Saturday, December 06, 2014

Wird Amerika untergehen?

Die FAZ hat neulich 45 Gründe genannt, warum Amerika untergehen wird. Da hat jemand bei der FAZ in Geschichtsunterricht geschlafen. (Hier)

In der internationalen Politik gibt es in meiner Erfahrung kaum ein größerer Wunsch der Deutschen, als dass Amerika endlich zusammenbricht. Warum? Amerika funktioniert von unten nach oben funktioniert, und nicht umgekehrt, wie das in Deutschland und in weiteren Teilen von Europa der Fall ist. Deshalb sind die USA vielen Deutsche ein Affront. (Wenn jemand schreibt, Amerika sei “unregierbar”, meint er, “Amerikaner werden nie eine Obrigkeit ganz anerkennen”. Stimmt ja auch.).

Die hoffnungsvolle und Ressentimentbeladene Vorhersage, Amerika breche gleich zusammen, höre ich seit 30 Jahren und kenne ich geschichtlich gesehen seit über 200 Jahren – als der Friedrich der Große George Washington zu seinem Sieg über England gratulierte, schrieb er gleich die Vorhersage mit, ein amerikanischer demokratischer Staat kann niemals funktioniert, weil ein Staat, der vom Pöbel regiert wird, nicht regierbar sei und zusammenbrechen muss. (Die Vorhersagen der Franzosen gehen noch weiter zurück – die Europäer waren von Anfang an bewusst, dass ein großer amerikanischer Staat das ganze europäische System in Frage stellen würde). Friedrich hatte recht, dass Amerika ein Pöbelstaat ist, aber wir haben zum Bedauern vieler Europäer bewiesen, dass ein solcher Statt stabiler ist als ein Obrigkeitsstatt, wie er in Europa immer noch praktiziert wird.

Seit der Gründung Amerikas 1776 ist Amerika nicht einmal zusammengebrochen bzw. hat nicht einmal die Staatsform gewechselt, selbst nicht während den größten Krisen (Bürgerkrieg und Weltwirtschaftskrise 20. Jht.). Das ist also über 200 Jahre Pöbelstaat.

Obrigkeitsstaat Deutschland schafft es dagegen nur selten länger als ein paar Jahrzehnte, zusammenzuhalten. Seit der Gründung 1871 ist Deutschland sage und schreibe 4mal zusammengebrochen bzw. hat den Staatsform gewechselt: 1918, 1933, 1945 und (Teil) 1989. Der Pöbelstaat sieht unstabil aus (weil Pöbel eben), ist aber in Wahrheit stabiler als der Obrigkeitsstaat.

Heute sieht Deutschland stabil aus, weil hier soviel Ordnung herrscht (auch nach dem Freispruch von Beate Zschäpe wird es hier keine Unruhen geben), doch die Stabilität von Deutschland dauert traditionsgemäß nur so lange, bis eine echte Krise kommt.

Das ist dann auch die große Frage über Deutschland, die sich Außenstehenden stellen: Wird Deutschland weiterhin standhalten, wenn die große Krise kommt? Wenn ich sehe, wie die Deutschen bei jeder kleinsten Krise in Panik geraten und “das Ende des Kapitalismus” deklarieren, oder wenn sie bei der ersten Aggression an ihrer Grenzen sofort Appeasementpolitik fahren oder gleich kapitulieren wollen – da habe ich meine Zweifel, ob dieses Land den kommenden Herausforderungen erwachsen ist. 

Warum schauen wir Amis keine synchronisierten Filme?

Marcus fragte, warum Amerikaner keine synchronisierte Filme, nur selten untertitelte Filme gucken und lieber gute ausländische Filme neu drehen, anstatt sie im Original anzugucken?

Ich habe 15 Jahre in Filmjournalismus hier in Deutschland gearbeitet und mich diese Frage immer wieder gestellt, und es gibt eine ganze Reihe von Antworten:

1. Wir schauen synchronisierte Filme grundsätzlich nicht. Wir sind einfach nicht daran gewöhnt, und da merken wir (und können nicht übersehen), dass die Worte nicht zu den Lippenbewegungen passen. Als ich nach Deutschland kam dauerte es echt ein Jahr, bis ich irgendwas im Deutschen Fernsehen laenger als fuenf Minuten schauen konnte: Merkt denn keiner, dass sie etwas anderes sagen, als was man hoert?

2. Dazu kommt, dass wir großen Wert auf Stimme legen. Das ist ein großer Geheimnis der amerikanischen Schauspielerei: Die Stimme genießen wir fast ebenso wichtig wie das Gesicht. Das kommt aus der Tradition der „Method Acting“, in der jeder Schauspielre versucht, möglichst einzigartig zu sein. Das bedeutet auch, dass man viel nuschelt – wie im richtigen Leben. Eigene Arten zu sprechen und das Nuscheln, das erscheint uns realistisch. Synchronsprecher kriegen das nicht hin. In Deutschland kennt man „Method Acting“ nicht, man legt großen Wert auf eine Art standardisierte Schauspielerei und standardisiertes Sprechen. Nicht nur in der Schauspieler, auch im richtigen Leben: Deswegen gibt es „Hochdeutsch“, ein Phänomen, den es in den meisten anderer Ländern nicht gibt. Synchronsprechen ist eine Art Standardisierung, die wir Amis als „künstlich“ erleben.

3. „Ausländische Filme“ werden in Amerika oft gesehen, öfters als die Deutschen glauben, aber nur mit Untertiteln (damit die Texte zu den Lippenbewegungen passen). Sie müssen aber etwas bieten, was wir sonst nicht haben. Kung Fu-Filme können wir Amis nicht machen, zum Beispiel, sie werden importiert. Auch die großen intellektuellen Filme aus Europa der 60er und 70er – diese kurze Glanzzeit des europäischen Kinos hat uns damals fasziniert, und das hat auch eine Art Standard für uns gesetzt. Aus Europa heute erwarten wir intellektuell herausfordernden Filme. Nur, Europäer drehen heute nur selten intellektuell herausfordernden Filme.

