Warum haben die Deutschen keine eigene Ideen?

Ich kenne jemanden, er will Autor sein und ist auch unheimlich fleißig, produziert wirklich viel, und das ist auch das erste Gesetz eines Schriftstellerlebens: Produzieren. Er ist auch Mormone, Mitglied einer sehr starken Glaubensrichtung mit einer starken Moralkodex, vergleichbar mit strenggläubigen Katholiken.

Ich wurde auch als Mormone erzogen – es ist eine tolle Kirche und das sind gute Leute, aber wie das so oft ist in Kirchen, leben sie von einer starken Indoktrination. Es ist also wichtig, in einer bestimmten Richtung zu denken, die vorgegeben ist. Das wird in allem reflektiert, was er schreibt.

Er glaubt also, politisch und philosophisch brisante Gedanken zu schreiben, jedoch merkt der Außenseiter, dass er nur das wiederholt, was er in der Sonntagsschule gelernt hat. Er wiederholt es auf eine eigene Weise, mit viel Fantasie, aber es ist jedem klar: Man liest hier nicht die Gedanken eines Mannes, der die Welt erfährt, sich darüber Gedanken macht, und diese Gedanken anderen mitteilt, sondern, wir lesen hier die ganz offizielle Lehre einer Kirche, die der Autor verinnerlicht hat und jetzt glaubt, es sind seine eigenen Gedanken, aber in Wahrheit sind sie die Gedanken anderer.

Seit einigen Jahren in Deutschland begegne ich dem gleichen Phänomen unter sehr vielen selbsternannten Linken. In der linken Szene heute begegne ich eigentlich nur noch Menschen, die die alten Ideen ihrer Großeltern brav ein zu ein von sich geben: Atomkraft/Umwelt, Bild Zeitung, Nazis, Ausländerfeindlichkeit, Kapitalismuskritik, natürlich amerikanischer Imperialismus und der kalte Krieg.

Vor allem, was die Stellung Deutschlands in der Welt heute angeht: Immer wieder merke ich, dass die Linken den Ukraine-Krieg als ein Kalten-Krieg-Problem begreifen: “Es geht um ein Tauziehen zwischen Amerika und Russland, und Deutschland steht hilflos in der Mitte.”

Dabei wissen, sie, dass Amerika mit der Ukraine nichts zu tun hat, dass das Problem als Konsequenz aus der EU-Expansionspolitik kommt, dass die EU inzwischen so mächtig ist wie die USA und Deutschland der Führer der EU ist. Faktisch geht es um ein Tauziehen zwischen der EU und Russland, aber die Linken fallen sofort in das alte Muster des Kalten Krieges zurück und schimpfen über das imperialistische Amerika.

Vielleicht ist es nicht nur ein Problem der Linken. Auch in der deutschen Kultur und Politik allgemein in Deutschland merke ich immer wieder, dass es hier keine neuen Ideen gibt. Entweder sin des Ideen der Großeltern oder importierte Ideen aus Amerika: Gendergleichheit, Schwulenehe, LBGT, der neue Beschwer-Feminismus, alles importierte Ideen.

Einige, das weiß ich, werden hier auf diese Post antworten mit „Weil Amerika immer noch imperialistisch ist und in der Ukraine Europa zu spalten versucht“, oder, „Weil die Themen sich nicht geändert haben“. Genau das aber meine ich: Das ist die leichte Antwort, und die meisten Linken heute haben nur leichte Antworten, die sie in der Kindheit verinnerlicht haben und jetzt nicht mehr hinterfragen. Faktisch hat sich aber die Welt verändert, und zwar radikal, nur die Gedankenwelt der Deutschen ist gleich geblieben. Also meine Frage:


Warum hat diese Generation von Deutschen keine eigene Ideen? Gibt es keine neuen Themen? Hat sich die Welt seit 1968 nicht mehr geändert? Oder liegt es an der Generation selbst? Sind sie passiv und fantasielos? Eingeschüchtert von einer Welt, die zu groß und unerklärlich ist für sie, also greifen sie zu das, was sie kennen? Wollen sie so politisch engagiert und radikal sein wie ihre Großeltern, die auf die Straße gegangen sind und etwas verändert haben, und es fällt ihnen nichts besseres ein, als die Protestbewegung ihrer Großeltern fortzusetzen, obwohl deren Revolution längst gelungen ist und heute den Establishment stellt? Warum, wenn ich die Deutschen von heute anschaue, sehe ich immer wieder in ihnen meinen kleinen, braven, Mormonenfreund?

Comments

Anonymous said…
doch , ich habe eine Idee - nur für dich .