Europa ist eine amerikanische Idee

Das Beobachten der Deutschen ist nicht nur ein lustiger Sport, es kann auch manchmal ganz schön spannend sein.

Zum Beispiel als verkündet wurde, dass der diesjährige Friedensnobelpreis an die Europäische Union geht. Das war eine Überraschung, meine deutsche Lebensgefährtin Astrid und ich schauten uns verdutzt an. "Drei Stunden," sagte ich. "Zwei", hielt sie dagegen.

"So schnell schaffen es die Deutschen nicht", meinte ich. "Sie müssen sich erst mal etwas einfallen lassen. Und die Worte dafür finden. Außerdem ist gleich Mittagspause. Sie brauchen mindestens drei Stunden."

"Ich glaube an die Deutschen", sagte sie. "Sie sind fleißiger und fantasievoller, als du denkst. Ärgern tun sie sich eigentlich immer, und aufschreiben können sie das auch. Ich sage: unter drei Stunden." ...

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Comments

Anonymous said…
"Europa" ist keine amerikanische Idee. "Europa" ist eher eine napoleonische Idee. Napoleon war bekanntlich der Erste der Europa in einen demokratischen Superstaat verwandeln wollte. Heine hat schwer bedauert, dass es nicht gelang. In Deutschland hat der Versuch ähnlich schwere Traumata ausgelöst wie heute die Interventionen in Afghanistan oder in Irak bei den Muslimen.
Schon deshalb fand ich diese "Interventionen" eher daneben.
Die USA sind ein Nationalstaat und dass Texas diese Union verlassen könnte ist ähnlich realitätsnah wie die entsprechende Drohung Bayerns oder Schottlands.
Die USA waren von Anfang an ein Nationalstaat. Ein Experimentierkasten in dem sich verschiedene europastämmige Intellektuelle austoben konnten. Europa besitzt eine wesentlich längere und vielschichtigere Vergangenheit.
Meiner Meinung nach geht es in der EU eher darum die Vorteile der Ära vor 1789 und die Vorteile der Ära nach 1789 positiv miteinander zu verbinden. Vor 1789 lebten unterschiedliche Völker friedlich beisamen. Das verbindende Element war die (katholische) Religion. Seit 1789 herrscht Religionsfreiheit und das verbindende Element ist die Nation. Vor 1789 gab es Kriege, aber keine großen Schlachtfelder. Das Opfer wurde in der Kirche (symbolisch) dargebracht. Seit 1789 gibt es Massenschlachten. Das Individuum muss bereit sein sich selbst auf dem Altar des Vaterlandes darzubringen.
Bei der EU geht es darum beide Pole auf positive Weise zu verbinden. Das ist eine typisch europäische Idee. Die USA sind im Dickicht des Nationalstaats (oder - wahns) stecken geblieben.
Eine United states of Europe wird es nie geben. Aber vielleicht eine Föderation europäischer Staaten.
Das wünsche ich mir. Darauf hoffe ich.
Davon könnte auch die USA einiges lernen....!

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