4. Die intellektuellen europäischen Film der 60er und 70er haben auch ein Standard gesetzt für „Untertitelfilme“ – sie gelten als intellektuell und es gehen in Amerika nur Intellektuelle rein. (Das stimmt nicht ganz – in den 70ern sind wir in untertitelte Kung Fu-Filme reingegangen, das war auch nicht intellektuell). So haben untertitelte Filme den Ruf, nur für versnobte, elitäre, Möchtegern-Intellektuelle interessant zu sein. Das ist in Amerika nicht nur ein enges Publikum, es ist auch irgendwie dreckig – viele Amis wollen elitär bzw. Snobs sein, wissen aber, dass das in Amerika verpönt ist.

5. Dennoch weißt jeder in Hollywood, dass es im Ausland immer noch gute Ideen gibt. Produzenten schauen immer wieder ins Ausland für gute Filme und gute Talente. Deshalb arbeiten auch so viele Deutsche in Hollywood, nach wie vor. Auch Themen: von TV Shows wie „The Office“ bis Blockbuster grasen wir oft das Ausland ab und setzen es in Hollywood neu um. Mit einem Film mit authentischen Original-Stimmen und mit einer hochwertigen Hollywood-Produktion kann man ein größeres Publikum anziehen al mit einem untertitelten Film.

6. Dazu kommt, dass es für uns Amerikaner selbstverständlich ist, dass wir Filme aus unserer eigenen Produktion gucken. Film ist ein Teil der Kultur, er ist ein Spiegel, der wir uns vorhalten. Ein Spiegel aus einer andere Kultur reflektiert nicht uns, sondern die andere Kultur. Wir sind immer wieder erstaunt, dass vielen Länder ihre eigene Filmkultur gar nicht haben. Wir fragen uns, warum machen die Deutschen keine Filme machen, die die Deutschen selber gern angucken? Deutschland produziert im Jahr so viel Filme wie Amerika, aber niemand außer einer kleinen Handvoll wollen die Filme angucken. (Ich weiß inzwischen, dass das Absicht ist – die Filmemacher wollen filme für eine vermeintliche Elite machen und lehnen deshalb ein breites Publikum ab – und kriegen auch keine Elite.) Offenbar hat Deutschland alle Mittel, um Publikumsfilme zu machen – wir Amis produzieren ja Filme in Deutschland mit deutschem Geld und mit deutschem Talent, also könnten die Deutschen es auch tun, wenn sie es wollten. Stattdessen schaut das deutsche Publikum amerikanischen Filme konsumieren damit nicht ihre eigene Kultur, sondern unsere. Es ist uns ein Rätsel, warum die Deutschen ihre eigene Kultur und ihr eigenes Publikum auf diese Weise verachten.


Thursday, November 27, 2014

Thanks

It’s that time of year again: Too much to eat, too much to drink, too much sentimentality. I love it. The most important Thanksgiving tradition is to say what we’re thankful for. So here goes:

I am grateful for my girlfriend, companion and co-writer Astrid. I am grateful for the tremendous effort she puts into striving to make our relationship work. I am grateful for her voice, for her taste in books and movies, for the non-conformist and sharp-witted way she looks at the world we live in and the human beings we are.

I am thankful for my family, especially the one closest to me, April, but also those far away to whom I have much less contact. I am grateful to my friends, whom I tend to neglect. I’m not a very emotive or communicative or outgoing guy, and I appreciate friends who don’t seem to mind. I am grateful for the others who support me in small ways, even Facebook friends or readers I don’t know well, who leave comments, speak their mind, say hello.

I am grateful that I can write professionally, that this is my life. It’s the only life I’ve ever wanted to have, no matter the ups and downs, they are worth it. I am grateful for the opportunity to write something new, in in this case a trilogy of murder mysteries, which has turned out to be much harder than I expected, but I am slowly coming to see the light at the end of the tunnel. It’s turned out to be a challenge not only technically, from a writing perspective, but also to my soul – I’ve never written anything so dark – for this challenge, I am also grateful. 

I’m grateful to live in such a wonderful world, which is so different and better than the world at any other time. I am grateful to have  black president, which was not possible for so long, and I am grateful that that president is Obama, who has done a ton of good, even though his mistakes and crises will be remembered more. I am grateful even for things like the Ferguson riots – I am proud that Americans can still speak their minds and even though it’s unpopular to say it, I am convinced that America will solve its problems.

I am grateful for Germany, which has given me a home and a career and a life. Even though I get a kick out of pushing their buttons, the Germans are a great people not only because they have such a “well-functioning” society, but also because they are really good people. I am grateful that they allow me to write here even as I will continue to criticize them and try to push them into places they don’t want to go, in my own little way. I feel that many audiences/readerships would be much less open to what I have to say, saying it, as I do, so critically.

I’m thankful to live in a world that tells so many stories and is so good at it. I happen to love stories and story-telling, that’s what writing is about for me, and the forms and perfection of story-telling today is tremendous. (Astrid got me a PlayStation for Christmas and I love it.) I just realized that this year: This is the golden age of storytelling in all its forms. That’s one of the many reasons I am grateful to be living today.

Thursday, July 17, 2014

Zum Abschied, ein "Best of"-Abschiedsbriefe!

Dear Eric,

Ich spüre heute noch Ihren kurzen, trockenen Haken auf die nationale Leberspitze. Von den unerlaubten Tiefschlägen gar nicht zu sprechen. Lesen konnte mit Ihnen scheußlich weh tun. So etwas lernt man wohl nur in der Bronx. Und Schmerz kann so verdammt süchtig machen.

