Wednesday, April 23, 2014

Endlich eine Verschwörungstheorie, der jeder zustimmen kann!

Sollte ich irgendwann mal eine extremistische Bewegung gründen, würde ich eines penibel vermeiden: rechtsradikales Gedankengut bedienen. Neonazis sind zu marginalisiert und die Verbrechen des Faschismus zu präsent. Damit könnte meine Bewegung nie in der Mitte der Gesellschaft Fuß fassen.

Nein, ich würde Verschwörungstheorien und Feindbilder suchen, die so allgemein akzeptiert sind, dass eine Mehrheit sich darauf einigen kann, ohne zweimal nachzudenken zu müssen. Ich kenne auch drei: den Kapitalismus, das Bankenwesen und Amerika.

Ich fürchte nur, ich bin zu spät....

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Tuesday, April 22, 2014

Hoppla! Gedächtnislücke und Korrektur!

Die Bildblog.de hat mich zurecht darauf hingewiesen, dass ein Satz in meiner Kolumne von Sonntag, in der ich die Kritik der Bild Zeitung kritisiere, nicht stimmte: Ich hatte aus dem Gedächtnis eine Überschrift der 90er (wohlwollend) wiedergegeben, die es gar nicht gab. Ich war fahrlässig, es nicht vorher zu überprüfen, und jetzt ist es mir ziemlich peinlich.

Trotzdem ändert dies nichts an meiner Aussage, wie ich im offenen Brief an Herrn Niggermeier schrieb (auf seiner Facebook-Seite), den ich hier wiedergebe:

Lieber Herr Niggermeier!

Jetzt ist mir das peinlich! Mein Gedächtnis hat mich da offenbar getäuscht. Den Absatz ziehe ich auch gern zurück.

Allerdings ändert das nichts an meiner Aussage: Der übertriebene Bild-Hass der deutschen Linken hat etwas angenehm Irrationales an sich.

Ich weiß noch, dass ich auch ein paar Jahre lang empört war, als Fox News ins Leben gerufen wurde. Dann dachte ich mir: Es gibt auch wichtigeres im Leben, als sich über eine Dummheit aufzuregen, vor allem auch deswegen, weil es so leicht ist. Seitdem gönne ich den Konservativen eine eigenes Organ – die Linken haben ja gleich mehrere.

Nun gibt es die Bild ein paar Jahre länger als Fox News, doch die Aufregung darüber ist immer noch ein zentrales Thema bei vielen Linken. Zu zentral. Wie Shakespeare sagte, „Die Dame, wie mich dünkt, protestiert zu viel.“ Der Bild-Hass scheint mir ein Ersatz für eigenes Denken zu sein: Mit einer einfachen Allerwelts-Beschimpfung kann man sich als Linker, Gebildeter, sogar Intellektueller ausgeben, ohne tatsächlich etwas Linkes, Gebildetes oder Intellektuelles zu sagen oder zu tun. Das ist mir zu billig, und ich erwarte mehr von den Deutschen.

Auf jedem Fall bedanke ich mich für Ihre wie immer sehr gute Recherche (auch wenns mir peinlich ist, habe ich es verdient) und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg – Aloha, ETH

Saturday, April 19, 2014

Was ist denn so schlimm an der Bild Zeitung?

Als treuer Facebook-Leser kann ich inzwischen ziemlich gut vorhersagen, was ich jeden Tag in/auf meinem Newsfeed finden werde: Meine konservativ-religiöse Verwandtschaft in Amerika wird einen Link setzen, der entweder Jesus preist oder Obama verdammt; meine Cowboypunk-Nichte in Berlin wird ein cooles Konzert ankündigen, für das ich zu alt bin; meine militante Feministen-Verwandtschaft in New York wird mich belehren, welche Wörter ich diesen Monat nicht benutzen darf, wenn ich die LGBT-Gemeinde nicht beleidigen will, und meine deutschen Freunde werden auf die Bild-Zeitung schimpfen. Das mit der Bild-Zeitung wundert mich, seit ich die Deutschen kenne.

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Thursday, April 17, 2014

Lesen mehr Deutsche Bild oder gucken mehr Amis Fox News?

Amerika hat keine Boulevard-Zeitung wie Bild: Dafür haben wir Fox News, der die gleiche Funktion erfüllt, aber weniger erfolgreich ist wie Bild. Kann man eine Zeitung mit einem TV-Nachrichtensender vergleichen? Aber klar doch, denn sie erfüllen die gleiche Funktion.

Die Herausgeber von Bild haben schon in den 1950ern erkannt, dass es in Deutschland ein starkes Bedürfnis für eine konservative Zeitung gibt. Als das gleiche Bedürfnis ebenso für Amerika erkannt wurde, war die große Zeit der Zeitungen schon vorbei: Das Ära des Fernsehens war längst fest etabliert und so wurde keine rechte Boulevard-Zeitung gegründet, sondern ein rechter TV-Nachrichtensender. (Mit „USA Today“ haben die USA zwar eine Boulevard-Zeitung wie Bild, aber sie ist nicht politisch meinungsführend wie Bild oder Fox News.)

