Thursday, July 17, 2014

Zum Abschied, ein "Best of"-Abschiedsbriefe!

Dear Eric,

Ich spüre heute noch Ihren kurzen, trockenen Haken auf die nationale Leberspitze. Von den unerlaubten Tiefschlägen gar nicht zu sprechen. Lesen konnte mit Ihnen scheußlich weh tun. So etwas lernt man wohl nur in der Bronx. Und Schmerz kann so verdammt süchtig machen.

Es ist schon eine Gabe, aus den Deutschen mit Deutschlandkritik so viele Reaktionen zu entlocken, einem Volk, dass es so liebt, die eigenen Stärken zu verleugnen. Ihr bester Text, Herr Hansen, war der, in dem Sie beschrieben haben, wie die Deutschen Amerika beherrschen. Urkomisch! Hansen wird fehlen! Immer provokant and that’s it! Ihre Kolumnen haben gezeigt, dass die Differenzen zwischen den USA und Europa noch wesentlich größer sind, als man gemeinhin so glaubt.

Mehr auf Zeit Online...

Die letzte Kolumne: Deutschland, erkenne dich selbst!

Ab und zu bekomme ich eine wütende E-Mail, in der damit gedroht wird, wenn die USA so weitermachen, wende sich Deutschland aber bald von ihnen ab – und stattdessen Russland zu.

Warum solche Drohungen ausgerechnet an mich gerichtet sind und nicht ans Weiße Haus, weiß ich auch nicht. Trotzdem bekomme ich sie so oft, dass ich mich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass manche Deutsche gar nicht begreifen, wer sie heute sind.

Die Idee, Deutschland könne Amerika als Partner Nummer eins durch Russland ersetzen, diese Idee funktioniert nur, wenn man glaubt, der Kalte Krieg sei noch nicht vorbei. Damals kämpften die USA und die UdSSR um den Vorrang und kleine Vasallen wie Deutschland mussten sich entscheiden, wem sie ihre Treue versprechen. Ähnlich wie ein Kind bei der Scheidung seiner Eltern. Aber ein Kind ist zu jung, um den dritten Weg zu gehen: Nämlich ein eigenes Leben auf die Beine zu stellen und auf die Spielchen seiner verzankten Eltern zu pfeifen.

Mehr auf Zeit Online...

Wednesday, July 16, 2014

Auch noch das: der weisse Schimmel

Es gibt eine Menge Verbote in Deutschland, und neue werden jeden Tag erdacht. Auch Autoren erfinden ständig neue Verbote für ihre eigene Zunft – vielleicht aus Langweile. Ein solches ist das „weißer-Schimmel“-Verbot: Man darf diesen Begriff nicht schreiben, weil jeder Schimmel weiß ist. Ich lasse mir aber nichts verbieten:

Zwei Schimmel kommen in den Baumarkt. Sie wollen ihre gemeinsame Wohnung anstreichen und suchen Farbe. Doch sie sind uneinig. Ein Schimmel will die Wohnung weiß anstreichen, der andere schwarz. Ein Streit entfacht sich und bald übergießen die wütenden Schimmel einander wiehernd mit Farbe, bis einer weiß und der andere völlig schwarz ist.

Dem Manager gelingt es nicht, die beiden Schimmel zu beruhigen, also ruft er die Security, die endlich kommt und die beiden auseinander reißt.

Da will der Securitychef wissen, was hier passiert ist, und er fragt den Manager: „Wer hat angefangen? Der schwarze Schimmel oder der weiße Schimmel?“

Meine letzten Kommentare in den Kommentar-Spalten von Zeit Online!

Zum Schluss meiner Kolumne habe ich ein paar Kommentare vorbereitet, die ich in den Kommentar-Spalten meiner letzten Kolumne veröffentlichen werde, Hier sind sie:

An dieser Stelle möchte ich mich bei meinen vielen Fans in den Kommentarspalten in aller Form entschuldigen. Aber zuerst, ein paar freundliche Hinweise an die paar Antiamerikaner, die diese Kommentarspalten in den letzten zwei Jahren für sich beansprucht haben:

1. “God’s Own Country”

Üblicherweise bezeichnet dieser Begriff in der englischsprachigen Welt Neuseeland. Ist auch wirklich schön da.