Es ist schon eine Gabe, aus den Deutschen mit Deutschlandkritik so viele Reaktionen zu entlocken, einem Volk, dass es so liebt, die eigenen Stärken zu verleugnen. Ihr bester Text, Herr Hansen, war der, in dem Sie beschrieben haben, wie die Deutschen Amerika beherrschen. Urkomisch! Hansen wird fehlen! Immer provokant and that’s it! Ihre Kolumnen haben gezeigt, dass die Differenzen zwischen den USA und Europa noch wesentlich größer sind, als man gemeinhin so glaubt.

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Die letzte Kolumne: Deutschland, erkenne dich selbst!

Ab und zu bekomme ich eine wütende E-Mail, in der damit gedroht wird, wenn die USA so weitermachen, wende sich Deutschland aber bald von ihnen ab – und stattdessen Russland zu.

Warum solche Drohungen ausgerechnet an mich gerichtet sind und nicht ans Weiße Haus, weiß ich auch nicht. Trotzdem bekomme ich sie so oft, dass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass manche Deutsche gar nicht begreifen, wer sie heute sind.

Die Idee, Deutschland könne Amerika als Partner Nummer eins durch Russland ersetzen, diese Idee funktioniert nur, wenn man glaubt, der Kalte Krieg sei noch nicht vorbei. Damals kämpften die USA und die UdSSR um den Vorrang und kleine Vasallen wie Deutschland mussten sich entscheiden, wem sie ihre Treue versprechen. Ähnlich wie ein Kind bei der Scheidung seiner Eltern. Aber ein Kind ist zu jung, um den dritten Weg zu gehen: Nämlich ein eigenes Leben auf die Beine zu stellen und auf die Spielchen seiner verzankten Eltern zu pfeifen.

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Wednesday, July 16, 2014

Auch noch das: der weisse Schimmel

Es gibt eine Menge Verbote in Deutschland, und neue werden jeden Tag erdacht. Auch Autoren erfinden ständig neue Verbote für ihre eigene Zunft – vielleicht aus Langweile. Ein solches ist das „weißer-Schimmel“-Verbot: Man darf diesen Begriff nicht schreiben, weil jeder Schimmel weiß ist. Ich lasse mir aber nichts verbieten:

Zwei Schimmel kommen in den Baumarkt. Sie wollen ihre gemeinsame Wohnung anstreichen und suchen Farbe. Doch sie sind uneinig. Ein Schimmel will die Wohnung weiß anstreichen, der andere schwarz. Ein Streit entfacht sich und bald übergießen die wütenden Schimmel einander wiehernd mit Farbe, bis einer weiß und der andere völlig schwarz ist.

Dem Manager gelingt es nicht, die beiden Schimmel zu beruhigen, also ruft er die Security, die endlich kommt und die beiden auseinander reißt.

Da will der Securitychef wissen, was hier passiert ist, und er fragt den Manager: „Wer hat angefangen? Der schwarze Schimmel oder der weiße Schimmel?“

Meine letzten Kommentare in den Kommentar-Spalten von Zeit Online!

Zum Schluss meiner Kolumne habe ich ein paar Kommentare vorbereitet, die ich in den Kommentar-Spalten meiner letzten Kolumne veröffentlichen werde, Hier sind sie:

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen vielen Fans in den Kommentarspalten in aller Form entschuldigen. Aber zuerst, ein paar freundliche Hinweise an die paar Antiamerikaner, die diese Kommentarspalten in den letzten zwei Jahren für sich beansprucht haben:

1. “God’s Own Country”

Üblicherweise bezeichnet dieser Begriff in der englischsprachigen Welt Neuseeland. Ist auch wirklich schön da.

2. “Sie können nicht Äpfel mit Birnen vergleichen”.

Doch, doch, das geht wunderbar:

Äpfel wie auch Birnen sind rundlich in der Form – im Gegensatz zu einer Banane zum Beispiel. Beide wachsen auf Bäumen, nicht auf Sträuchern. Beide kann man mit Schale essen – die Ananas nicht. Beide gehören in Europa zu den Standardobstsorten, anders als die exotische Papaya. Beide sind merklich süß, machen einen hervorragenden Obstler und werden so gut wie nie mit Gemüse verwechselt – im Gegensatz zu der Tomate.

Nein, nein, ich habe kein Problem damit, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. (Ich kann übrigens auch guten Gewissens „weißer Schimmel“ schreiben, aber das ist eine ganz andere Geschichte.)

3. „Es gibt ‚die Deutschen’ gar nicht.“

Oft wenn einem die Argumente ausgehen, greift man auf das Argument zurück, „die Deutschen“ gäbe es nicht. Natürlich gibt es die. Jeder Zoll- bzw. Grenzbeamte erkennt sie schon von weitem. Jeder weiß auch, was gemeint ist, wenn ein Autor „die Deutschen“ oder gar „die Amerikaner“ etc. schreibt: Man meint „die meisten Deutschen“ oder „sehr viele Deutsche“ oder „typisch deutsch“ oder gar „ich will Sie einfach nur herausfordern, über sich selbst nachzudenken.“ Das ist ein literarisch und rhetorisch beliebtes Stilmittel.

Interessanterweise höre ich das Argument, „es gibt ‚die Deutschen’ nicht “ vor allem ... von Deutschen. Freunde aus anderen Ländern behaupten das nie. Die Deutschen aber sagen ständig, dass es die Deutschen gar nicht gibt. Ich würde sogar behaupten, das ist typisch deutsch: die Deutschen, dass sind die, die ständig nach Möglichkeiten suchen, bloß nicht in eine Schublade mit anderen Deutschen geworfen zu werden. Dabei landen sie allein dadurch in ebendieser Schublade.

4. “Amerika ist doch ein großer Kontinent”

Seit einigen Jahren geht in Deutschland das pseudo-linguistische Gerücht um, dass der Begriff „Amerikaner“ für einen Bewohner der USA unzulässig ist, weil ja auch Bolivien Amerika sei. Korrekt sei daher „US-Amerikaner“.

