Wednesday, March 26, 2014

Ist Angela Merkel ein grosser Mann?

Ist Angela Merkel eine große Frau? Es gibt da ja diese Theorie: Wer die Geschichte nach seinem Willen formt, dem gebührt "historische Größe" und er ist ein "großer Mann" oder eben eine große Frau. Das trifft sogar auf Hitler zu – zumindest hat ein Historiker, der provozieren wollte, diese Diskussion mal auf Hitler gemünzt: Dieser habe ja die Geschichte auf jeden Fall nach seinem Willen geprägt. Macht das Hitler zu einem großen Mann? Klein ist er wohl nicht.

Ein anderer Schreiberling, der gern Kriegsepen und Sexklamotten verfasste, teilte einmal Größe in drei Kategorien ein: "Einige werden groß geboren, andere arbeiten sich zu Größe empor, anderen wird sie zugeworfen." Wenn ich diesen Spruch höre, denke ich vor allem an Abraham Lincoln, der mitten im amerikanischen Bürgerkrieg alle Sklaven der USA befreite. Obwohl er das eigentlich nie vorhatte. ...

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Thursday, March 20, 2014

Ist Antiamerikanismus wie Antisemitismus, aber politisch korrekt?

Ich gebe auf. Aus mir wird nie ein richtiger Journalist. Seit ich in Deutschland lebe, will ich meine Artikel an Zeitungen in Amerika verkaufen – und schaffe es nicht. Immer wieder fehlte mir die richtige Story. Dann, vergangene Woche, dachte ich: Diesmal klappt's. Auf einmal gibt es so viele Geschichten aus Deutschland, die so bewegend, verstörend, bizarr und reaktionär sind, dass keine amerikanische Zeitung sie ablehnen könnte:

Nationalheld Uli Hoeneß, dessen Fall die tief verwurzelte Korruption und zügellose Geldgier der deutschen High Society entlarvt; die Edathy-Affäre, die die Medien zu einer fröhlichen Hexenjagd verleitet hat, bevor überhaupt festgestellt werden konnte, ob der Mann ein Gesetz gebrochen hat; und dann Literaturpromi Sibylle Lewitscharoff, die die Maske der kultivierten Intellektuellen fallen ließ und sich zu einer unsäglichen Tirade aufschwang gegen Menschen, die mithilfe künstlicher Befruchtung gezeugt wurden, diese als "Halbwesen" bezeichnete und ein Onanieverbot forderte.

Durch das Telefon hörte ich, wie der Redakteur gähnte. "Verrückte gibt es überall", sagte er. "Ja, aber doch nicht in Deutschland", versuchte ich es weiter. "Die Deutschen sind doch so vernünftig, so durch und durch rational, aber das hier, all das ist so bizarr, so lächerlich, es zeigt, dass hinter der Fassade der blanke Wahnsinn lauert! Was ich hier habe, ist German-bashing pur!" Er fragte: "German Basching? Kenne ich nicht. Meinen Sie German Fasching?"

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Wednesday, March 12, 2014

Sagt doch ehrlich - ihr wollt ihn doch. Den Kalten Krieg meine ich!

Ja, auch ich bin froh, dass der Kalte Krieg wieder da ist.

Ich gebe es ja zu: Als in den letzten paar Jahren meine Heimat USA immer wieder in fremde Länder einmarschiert ist, hatte ich heimlich meine Zweifel: Ist das wirklich nötig? Müssen wir denn wirklich immer die Weltpolizei spielen? Hat uns einer darum gebeten?

Jetzt aber, wo es jedermann klar ist, dass es tatsächlich Schurkenstaaten gibt, und das mitten in Europa, und durchaus mal Bedarf für einen Weltpolizisten da ist, sage ich mir: Gut, dass Amerika nie auf die Luschi-Friede-Freude-Eierkuchen-Pazifismus-Propaganda der Deutschen reingefallen ist.

Viele Amis sehen das genauso. Wollen Sie wissen, wie sich die Politik in Amerika in den nächsten Monaten und Jahren entwickeln wird? Ich sehe es schon kommen ...

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Wednesday, March 05, 2014

Europa muss Machtpolitik lernen...

In diesen Tagen denkt die ganze Welt an den Kalten Krieg. Ich denke an den Platz des himmlischen Friedens. 1989 saß ich tagelang vor dem Fernseher und sah die Live-Bilder aus Peking: Tausende demonstrierten für Demokratie vor dem Mao-Mausoleum auf dem Tian'anmen-Platz. Es war ein atemberaubendes Spektakel: Glasnost in der UdSSR und jetzt auch Demokratie in China! Das war der Aufbruch in eine neue Zeit des Friedens, der Vernunft, der Freiheit. Mir war klar, dass die chinesische Regierung keine andere Wahl hatte, als freie Wahlen zu erlauben. Was sonst? Auf unbewaffnete Studenten schießen? Während die ganze Welt zuschaute?

Dann kam der 3. Juni und das chinesische Militär begann zu schießen. Und hörte nicht auf, bis rund 2.700 unbewaffnete Demonstranten tot waren und noch einmal 7.000 verwundet. Das waren Tage, in denen ich etwas Grundsätzliches gelernt habe: Der Mensch ist kein moralisches Wesen.

Wir wiegen uns in dem Glauben, die Zeiten hätten sich geändert, die alten Tage der willkürlichen Machtherrschaft seien vorbei. Doch sobald wir unseren Wohlstand, unsere Sicherheit, unsere Macht gefährdet sehen, tun wir alles, um diese zu verteidigen. Der Mensch ist kein Moraltier, sondern ein Machttier, und seine Politik ist keine Moralpolitik, sondern Machtpolitik. Egal, wie er sie tarnt. Vieles wird sich auf dieser Welt ändern – das nicht.

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