2. “Sie können nicht Äpfel mit Birnen vergleichen”.

Doch, doch, das geht wunderbar:

Äpfel wie auch Birnen sind rundlich in der Form – im Gegensatz zu einer Banane zum Beispiel. Beide wachsen auf Bäumen, nicht auf Sträuchern. Beide kann man mit Schale essen – die Ananas nicht. Beide gehören in Europa zu den Standardobstsorten, anders als die exotische Papaya. Beide sind merklich süß, machen einen hervorragenden Obstler und werden so gut wie nie mit Gemüse verwechselt – im Gegensatz zu der Tomate.

Nein, nein, ich habe kein Problem damit, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. (Ich kann übrigens auch guten Gewissens „weißer Schimmel“ schreiben, aber das ist eine ganz andere Geschichte.)

3. „Es gibt ‚die Deutschen’ gar nicht.“

Oft wenn einem die Argumente ausgehen, greift man auf das Argument zurück, „die Deutschen“ gäbe es nicht. Natürlich gibt es die. Jeder Zoll- bzw. Grenzbeamte erkennt sie schon von weitem. Jeder weiß auch, was gemeint ist, wenn ein Autor „die Deutschen“ oder gar „die Amerikaner“ etc. schreibt: Man meint „die meisten Deutschen“ oder „sehr viele Deutsche“ oder „typisch deutsch“ oder gar „ich will Sie einfach nur herausfordern, über sich selbst nachzudenken.“ Das ist ein literarisch und rhetorisch beliebtes Stilmittel.

Interessanterweise höre ich das Argument, „es gibt ‚die Deutschen’ nicht “ vor allem ... von Deutschen. Freunde aus anderen Ländern behaupten das nie. Die Deutschen aber sagen ständig, dass es die Deutschen gar nicht gibt. Ich würde sogar behaupten, das ist typisch deutsch: die Deutschen, dass sind die, die ständig nach Möglichkeiten suchen, bloß nicht in eine Schublade mit anderen Deutschen geworfen zu werden. Dabei landen sie allein dadurch in ebendieser Schublade.

4. “Amerika ist doch ein großer Kontinent”

Seit einigen Jahren geht in Deutschland das pseudo-linguistische Gerücht um, dass der Begriff „Amerikaner“ für einen Bewohner der USA unzulässig ist, weil ja auch Bolivien Amerika sei. Korrekt sei daher „US-Amerikaner“.

„Woher kommen Sie denn?“ fragt der Deutsche gewöhnlich, sobald er meinen Cowboyhut, meinen starken amerikanischen Akzent und die auf meine Brust tätowierte US-Fahne wahrnimmt. „Aus Amerika“, sage ich, voller Stolz. „Amerika ist ein großer Kontinent“, sagt er dann. „Sie wollen doch nicht sagen, dass Ihnen der ganze Kontinent gehört. Das würde die anderen Völker, die dort leben, beleidigen. Kommen Sie aus dem amerikanischen Brasilien? Aus dem amerikanischen Peru? Aus dem amerikanischen Haiti?“

Das hat mir die Augen geöffnet. Stimmt: Ganz schön arrogant sind wir Amis! Kurz darauf fand ich mich in einem Tandoori-Restaurant wieder und fragte den Kellner, „Woher kommen Sie denn?“ „Ich bin Inder“, sagte der. Da meinte ich: „Der indische Subkontinent ist aber groß, da leben viele Völker. Kommen Sie aus dem indischem Pakistan, aus dem indischem Bangladesch oder aus dem indischem Indien?” Ich bekam keine Antwort. Auch keinen Mangoschnaps mit der Rechnung.