„Woher kommen Sie denn?“ fragt der Deutsche gewöhnlich, sobald er meinen Cowboyhut, meinen starken amerikanischen Akzent und die auf meine Brust tätowierte US-Fahne wahrnimmt. „Aus Amerika“, sage ich, voller Stolz. „Amerika ist ein großer Kontinent“, sagt er dann. „Sie wollen doch nicht sagen, dass Ihnen der ganze Kontinent gehört. Das würde die anderen Völker, die dort leben, beleidigen. Kommen Sie aus dem amerikanischen Brasilien? Aus dem amerikanischen Peru? Aus dem amerikanischen Haiti?“

Das hat mir die Augen geöffnet. Stimmt: Ganz schön arrogant sind wir Amis! Kurz darauf fand ich mich in einem Tandoori-Restaurant wieder und fragte den Kellner, „Woher kommen Sie denn?“ „Ich bin Inder“, sagte der. Da meinte ich: „Der indische Subkontinent ist aber groß, da leben viele Völker. Kommen Sie aus dem indischem Pakistan, aus dem indischem Bangladesch oder aus dem indischem Indien?” Ich bekam keine Antwort. Auch keinen Mangoschnaps mit der Rechnung.

Der Begriff „Amerika” bezeichnet laut Duden 1) einen Kontinent sowie 2) das Land USA in Kurzform. Welche Bedeutung gemeint ist, geht aus dem Kontext hervor. Redet man über einen Kontinent, ist der Kontinent gemeint. Redet man über eine Nationalität, ist das Land gemeint. Es gibt nur ein Land mit „Amerika“ im Namen, so ist keine Verwechslung möglich.

Die Frage, “Woher kommen Sie?” zielt auch nicht auf den Kontinent, sondern auf die Nationalität. Auch wenn ein Deutscher gefragt wird, woher er kommt, sagt er nicht „Eurasien“. Ein Kontinent hat auch keine eigene Sprache, Währung oder Wirtschaft. Wenn man von solchen Themen spricht, oder von „dem amerikanischen Präsidenten“, errät man leicht, dass damit das Land gemeint ist, nicht den Kontinent. Der Begriff „US-amerikanisch“ ist daher eine Tautologie.

Der modische Begriff „US-Amerikaner“ ist in Wahrheit eine fadenscheinige Ausrede, den blöden Amis wieder mal zu beweisen, dass sie ein arrogantes Pack sind. Deshalb gilt das Argument ja auch nur für Amis, nicht für Inder oder Iren oder Samoaner oder andere.

Das Problem damit ist nicht, dass es linguistischer Unsinn ist, sondern, dass es die eigene Kleingeistigkeit zur Schau stellt. Wer sich hinter einem pseudo-linguistischen Argument verstecken muss, kann man nicht ernst nehmen. Meine Empfehlung: Wenn Sie einem Amerikaner sagen wollen, dass er ein arrogantes Schwein ist, sagen Sie es ihm ins Gesicht. Das ist ehrlicher, weniger lächerlich und erfordert auch ein Mindestmaß an Mut.

5. Eine Beobachtung zum Antiamerikanismus

Letztens fand ein Facebook-Freund den Bewies dafür, dass Amerikaner rettungslos verdummt sind: Eine US-wissenschaftliche Einrichtung hätte festgestellt, dass die Sonne bald eingehe, weil Solarzellen ihr die Energie aussaugen.

Hätte das fiktive Institut in Deutschland gesessen, hätte mein FB-Freund die Website genauer angeschaut und festgestellt, dass es sich um eine Satireseite handelt. Aber weil es Amerika war, glaubte er dem Artikel nur allzu gern, ohne darüber nachzudenken.

Die Deutschen sind ein hoch intelligentes Volk, aber sobald es um Amerika geht, schaltet sich das Gehirn aus. So glauben viele, Amerika breche bald zusammen, weil die Schulden so hoch sind (Japan hat höhere Schulden); Kreationismus werde in den Schulen gelehrt (verfassungsrechtlich verboten), die meisten Amerikaner guckten Fox News (mehr Deutsche lesen „Bild“ als Amerikaner Fox News schauen), und mehr.

Für sich genommen hat Antiamerikanismus sein Gutes: Es ist eine Art der Deutschen, nach der langen Besatzung sich moralisch von der ehemaligen Besatzungsmacht zu befreien. Doch wenn ein Volk ein Feindbild braucht, um das eigene Selbstbild aufzupäppeln, lauern auch Gefahren: Man fällt auf Satire rein ... aber auch auf Verschwörungstheorien und irgendwann auf Demagogen.

Also eine freundliche Warnung an alle fröhlichen Antiamerikaner und die, die es werden wollen: Antiamerikanismus macht dumm.

6. An dieser Stelle entschuldige ich mich in aller Form...

... bei all denen, die ich in dieser Kolumne beleidigt habe. Dass ich oft im Gegenzug ebenso beschimpft wurde, nehme ich niemandem übel: Wer so gern wie ich zum Holzhammer greift, wird vom Holzhammer getroffen.

Im übrigen habe ich ausgerechnet in Amerika gelernt, wie man Deutsche zur Weißglut treibt. Dort gibt es einen bestimmten Schlag von Menschen. Das sind die, die man oft mit Fox News, mit Waffennarrheit, mit Kreationismus, mit dem ländlichen Süden verbindet. Da reichen ein paar gut gewählte Worte Kritik gegen das eigene Land aus, und schon heißt es: „Wenn es dir hier nicht gefällt, wieso haust du nicht einfach ab?”

Als ich feststellte, dass es auch in Deutschland solche Menschen gibt, und das sogar hier in den Kommentarspalten von Zeit Online, wie habe ich mich gefreut! Auch bei ihnen reichen nur ein paar wohl gewählte Worte der Kritik, und schon heißt es: „Ami go home!“

Andererseits muss ich auch sagen, dass im Gegensatz zu meiner Heimat gerade in Deutschland ein anderer Anspruch herrscht. „Wir sind kritische Denker“, höre ich seit etwa 30 Jahren. Ich nehme diesen Anspruch ernst.

