin und her geht. Wir lieben die Erfindung neuer Argumente, egal wie absurd und verzweifelt sie sein mögen. Wir lieben es, wenn es einen klaren Gewinner gibt, den wir bewundern können, und einen klaren Verlierer, über den wir uns lustig machen können.

Vor allem lieben wir große politische Streitfragen, die über Generationen hinweg ausgefochten werden. Deutschland ist dagegen eine idyllische Konsens- und Kompromissgesellschaft.

Wann immer möglich, entschließen sich die Deutschen einfach, einer Meinung zu sein. Fast alle Deutschen lieben Mülltrennung, den Sozialstaat und die militärische Nicht-Einmischung, und ob die Atomkraft vielleicht doch ein paar Pluspunkte hat, wird nicht diskutiert. Da herrscht Konsens, und Konsens untergräbt man nicht.

Ein gutes Beispiel ist die Homo-Ehe.

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Tuesday, July 03, 2012

Neue Kolumne auf Zeit Online: Planet America

Da saß ich, eingequetscht auf einer Bank in einem kleinen Berliner Biergarten, umgeben von grölenden Deutschen in bizarrer Verkleidung: eingewickelt in die Deutschlandfahne, angemalt in den Deutschlandfarben, auf dem Kopf Stangen wie Insektenantennen, auf denen Deutschlandwimpel hin und her schwankten.

Auf einmal verschwand die deutsche Nationalelf vom Großbildschirm. Stattdessen sah ich Bilder von grölenden Amerikanern, in die US-Fahne eingewickelt, mit den US-Farben angemalt, auf den Köpfen bizarre Hüte mit US-Wimpeln.

Kurzzeitig verlor ich die Orientierung: "Hat Amerika gerade die Europameisterschaft gewonnen?" ...

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