Der große Unterschied zwischen Fox News und Bild ist: Bild ist deutlich erfolgreicher. Hier der Vergleich:

Die Gesamtauflage der deutschen regionalen und überregionalen Zeitungen beträgt laut BDZV 25,3 Million (nur Tageszeitungen: 19,9 Million). Bilds Anteil an der gesamten deutschen Zeitungsmarkt liegt mit einer Auflage von 2,4 Million knapp bei 9,48%.

Fox News ist ein Kabelsender (Bezahlfernsehen) – laut Variety schauen rund 3,5 Millionen Amerikaner ihre Nachrichten im Kabel. Allerdings schauen die meisten Amerikaner ihre Nachrichten nicht im Kabel, sondern im terrestrisch-empfangbaren Free-TV: Laut Stateofthemedia.org sind das täglich rund 22 Millionen Menschen.

Insgesamt schauen also 25,5 Amerikaner die TV-Abendnachrichten. Von dieser Gesamtzahl schauen nur rund 2 Millionen (2013 waren es nur 1,8 Millionen) Menschen Fox News: Das ist nur ein 7,84%-Anteil am Gesamtpublikums – deutlich weniger als Bild.

Manchmal kann man lesen, dass „die meisten Amerikaner“ Fox News schauen. Mit „den meisten Amerikaner“ meint man lediglich, dass Fox News der führende Kabel-Nachrichtensendung ist: weit vor CNN, MSNBC und HLN, die jeweils unter einer Million Zuschauer haben. Aber 2 Million ist wirklich wenig im Vergleich zu den täglichen Zuschauern bei den Abendnachrichten der drei großen Free-TV-Sendern: 8 Millionen (NBC), 7 Millionen (ABC) und 6 Millionen (CBS) (laut mediabistro.com).

Um sich ein Bild davon zu machen, wie viel Einfluss Fox oder Bild im jeweiligen Land haben, kann man auch „Bild-Leser“ und „Fox-Gucker“ als Anteil der Gesamtbevölkerung rechnen:

2,4 Millionen Bild-Leser machen 3% der Gesamtbevölkerung der BRD aus (Kinder und andere Nicht-Leser eingeschlossen), während 2 Millionen Fox-Gucker nur 0,66% der Amerikaner ausmachen. So oder so, Bild ist das erfolgreichere Medium und ist damit vermutlich auch politisch einflussreicher als Fox News.

Wednesday, April 09, 2014

Schafft das Staatsfernsehen ab!

Mit einer so mutigen Entscheidung habe ich nun wirklich nicht mehr gerechnet, und das vor allem nicht vom ZDF: Wetten, dass..? wurde, 30 Jahre nach seiner Glanzzeit, abgesetzt. Ich freue mich schon auf die nächste mutige Entscheidung: Das ZDF löst sich selber auf, gefolgt von der gesamten ARD.

Jedes Jahr kippt der deutsche Staat über sieben Milliarden Euro an Steuergeldern (doch, doch, die GEZ-Gebühr ist eine Steuer) in das öffentlich-rechtliche TV- und Radiosystem. Das ist mehr als jede andere öffentlich-rechtliche Senderfamilie der Welt bekommt, vorzuweisen aber hat die deutsche weniger als jede andere Senderfamilie.

Das Problem ist nicht, dass die deutschen Zuschauer für das viele Geld nichts geboten bekommen – außer ab und zu jemanden, der die Farbe von Buntstiften an deren Geschmack erkennt. Das Problem ist, dass es Staatsfernsehen ist.

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Wednesday, April 02, 2014

Zum Teufel mit dem Freihandelsabkommen!

Wenn ich ehrlich bin: Zum Teufel mit dem Freihandelsabkommen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Die Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) ist eindeutig eine gute Idee. Wirtschaftlich bedeutet das Abkommen einen Aufschwung für Europa, und Gott weiß, wie dringend Europa einen Aufschwung braucht. Es wird geschätzt, dass die USA rund 90 Milliarden Euro daran verdienen würden – Europa aber 120 Milliarden und der Rest der Welt noch mal 100 Milliarden. Und mehr als alle anderen profitiert Deutschland.

Hierzulande hängt man gern der Illusion nach, die Deutschen seien Opfer des amerikanischen Kapitalismus. Als Beweis dafür fallen dem durchschnittlichen Deutschen Dinge wie "McDonalds" oder "Hollywood-Scheiß" ein. Die Realität ist genau umgekehrt: Die Deutschen exportieren etwa doppelt so viel in die USA wie wir Amis nach Deutschland, und für jede Niederlassung einer US-Firma, die in Deutschland ihr Unwesen treibt, gibt es drei deutsche Niederlassungen in Amerika. Im Gegensatz zu den USA ist Deutschland nämlich ein Exportland: Mehr als 30 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts stammen aus dem Export. Zum Vergleich: Der amerikanische Export macht nur 10 Prozent unseres BIPs aus. Das TTIP-Abkommen ist geradezu ein Geschenk an die Deutschen.

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