Ich erwarte, dass gebildete Deutsche mit einfachen Stilmitteln wie Ironie und Überspitzung umgehen können. Ich erwarte, dass sie auch über sich selbst kritisch nachdenken können. Ich erwarte, dass sie mindestens versuchen, ihre Ansprüche an sich selbst zu erfüllen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle meine Entschuldigung in aller Form zurücknehmen. Dafür respektiere ich die Deutschen zu sehr.

Thursday, July 10, 2014

Zeit Online will wissen, was ihr wirklich denkt!

Zu meiner Bewunderung ist auf Zeit Online gestern ein Artikel erschienen, der über mein Abschied von der Kolumne erzählt und die Leser auffordern, mir einen Abschiedsbrief zu schreiben.

Also nur zu!

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Tuesday, July 08, 2014

Lernt endlich kritisch denken!

Wir alle haben unsere Illusionen. Die Franzosen glauben, sie produzierten gute Filme. Die Engländer glauben, sie hätten genauso viel zu melden wie damals, als sie noch Weltreich waren. Wir Amis glauben neuerdings, wir könnten Fußball spielen. Die Deutschen pflegen eine ganz besondere Illusion: Sie glauben, sie dächten kritisch.

Dieser nationale Mythos drückt sich in einer Vielzahl von Klischees aus: Der Deutsche differenziert. Er denkt nicht in Schwarz/Weiß-Schablonen oder gar in Schubladen. Er pauschalisiert nicht. Der Deutsche sucht nach Hintergründen. Sprüche, mit denen der Deutsche seine überlegene Fähigkeit zum kritischen Denken reflektiert, gibt es wie Sand am Meer. Die Deutschen sind aber offenbar so sehr davon überzeugt, kritisch zu denken, dass sie nicht mehr in der Lage sind, kritisch darüber nachzudenken, ob das wirklich stimmt.

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Wednesday, July 02, 2014

Tötet die Kultur!

Diese Kolumne geht nach zwei Jahren langsam zu Ende. In meinen letzten Kolumnen möchte ich noch einmal für alle, die nicht aufgepasst haben, die Top-Vier der Dinge erklären, die ich den Deutschen sagen will.

Heute Teil 2: Tötet die Kultur!

1914 ließ sich der Cambridge-Professor Arthur Quiller-Couch zu einem bemerkenswerten Satz hinreißen. Er lautete: "Kill your darlings" – "Tötet eure Lieblinge."

Gerichtet war dieser guter Rat speziell an Schriftsteller, die, wie ich aus Erfahrung weiß, gemeinhin unter einem recht aktiven Ego leiden und gern zu hochliterarischen Formulierungen greifen, die keiner lesen will. Ein Autor, so sein Rat, solle sich seinen Text genau anschauen und alles, worauf er besonders stolz ist, rausschmeißen. Es ist ein fast Zen-artiger Rat: Wer sein Ego tötet, lässt die eigentliche Aussage klarer erscheinen.

Dazu kann ich nur sagen: [gekürzt].

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Wednesday, June 25, 2014

Ende der Kolumne minus 4!

An dieser Stelle möchte ich mich verabschieden. Nicht sofort, aber nach zwei Jahren geht diese Kolumne bald zu Ende. Als außenstehender Beobachter lag es mir in dieser Zeit sehr am Herzen, den Deutschen einiges zu sagen, auf meine subtile Art, durch die Blume gewissermaßen. In der Hoffnung, sie würden auch manchmal auf einen Ami hören.

Falls aber jemand da draußen unaufmerksam war, möchte ich für die letzten vier Folgen meine gewohnte Zurückhaltung kurz ablegen und meine Top vier der Dinge, die ich den Deutschen ans Herz lege, noch einmal erklären.

Teil 1: Deutschland, mach Amerika platt! ...

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Wednesday, June 18, 2014

Ist deutsche Kultur wertlos? Gibt es deutsche Ideen?

Ich mag keine Kultur. Da bin ich ganz Ami. Ich halte das für nichts weiter als ein Statussymbol. Wenn jemand anfängt, von Kultur zu reden, denke ich: "Jetzt soll ich wohl beeindruckt sein, wie der in der Schule aufgepasst hat. Aber eigene Ideen haben – das ist nicht notwendig, solange man Kultur hat."

Ich stehe da übrigens nicht allein. Letztens durfte ich an einer Diskussion in Peking teilnehmen. Mit ihrer "Zukunftsbrücke" bringt die Mercator Stiftung jedes Jahr junge Deutsche und junge Chinesen zum gegenseitigen Kennenlernen zusammen. Manchmal sind eben auch alte Amis dabei.

Bei diesem Treffen kamen wir ziemlich schnell auf Kultur. Mehrere deutsche Teilnehmer waren der Ansicht, wer die Menschen eines Landes verstehen will, der muss deren Kultur verstehen. Ich war da weniger überzeugt. Die Deutschen zum Beispiel konsumieren amerikanische Kultur als ob es kein Morgen gäbe, aber verstehen tun sie uns Amis nach wie vor kein bisschen. ...

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Thursday, June 12, 2014

Liebesgrüße nach Beijing!

Mein lieber Shixue!

Du bist patriotischer Chinese. Ich bin patriotischer Ami. Deshalb wird uns keiner glauben, dass ausgerechnet wir beide letzte Woche in Peking friedlich bei einem guten chinesischen Bier beieinander saßen und das finanzielle Schicksal Europas erörterten. Vielleicht war das auch der Grund, warum wir uns nicht die Schädel eingeschlagen haben: Trotz unserer ideologischen Differenzen verbindet uns eine tiefe Liebe zu Europa.

