Monday, May 25, 2015

Kann Deutschland Europa führen und gleichzeitig die Moderne verpassen?

Deutschland, die Schwulenehe und die Führung Europas: 

Es ist schon eine merkwürdige Spagat, das Deutschland macht: einerseits führt Deutschland im Ukraine-Russischen Krieg und in der Griechenland-Krise  Europa an, andererseits bleibt es im kern zutiefst konservativ und lehnt die Moderne immer wieder ab, während um sie herum ganz Europa die Moderne freudig annimmt. 

Das Thema Spionage ist ein Beispiel: Als Reaktion auf das NSA-Skandal (und auch Charlie Hebdo)  hat Frankreich seine ohnehin gut ausgebaute Spionagedienste massiv ausgebaut, hat sogar Gesetze zur Bekämpfung des Terrorismus eingeleitet, die an das Patriot Act angelehnt sind und zum Teil übertreffen. Sie verhalten sich also , wie ein Staat sich verhalten soll: Er nimmt die eigene Sicherheit ernst und konkurriert auch mit Amerika auf Augenhöhe, anstatt über die Übermacht Amerikas zu jammern. Was macht Deutschland? Träumt immer noch von einem No-Spy-Abkommen. 

Insgesamt scheut sich Deutschland immer wieder vor der Zukunft, ob es um die Angst vor neuen Technologien wie das internet geht, die irrationale Angst vor der Globalisierung (von der Deutschland lebt) in Form der TTIP, und die erschreckenden Innovationsangst, etc. 

Und jetzt auch die Schwulenehe. Mit Irland hat das vermeintlich katholische und konservativste Land Europas den ersten Schritt in die moderne Welt getan. Die einzigen europäischen Länder, die die Schwulenehe noch ablehnen, sind Italien und das deutschsprachige Raum: Damit gehört Deutschland zu den katholischsten und konservativsten Länder Europas. 

Sozialpolitisch nimmt also niemand in Europa Deutschland ernst: Deutschland bleibt zurück, man ist daran gewöhnt. Dennoch will Deutschland in Europa führen - will mit seinem Geld bestimmen, wo es lang geht, will mit seinem Calvinistischen Geldpolitik andere Länder zurückhalten, behauptet, mit Quasi-Diktaturen wie Putin zurecht zu kommen. 

Wie lange kann das gutgehen? Führen - das hat Amerika gelernt, vergessen, und muss es wieder lernen - ist mehr als "ich bin der größte, ich mache die Entscheidungen". Führen hat letztendlich mit Vorbild zu tun: Um seine neue Führungsrolle auf Dauer zu behalten, muss Deutschland beweisen, dass es die Zukunft Europas klar erkennt, keine Angst davor hat und bereit ist, Europa dahin zu bringen. 


Mit seinem verheerenden Konservativismus, das nicht nur von der CDU sondern auch von allen Parteien unterschwellig unterstützt wird, ist Deutschland bisher nicht dazu in der Lage. 

Thursday, May 07, 2015

Warum haben die Deutschen keine eigene Ideen?

Ich kenne jemanden, er will Autor sein und ist auch unheimlich fleißig, produziert wirklich viel, und das ist auch das erste Gesetz eines Schriftstellerlebens: Produzieren. Er ist auch Mormone, Mitglied einer sehr starken Glaubensrichtung mit einer starken Moralkodex, vergleichbar mit strenggläubigen Katholiken.

Ich wurde auch als Mormone erzogen – es ist eine tolle Kirche und das sind gute Leute, aber wie das so oft ist in Kirchen, leben sie von einer starken Indoktrination. Es ist also wichtig, in einer bestimmten Richtung zu denken, die vorgegeben ist. Das wird in allem reflektiert, was er schreibt.

Er glaubt also, politisch und philosophisch brisante Gedanken zu schreiben, jedoch merkt der Außenseiter, dass er nur das wiederholt, was er in der Sonntagsschule gelernt hat. Er wiederholt es auf eine eigene Weise, mit viel Fantasie, aber es ist jedem klar: Man liest hier nicht die Gedanken eines Mannes, der die Welt erfährt, sich darüber Gedanken macht, und diese Gedanken anderen mitteilt, sondern, wir lesen hier die ganz offizielle Lehre einer Kirche, die der Autor verinnerlicht hat und jetzt glaubt, es sind seine eigenen Gedanken, aber in Wahrheit sind sie die Gedanken anderer.

Seit einigen Jahren in Deutschland begegne ich dem gleichen Phänomen unter sehr vielen selbsternannten Linken. In der linken Szene heute begegne ich eigentlich nur noch Menschen, die die alten Ideen ihrer Großeltern brav ein zu ein von sich geben: Atomkraft/Umwelt, Bild Zeitung, Nazis, Ausländerfeindlichkeit, Kapitalismuskritik, natürlich amerikanischer Imperialismus und der kalte Krieg.

Vor allem, was die Stellung Deutschlands in der Welt heute angeht: Immer wieder merke ich, dass die Linken den Ukraine-Krieg als ein Kalten-Krieg-Problem begreifen: “Es geht um ein Tauziehen zwischen Amerika und Russland, und Deutschland steht hilflos in der Mitte.”

Dabei wissen, sie, dass Amerika mit der Ukraine nichts zu tun hat, dass das Problem als Konsequenz aus der EU-Expansionspolitik kommt, dass die EU inzwischen so mächtig ist wie die USA und Deutschland der Führer der EU ist. Faktisch geht es um ein Tauziehen zwischen der EU und Russland, aber die Linken fallen sofort in das alte Muster des Kalten Krieges zurück und schimpfen über das imperialistische Amerika.

Vielleicht ist es nicht nur ein Problem der Linken. Auch in der deutschen Kultur und Politik allgemein in Deutschland merke ich immer wieder, dass es hier keine neuen Ideen gibt. Entweder sin des Ideen der Großeltern oder importierte Ideen aus Amerika: Gendergleichheit, Schwulenehe, LBGT, der neue Beschwer-Feminismus, alles importierte Ideen.

Einige, das weiß ich, werden hier auf diese Post antworten mit „Weil Amerika immer noch imperialistisch ist und in der Ukraine Europa zu spalten versucht“, oder, „Weil die Themen sich nicht geändert haben“. Genau das aber meine ich: Das ist die leichte Antwort, und die meisten Linken heute haben nur leichte Antworten, die sie in der Kindheit verinnerlicht haben und jetzt nicht mehr hinterfragen. Faktisch hat sich aber die Welt verändert, und zwar radikal, nur die Gedankenwelt der Deutschen ist gleich geblieben. Also meine Frage:


Warum hat diese Generation von Deutschen keine eigene Ideen? Gibt es keine neuen Themen? Hat sich die Welt seit 1968 nicht mehr geändert? Oder liegt es an der Generation selbst? Sind sie passiv und fantasielos? Eingeschüchtert von einer Welt, die zu groß und unerklärlich ist für sie, also greifen sie zu das, was sie kennen? Wollen sie so politisch engagiert und radikal sein wie ihre Großeltern, die auf die Straße gegangen sind und etwas verändert haben, und es fällt ihnen nichts besseres ein, als die Protestbewegung ihrer Großeltern fortzusetzen, obwohl deren Revolution längst gelungen ist und heute den Establishment stellt? Warum, wenn ich die Deutschen von heute anschaue, sehe ich immer wieder in ihnen meinen kleinen, braven, Mormonenfreund?