Warum niemand Deutschland ernst nimmt...

Nichts ist so vorhersehbar wie die Deutschen, wenn sie von Angesicht zu Angesicht mit einer echten internationalen Krise konfrontiert werden. Beispiel: Der Bürgerkrieg in Syrien oder der Militärputsch in Ägypten. Vor zwei Wochen noch empörte sich jeder über das Blutvergießen, Chaos und menschliche Leid und es hieß: "Wieso tut keiner was? Warum zögert Obama?"

Und das ohne jede Ironie wohlgemerkt. Einerseits reden alle davon, dass Amerika keine Supermacht mehr ist und seine Rolle als Führer der westlichen Welt verloren hat. Dann bricht irgendwo ein Krieg aus und es heißt nicht: "Warum unternimmt China nichts?", sondern: "Wie kann Amerika das zulassen?"

Das ändert sich aber schlagartig, falls Amerika wirklich etwas unternimmt. Im Falle Syriens erwägt es in diesen Tagen tatsächlich, etwas zu tun. Zwar redet niemand in Amerika von einer Beteiligung am Bürgerkrieg in irgendeiner Form (obwohl das hierzulande so dargestellt wird), sondern ausschließlich von einem begrenzten Luftschlag, um Syrien zu zeigen, dass wir seinen vermuteten Einsatz von Giftgas nicht gutheißen.

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Comments

Roland Muetzel said…
Ich lese Ihre Artikel ja immer wieder gerne. Sie klingen immer ein wenig wie Wilhelm der Zwote. Platz an der Sonne und so weiter. Bitte nicht falsch verstehen. Geht ja immer runter wie Öl.
Aber mal zu diesem Artikel.
1. Wollen die westlichen Großmächte (USA, UK, Frankreich) denn wirklich, dass Dtl. sich verstärkt weltpolitisch engagiert? Oder ist es nicht vielleicht auch für diese Mächte wesentlich bequemer wenn Dtl. im Zweifelsfall nur rhetorischen oder finanziellen Beistand leistet?
2. Deutschland ist historisch und geographisch nun mal ein mittel- oder zentraleuropäisches Land.
Deutschland hatte historisch seit dem Mittelalter und auch aktuell immer Interessen im Osten. Würde ein neuer "Kalter Krieg" ausbrechen, wäre Dtl. einer der Hauptleidtragenden.
Wenn man das nun zusammen denkt, ist die derzeitige Position Dtls. dann nicht vielmehr konsequent und folgerichtig?
Wenn man fordert, dass Dtl. eine weltpolitische (Führungs)rolle einnimmt, muss man dann nicht auch mitbedenken oder auch befürchten dass Dtl. sich aus realpolitischen Gründen auch mal gegen die westlichen Großmächte stellt?
Deutschland ist politisch und gesellschaftlich gesehen (glücklicherweise) ein westliches Land. Wirtschaftlich hat es aber auch große Interessen in Osteuropa und Russland.
Ist es also nicht folgerichtig, dass Dtl. sich verhält wie ein "Greater Switzerland"?
Mich würde wirklich interessieren wie Sie das sehen und würde mich ehrlich freuen wenn Sie auf diesen Blogeintrag einmal antworten würden!
Freundliche Grüße,
R.M.
Eric T. Hansen said…
Hi RM!
Schöne Fragen!
1. Ich denke schon, dass es für USA/UK/FR bequemer ist, wenn Deutschland die Klappe hält. Es ist auch für Deutschland bequemer. Ich schreibe aber nicht für Amerikaner und argumentiere auch nicht aus amerikanischer Sicht, sondern frage mich, was ist besser für Deutschland. Ich gehöre zu den Menschen, die gern stolz wären auf Deutschland (na gut, wie gesagt, DE leistet tolle Sachen wirtschaftlich und sozial), und rumzusitzen und zu meckern, aber zum Dialog und zur Lösung nichts beitragen, ist das Verhalten eines kleinen, unbedeutenden und bequemen Staates.
2. Stimmt auch: Wenn DE sich einmischt, kann es gut sein, dass es sich gegen USA stellt. Das ist übrigens nichts neues: In Sachen Irak, Atomkraft, Genfood tut Deutschland das schon und mit Erfolg. Ich als Demokrat finde es gut, wenn es mehr als eine Stimme auf der Welt gibt: Auch wenn ich nicht immer mit den Deutschen übereinstimme, halte ich es für wichtig, dass es in der westlichen Gemeinschaft auch Gegenstimmen zur USA gibt. Das kann Deutschland leisten. DE muss nicht dafür radikal anti-Amerikanisch werden - das liegt nicht in seiner Interessen - aber jetzt zum Beispiel in Sachen Syrien könnte DE ruhig mit einer anderen Lösung kommen. Ich habe keine Achtung oder Bewunderung für die Schweiz. Ich halte die Schweiz für erfolgreich aber eigensüchtig und als Staat asozial: Sie trägt nichts bei. DE aufgrund seiner Grösse, aufgrund seines Erfolges und weil es so viel von den anderen Staaten bekommen hat (deutsche Wirtschaft ist zum grössten Teil ein Exportwirtschaft) hat noch mehr Gründe als die Schweiz, in der Welt Verantwortung zu übernehmen. Nur sich um die wirtschaftlichen Interessen kümmern ist vielleicht tatsächlich klug - aber für uns da draussen in der Welt völlig nutzlos und alles andere als moralisch korrekt - Egoismus ist nicht Altruismus.
Danke für das Kommentar - ich antworte auf Kommentare nicht immer, weil Zeitdruck, aber freue mich immer - Aloha, ETH
Roland Muetzel said…
Hallo Herr Hansen,
vielen Dank für Ihre Antwort.
Ich möchte mal folgenden Artikel verlinken.
Sozusagen als Antwort.
Ich denke er trifft den Nagel auf den Kopf. Und ich könnte mir vorstellen, dass Sie ihm ebenfalls zustimmen.
http://www.wiesaussieht.de/2013/09/03/ueber-die-interessen-der-usa-in-syrien/
Schöne Grüße!