Europäer und Chinesen haben ja erstaunlich viel gemeinsam. Zum Beispiel: Das erste, was ein Europäer über China lernt, ist, dass die Chinesen glauben, sie seien der Nabel der Welt. Da können wir nur müde lächeln. Sicher, ihr habt das Schießpulver erfunden, aber das ist lange her. Nein, die Europäer wissen, dass das nicht sein kann, da ja ganz klar Europa der Nabel der Welt ist!

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Tuesday, June 10, 2014

Ist Amerika eine Oligarchie?

Oligarchie ist ein böses Wort. So böse, dass wir Amis es höchstens auf Russland anwenden, wo gewissenlose Industriebarone noch gewissenlose Industriebarone sind. Bis vor Kurzem jedenfalls: Irritierenderweise diskutieren seit einiger Zeit seriöse Ökonomen, Politiker und andere Kommentatoren die Frage, ob Amerika heute eine Oligarchie sein könnte.

Es fing an mit einer Studie der Politikwissenschaftler Martin Gilens (Princeton) und Benjamin Page (Northwestern University). Sie vergleicht Meinungsumfragen der vergangenen Jahre mit realer Gesetzgebung und kommt zu dem Ergebnis, dass erlassene Gesetze überproportional oft auf den Willen der wenigen Reichen zugeschnitten sind, seltener auf den Willen der großen Masse des Volkes.

Na gut: Dass die Reichen mehr Einfluss auf die Politik haben als der Typ vor dem Kiosk mit der Pulle Bier in der Hand, wussten wir immer. Aber die Zahlen, die in dieser Studie präsentiert wurden, waren schockierend. So sehr, dass man anfing, von einer Oligarchie zu sprechen, obwohl das Wort in der Studie gar nicht auftaucht...

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Thursday, May 29, 2014

Finger weg von den USA!

Diesen Monat hat die Sunlight Foundation eine Liste der Länder veröffentlicht, die hinter verschlossenen Türen mithilfe professioneller Lobbyisten und Haufenweise Dollarscheinen die amerikanische Politik und Medien zu ihren Interessen hin verbiegen.

Ganz oben auf der Liste stand wie erwartet ein arabisches Öl-Land: die Vereinigten Arabischen Emirate haben 2013 über Lobbyfirmen 14 Millionen Dollar in Kongressabgeordnete und Journalisten investiert. Das ist auch verständlich: Als undemokratisches Regime muss man schon was bieten, um die Skrupel seiner Geschäftspartner zu zerstreuen, wer mag es einem verdenken? Die Emirate sind da nicht allein: Alle Staaten auf der Liste verfolgen für mein Gefühl eher zwielichtige Ziele, von Saudi Arabien über Aserbaidschan bis hin zu … hoppla, Deutschland, das mit 12 Millionen Dollar gleich auf Platz zwei kommt.

Nur, damit es klar ist, in welcher Gesellschaft Deutschland sich auf dieser Liste befindet: In den Top Ten stehen weder Russland noch China, auch Israel nicht, oder sonst irgendein westeuropäisches Land – außer Deutschland.

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Saturday, May 24, 2014

Union der Angsthasen

Als ich in den 1980er Jahren nach Deutschland kam, war ich richtig Europa-verliebt. Wie jedem Amerikaner wurde auch mir in der Schule eingetrichtert, dass Europa eine Utopie der Aufklärung, der Wissenschaften und der Intellektuellen sei, ein wundersames Märchenland der Kultur.

Immer mehr musste ich einsehen, dass das amerikanische Europa-Bild eine Fata Morgana ist. Seit dem Fall der Mauer sind aus Europa kulturell, politisch und wirtschaftlich keine nennenswerten Impulse mehr gekommen. Mehr noch: Nirgendwo am Horizont ist ein neuer Freud, ein neuer Darwin, ein neuer Einstein, ein neuer Marx, ein neuer Carl Benz oder ein neuer Picasso zu sehen.

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Monday, May 19, 2014

Sind die Deutschen (immer) die Opfer?

Heute möchte ich eine unangenehme, eine schmutzige Wahrheit über Deutschland enthüllen. Wenn Sie noch nicht 18 sind, sollten Sie nicht weiterlesen:

Die Deutschen sind Gewinner.

Sie gehören in jeder Beziehung zu den ganz großen Profiteuren, Nutznießern und Glücklichen der Geschichte. Proportional betrachtet hat die Historie dieses Land sogar mit noch mehr Reichtum, Freiheiten und Privilegien und internationalem Respekt gesegnet als Amerika. Das ist verdammt viel.

Nur, gleichzeitig sehen sich die Deutschen als die größten Opfer der Weltgeschichte.


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Wednesday, May 14, 2014

Deutsche Sprache, Schwere Sprache

Ich bin immer wieder begeistert, wenn ich ein neues deutsches Wort entdecke, das jeder kennt, aber keiner erklären kann. Und solche Wörter höre ich jeden Tag. Viele Deutsche glauben, ihre Sprache sei logisch wie Mathematik, doch das Gegenteil ist der Fall: Es gibt kaum deutsche Wörter, die klar definiert sind.

Nehmen wir das Wort "sofort". Die meisten Menschen glauben, dass "sofort" "innerhalb weniger Minuten, gar Sekunden" bedeutet. Das stimmt aber nicht.

Neulich saß ich in einem überfüllten Café und brauchte unbedingt ein Bier. Die Bedienung nahm mich im Vorbeigehen mehrmals nicht wahr, konnte aber immerhin jedes Mal an meinen Stuhl stoßen. Endlich registrierte sie meine Bestellung, nickte und sagte: "sofort". ...

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Thursday, May 01, 2014

Wir wollen eure Problem nicht!

Die Wahrheit über den Konflikt in der Ukraine? Die Amerikaner greifen nach den ukrainischen Weizenfeldern, weil sie vor den Toren der EU Genmais anbauen wollen – und zwar auf Betreiben des Agrarriesen Monsanto. Diesen Genmais wollen sie dann in Bio-Diesel umwandeln, der so billig ist, dass sie ihn wiederum in die EU exportieren können, um damit den EU-Markt für russisches Gas zu untergraben. Das endgültige Ziel: der Zusammenbruch Russlands.