Der Begriff „Amerika” bezeichnet laut Duden 1) einen Kontinent sowie 2) das Land USA in Kurzform. Welche Bedeutung gemeint ist, geht aus dem Kontext hervor. Redet man über einen Kontinent, ist der Kontinent gemeint. Redet man über eine Nationalität, ist das Land gemeint. Es gibt nur ein Land mit „Amerika“ im Namen, so ist keine Verwechslung möglich.

Die Frage, “Woher kommen Sie?” zielt auch nicht auf den Kontinent, sondern auf die Nationalität. Auch wenn ein Deutscher gefragt wird, woher er kommt, sagt er nicht „Eurasien“. Ein Kontinent hat auch keine eigene Sprache, Währung oder Wirtschaft. Wenn man von solchen Themen spricht, oder von „dem amerikanischen Präsidenten“, errät man leicht, dass damit das Land gemeint ist, nicht den Kontinent. Der Begriff „US-amerikanisch“ ist daher eine Tautologie.

Der modische Begriff „US-Amerikaner“ ist in Wahrheit eine fadenscheinige Ausrede, den blöden Amis wieder mal zu beweisen, dass sie ein arrogantes Pack sind. Deshalb gilt das Argument ja auch nur für Amis, nicht für Inder oder Iren oder Samoaner oder andere.

Das Problem damit ist nicht, dass es linguistischer Unsinn ist, sondern, dass es die eigene Kleingeistigkeit zur Schau stellt. Wer sich hinter einem pseudo-linguistischen Argument verstecken muss, kann man nicht ernst nehmen. Meine Empfehlung: Wenn Sie einem Amerikaner sagen wollen, dass er ein arrogantes Schwein ist, sagen Sie es ihm ins Gesicht. Das ist ehrlicher, weniger lächerlich und erfordert auch ein Mindestmaß an Mut.

5. Eine Beobachtung zum Antiamerikanismus

Letztens fand ein Facebook-Freund den Bewies dafür, dass Amerikaner rettungslos verdummt sind: Eine US-wissenschaftliche Einrichtung hätte festgestellt, dass die Sonne bald eingehe, weil Solarzellen ihr die Energie aussaugen.

Hätte das fiktive Institut in Deutschland gesessen, hätte mein FB-Freund die Website genauer angeschaut und festgestellt, dass es sich um eine Satireseite handelt. Aber weil es Amerika war, glaubte er dem Artikel nur allzu gern, ohne darüber nachzudenken.

Die Deutschen sind ein hoch intelligentes Volk, aber sobald es um Amerika geht, schaltet sich das Gehirn aus. So glauben viele, Amerika breche bald zusammen, weil die Schulden so hoch sind (Japan hat höhere Schulden); Kreationismus werde in den Schulen gelehrt (verfassungsrechtlich verboten), die meisten Amerikaner guckten Fox News (mehr Deutsche lesen „Bild“ als Amerikaner Fox News schauen), und mehr.

Für sich genommen hat Antiamerikanismus sein Gutes: Es ist eine Art der Deutschen, nach der langen Besatzung sich moralisch von der ehemaligen Besatzungsmacht zu befreien. Doch wenn ein Volk ein Feindbild braucht, um das eigene Selbstbild aufzupäppeln, lauern auch Gefahren: Man fällt auf Satire rein ... aber auch auf Verschwörungstheorien und irgendwann auf Demagogen.

Also eine freundliche Warnung an alle fröhlichen Antiamerikaner und die, die es werden wollen: Antiamerikanismus macht dumm.

6. An dieser Stelle entschuldige ich mich in aller Form...

... bei all denen, die ich in dieser Kolumne beleidigt habe. Dass ich oft im Gegenzug ebenso beschimpft wurde, nehme ich niemandem übel: Wer so gern wie ich zum Holzhammer greift, wird vom Holzhammer getroffen.