Das, verehrte Leser, ist eine Verschwörungstheorie, und zwar eine echt plausible, die ich selbst erfunden habe und hiermit der Öffentlichkeit selbstlos zur Verfügung stelle. Denn viele Menschen gerade in Deutschland haben ein Problem: Sie wollen unbedingt den Konflikt in der Ukraine den Amerikanern in die Schuhe schieben, finden aber keine plausible Begründung. Nun bin ich gespannt darauf, wie lange es dauert, bis es heißt: "Kein Blut für Weizen!"

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Wednesday, April 23, 2014

Endlich eine Verschwörungstheorie, der jeder zustimmen kann!

Sollte ich irgendwann mal eine extremistische Bewegung gründen, würde ich eines penibel vermeiden: rechtsradikales Gedankengut bedienen. Neonazis sind zu marginalisiert und die Verbrechen des Faschismus zu präsent. Damit könnte meine Bewegung nie in der Mitte der Gesellschaft Fuß fassen.

Nein, ich würde Verschwörungstheorien und Feindbilder suchen, die so allgemein akzeptiert sind, dass eine Mehrheit sich darauf einigen kann, ohne zweimal nachzudenken zu müssen. Ich kenne auch drei: den Kapitalismus, das Bankenwesen und Amerika.

Ich fürchte nur, ich bin zu spät....

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Tuesday, April 22, 2014

Hoppla! Gedächtnislücke und Korrektur!

Die Bildblog.de hat mich zurecht darauf hingewiesen, dass ein Satz in meiner Kolumne von Sonntag, in der ich die Kritik der Bild Zeitung kritisiere, nicht stimmte: Ich hatte aus dem Gedächtnis eine Überschrift der 90er (wohlwollend) wiedergegeben, die es gar nicht gab. Ich war fahrlässig, es nicht vorher zu überprüfen, und jetzt ist es mir ziemlich peinlich.

Trotzdem ändert dies nichts an meiner Aussage, wie ich im offenen Brief an Herrn Niggermeier schrieb (auf seiner Facebook-Seite), den ich hier wiedergebe:

Lieber Herr Niggermeier!

Jetzt ist mir das peinlich! Mein Gedächtnis hat mich da offenbar getäuscht. Den Absatz ziehe ich auch gern zurück.

Allerdings ändert das nichts an meiner Aussage: Der übertriebene Bild-Hass der deutschen Linken hat etwas angenehm Irrationales an sich.

Ich weiß noch, dass ich auch ein paar Jahre lang empört war, als Fox News ins Leben gerufen wurde. Dann dachte ich mir: Es gibt auch wichtigeres im Leben, als sich über eine Dummheit aufzuregen, vor allem auch deswegen, weil es so leicht ist. Seitdem gönne ich den Konservativen eine eigenes Organ – die Linken haben ja gleich mehrere.

Nun gibt es die Bild ein paar Jahre länger als Fox News, doch die Aufregung darüber ist immer noch ein zentrales Thema bei vielen Linken. Zu zentral. Wie Shakespeare sagte, „Die Dame, wie mich dünkt, protestiert zu viel.“ Der Bild-Hass scheint mir ein Ersatz für eigenes Denken zu sein: Mit einer einfachen Allerwelts-Beschimpfung kann man sich als Linker, Gebildeter, sogar Intellektueller ausgeben, ohne tatsächlich etwas Linkes, Gebildetes oder Intellektuelles zu sagen oder zu tun. Das ist mir zu billig, und ich erwarte mehr von den Deutschen.

Auf jedem Fall bedanke ich mich für Ihre wie immer sehr gute Recherche (auch wenns mir peinlich ist, habe ich es verdient) und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg – Aloha, ETH

Saturday, April 19, 2014

Was ist denn so schlimm an der Bild Zeitung?

Als treuer Facebook-Leser kann ich inzwischen ziemlich gut vorhersagen, was ich jeden Tag in/auf meinem Newsfeed finden werde: Meine konservativ-religiöse Verwandtschaft in Amerika wird einen Link setzen, der entweder Jesus preist oder Obama verdammt; meine Cowboypunk-Nichte in Berlin wird ein cooles Konzert ankündigen, für das ich zu alt bin; meine militante Feministen-Verwandtschaft in New York wird mich belehren, welche Wörter ich diesen Monat nicht benutzen darf, wenn ich die LGBT-Gemeinde nicht beleidigen will, und meine deutschen Freunde werden auf die Bild-Zeitung schimpfen. Das mit der Bild-Zeitung wundert mich, seit ich die Deutschen kenne.

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Thursday, April 17, 2014

Lesen mehr Deutsche Bild oder gucken mehr Amis Fox News?

Amerika hat keine Boulevard-Zeitung wie Bild: Dafür haben wir Fox News, der die gleiche Funktion erfüllt, aber weniger erfolgreich ist wie Bild. Kann man eine Zeitung mit einem TV-Nachrichtensender vergleichen? Aber klar doch, denn sie erfüllen die gleiche Funktion.

Die Herausgeber von Bild haben schon in den 1950ern erkannt, dass es in Deutschland ein starkes Bedürfnis für eine konservative Zeitung gibt. Als das gleiche Bedürfnis ebenso für Amerika erkannt wurde, war die große Zeit der Zeitungen schon vorbei: Das Ära des Fernsehens war längst fest etabliert und so wurde keine rechte Boulevard-Zeitung gegründet, sondern ein rechter TV-Nachrichtensender. (Mit „USA Today“ haben die USA zwar eine Boulevard-Zeitung wie Bild, aber sie ist nicht politisch meinungsführend wie Bild oder Fox News.)

Der große Unterschied zwischen Fox News und Bild ist: Bild ist deutlich erfolgreicher. Hier der Vergleich:

Die Gesamtauflage der deutschen regionalen und überregionalen Zeitungen beträgt laut BDZV 25,3 Million (nur Tageszeitungen: 19,9 Million). Bilds Anteil an der gesamten deutschen Zeitungsmarkt liegt mit einer Auflage von 2,4 Million knapp bei 9,48%.

Fox News ist ein Kabelsender (Bezahlfernsehen) – laut Variety schauen rund 3,5 Millionen Amerikaner ihre Nachrichten im Kabel. Allerdings schauen die meisten Amerikaner ihre Nachrichten nicht im Kabel, sondern im terrestrisch-empfangbaren Free-TV: Laut Stateofthemedia.org sind das täglich rund 22 Millionen Menschen.

Insgesamt schauen also 25,5 Amerikaner die TV-Abendnachrichten. Von dieser Gesamtzahl schauen nur rund 2 Millionen (2013 waren es nur 1,8 Millionen) Menschen Fox News: Das ist nur ein 7,84%-Anteil am Gesamtpublikums – deutlich weniger als Bild.

Manchmal kann man lesen, dass „die meisten Amerikaner“ Fox News schauen. Mit „den meisten Amerikaner“ meint man lediglich, dass Fox News der führende Kabel-Nachrichtensendung ist: weit vor CNN, MSNBC und HLN, die jeweils unter einer Million Zuschauer haben. Aber 2 Million ist wirklich wenig im Vergleich zu den täglichen Zuschauern bei den Abendnachrichten der drei großen Free-TV-Sendern: 8 Millionen (NBC), 7 Millionen (ABC) und 6 Millionen (CBS) (laut mediabistro.com).

Um sich ein Bild davon zu machen, wie viel Einfluss Fox oder Bild im jeweiligen Land haben, kann man auch „Bild-Leser“ und „Fox-Gucker“ als Anteil der Gesamtbevölkerung rechnen:

2,4 Millionen Bild-Leser machen 3% der Gesamtbevölkerung der BRD aus (Kinder und andere Nicht-Leser eingeschlossen), während 2 Millionen Fox-Gucker nur 0,66% der Amerikaner ausmachen. So oder so, Bild ist das erfolgreichere Medium und ist damit vermutlich auch politisch einflussreicher als Fox News.

Wednesday, April 09, 2014

Schafft das Staatsfernsehen ab!

Mit einer so mutigen Entscheidung habe ich nun wirklich nicht mehr gerechnet, und das vor allem nicht vom ZDF: Wetten, dass..? wurde, 30 Jahre nach seiner Glanzzeit, abgesetzt. Ich freue mich schon auf die nächste mutige Entscheidung: Das ZDF löst sich selber auf, gefolgt von der gesamten ARD.

Jedes Jahr kippt der deutsche Staat über sieben Milliarden Euro an Steuergeldern (doch, doch, die GEZ-Gebühr ist eine Steuer) in das öffentlich-rechtliche TV- und Radiosystem. Das ist mehr als jede andere öffentlich-rechtliche Senderfamilie der Welt bekommt, vorzuweisen aber hat die deutsche weniger als jede andere Senderfamilie.

Das Problem ist nicht, dass die deutschen Zuschauer für das viele Geld nichts geboten bekommen – außer ab und zu jemanden, der die Farbe von Buntstiften an deren Geschmack erkennt. Das Problem ist, dass es Staatsfernsehen ist.

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Wednesday, April 02, 2014

Zum Teufel mit dem Freihandelsabkommen!

Wenn ich ehrlich bin: Zum Teufel mit dem Freihandelsabkommen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) ist eindeutig eine gute Idee. Wirtschaftlich bedeutet das Abkommen einen Aufschwung für Europa, und Gott weiß, wie dringend Europa einen Aufschwung braucht. Es wird geschätzt, dass die USA rund 90 Milliarden Euro daran verdienen würden – Europa aber 120 Milliarden und der Rest der Welt noch mal 100 Milliarden. Und mehr als alle anderen profitiert Deutschland.

Hierzulande hängt man gern der Illusion nach, die Deutschen seien Opfer des amerikanischen Kapitalismus. Als Beweis dafür fallen dem durchschnittlichen Deutschen Dinge wie "McDonalds" oder "Hollywood-Scheiß" ein. Die Realität ist genau umgekehrt: Die Deutschen exportieren etwa doppelt so viel in die USA wie wir Amis nach Deutschland, und für jede Niederlassung einer US-Firma, die in Deutschland ihr Unwesen treibt, gibt es drei deutsche Niederlassungen in Amerika. Im Gegensatz zu den USA ist Deutschland nämlich ein Exportland: Mehr als 30 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts stammen aus dem Export. Zum Vergleich: Der amerikanische Export macht nur 10 Prozent unseres BIPs aus. Das TTIP-Abkommen ist geradezu ein Geschenk an die Deutschen.

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Wednesday, March 26, 2014

Ist Angela Merkel ein grosser Mann?

Ist Angela Merkel eine große Frau? Es gibt da ja diese Theorie: Wer die Geschichte nach seinem Willen formt, dem gebührt "historische Größe" und er ist ein "großer Mann" oder eben eine große Frau. Das trifft sogar auf Hitler zu – zumindest hat ein Historiker, der provozieren wollte, diese Diskussion mal auf Hitler gemünzt: Dieser habe ja die Geschichte auf jeden Fall nach seinem Willen geprägt. Macht das Hitler zu einem großen Mann? Klein ist er wohl nicht.

Ein anderer Schreiberling, der gern Kriegsepen und Sexklamotten verfasste, teilte einmal Größe in drei Kategorien ein: "Einige werden groß geboren, andere arbeiten sich zu Größe empor, anderen wird sie zugeworfen." Wenn ich diesen Spruch höre, denke ich vor allem an Abraham Lincoln, der mitten im amerikanischen Bürgerkrieg alle Sklaven der USA befreite. Obwohl er das eigentlich nie vorhatte. ...

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