Im übrigen habe ich ausgerechnet in Amerika gelernt, wie man Deutsche zur Weißglut treibt. Dort gibt es einen bestimmten Schlag von Menschen. Das sind die, die man oft mit Fox News, mit Waffennarrheit, mit Kreationismus, mit dem ländlichen Süden verbindet. Da reichen ein paar gut gewählte Worte Kritik gegen das eigene Land aus, und schon heißt es: „Wenn es dir hier nicht gefällt, wieso haust du nicht einfach ab?”

Als ich feststellte, dass es auch in Deutschland solche Menschen gibt, und das sogar hier in den Kommentarspalten von Zeit Online, wie habe ich mich gefreut! Auch bei ihnen reichen nur ein paar wohl gewählte Worte der Kritik, und schon heißt es: „Ami go home!“

Andererseits muss ich auch sagen, dass im Gegensatz zu meiner Heimat gerade in Deutschland ein anderer Anspruch herrscht. „Wir sind kritische Denker“, höre ich seit etwa 30 Jahren. Ich nehme diesen Anspruch ernst.

Ich erwarte, dass gebildete Deutsche mit einfachen Stilmitteln wie Ironie und Überspitzung umgehen können. Ich erwarte, dass sie auch über sich selbst kritisch nachdenken können. Ich erwarte, dass sie mindestens versuchen, ihre Ansprüche an sich selbst zu erfüllen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle meine Entschuldigung in aller Form zurücknehmen. Dafür respektiere ich die Deutschen zu sehr.

Thursday, July 10, 2014

Zeit Online will wissen, was ihr wirklich denkt!

Zu meiner Bewunderung ist auf Zeit Online gestern ein Artikel erschienen, der über mein Abschied von der Kolumne erzählt und die Leser auffordern, mir einen Abschiedsbrief zu schreiben.

Also nur zu!

Mehr auf Zeit Online...

Tuesday, July 08, 2014

Lernt endlich kritisch denken!

Wir alle haben unsere Illusionen. Die Franzosen glauben, sie produzierten gute Filme. Die Engländer glauben, sie hätten genauso viel zu melden wie damals, als sie noch Weltreich waren. Wir Amis glauben neuerdings, wir könnten Fußball spielen. Die Deutschen pflegen eine ganz besondere Illusion: Sie glauben, sie dächten kritisch.

Dieser nationale Mythos drückt sich in einer Vielzahl von Klischees aus: Der Deutsche differenziert. Er denkt nicht in Schwarz/Weiß-Schablonen oder gar in Schubladen. Er pauschalisiert nicht. Der Deutsche sucht nach Hintergründen. Sprüche, mit denen der Deutsche seine überlegene Fähigkeit zum kritischen Denken reflektiert, gibt es wie Sand am Meer. Die Deutschen sind aber offenbar so sehr davon überzeugt, kritisch zu denken, dass sie nicht mehr in der Lage sind, kritisch darüber nachzudenken, ob das wirklich stimmt.

Mehr auf Zeit Online...

Wednesday, July 02, 2014

Tötet die Kultur!

Diese Kolumne geht nach zwei Jahren langsam zu Ende. In meinen letzten Kolumnen möchte ich noch einmal für alle, die nicht aufgepasst haben, die Top-Vier der Dinge erklären, die ich den Deutschen sagen will.

Heute Teil 2: Tötet die Kultur!

1914 ließ sich der Cambridge-Professor Arthur Quiller-Couch zu einem bemerkenswerten Satz hinreißen. Er lautete: "Kill your darlings" – "Tötet eure Lieblinge."

Gerichtet war dieser guter Rat speziell an Schriftsteller, die, wie ich aus Erfahrung weiß, gemeinhin unter einem recht aktiven Ego leiden und gern zu hochliterarischen Formulierungen greifen, die keiner lesen will. Ein Autor, so sein Rat, solle sich seinen Text genau anschauen und alles, worauf er besonders stolz ist, rausschmeißen. Es ist ein fast Zen-artiger Rat: Wer sein Ego tötet, lässt die eigentliche Aussage klarer erscheinen.

Dazu kann ich nur sagen: [gekürzt].

Mehr auf Zeit Online...